71-Jähriger war zwei Jahre zu Unrecht in Haft

Saarbrücken..  Zu Unrecht hatte ein 71-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs seiner Pflegetochter im Gefängnis gesessen, nun soll der Mann 50 000 Euro Schmerzensgeld erhalten. Ein psychologisches Gutachten, das zu seiner Verurteilung geführt hatte, habe wissenschaftliche Standards nicht eingehalten und sei insofern grob fahrlässig erstellt worden, befand das Landgericht Saarbrücken am Donnerstag. „Der Kläger hätte nie verurteilt werden dürfen“, hieß es zur Begründung.

Der 71-Jährige hat deshalb die damalige Gutachterin verklagt. Das Gericht hält eine Summe von 50 000 Euro Schmerzensgeld für die gesundheitlichen und psychischen Folgen von insgesamt 683 Tagen Haft und mögliche künftige Folgen für angemessen.

Das Justizopfer hatte ursprünglich auf 80 000 Euro Schmerzensgeld geklagt. Nach Angaben seiner Anwältin Daniela Lordt akzeptiere er aber die Entscheidung des Gerichts. Die Schadenersatzforderung begründete der ehemalige Bundeswehrbeamte unter anderem mit der Entfernung aus dem Beamtenverhältnis und Kürzungen bei der Pension.

In einem Wiederaufnahmeverfahren wurde das Urteil nach fast zwei Jahren Haft aufgehoben. Grundlage dafür war ein Gutachten aus einem späteren Zivilprozess der Pflegetochter, das der ursprünglichen Expertise Mängel und Fehleinschätzungen bescheinigte.