1000 Meter: Saudis bauen höchsten Wolkenkratzer der Welt

Der kratzt nicht mehr an den Wolken, der ragt heraus. Ursprünglich sollte der „Jeddah Tower“ mal eine Meile (1,6 Kilometer) hoch werden. Jetzt sieht der Plan vor, dass das Gebäude einen Kilometer in die Höhe ragt.
Der kratzt nicht mehr an den Wolken, der ragt heraus. Ursprünglich sollte der „Jeddah Tower“ mal eine Meile (1,6 Kilometer) hoch werden. Jetzt sieht der Plan vor, dass das Gebäude einen Kilometer in die Höhe ragt.
Foto: Adrian Smith + Gordon Gill
Er wird über 11.000 Stufen zählen, aber die Aufzüge schaffen zehn Meter pro Sekunde. Das zumindest ergibt Sinn im Rekordwolkenkratzer.

Dschidda.. Die Kilometer-Marke fällt: Der höchste Wolkenkratzer der Welt mit einer geplanten Höhe von 1000 Metern kann nun wie geplant gebaut werden, nachdem die Finanzierung gesichert ist.

Die konkreten Pläne für den „Jeddah Tower“ in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda am Roten Meer wurden bereits 2011 verkündet. Da war der 828 Meter hohe Burj Khalifa in Dubai gerade erst eröffnet worden, das bisher höchste Gebäude der Welt. Architekt Adrian Smith wird mit dem „Dschidda-Turm“ nun seinen eigenen Rekord überbieten. Ursprünglich war sogar buchstäblich ein echter „Meilenstein“ geplant – der Turm sollte nicht einen Kilometer, sondern auch eine Meile hoch werden. Experten bekamen da aber beim Baugrund Bedenken.

Turm ist Teil einer neuen Stadt

Etwa 11.000 Stufen werden vom Erdgeschoss bis ganz nach oben führen. Der Turm wird höher sein als der Kölner Dom sechs Mal aufeinander gestapelt und etwa vier Mal so hoch wie der Commerzbank Tower in Frankfurt, mit 258 Metern Deutschlands höchstes Hochhaus. Eine Aussichtsplattform in 637,50 Metern Höhe überragt den Berliner Fernsehturm um fast 300 Meter. Hinauf geht es in einem der Aufzüge, die es auf rund 35 km/h bringen.

Der Turm steht im Mittelpunkt des 21 Milliarden Euro teuren Bauvorhabens Kingdom City. Die saudische Kingdom Holdings meldete jetzt die Vertragsunterzeichnung mit Staatsfonds für die Finanzierung des künstlichen, rund 5,3 Quadratkilometer großen Stadtteils. Der Turm ist bereits seit 2011 im Bau, die saudische Bin-Laden-Gruppe ist dabei federführend.

Die Washington Post nennt die Entscheidung für den auf gut 1,1 Milliarden Euro Kosten veranschlagten Turm angesichts des niedrigen Ölpreises und der kostspieligen Kriegseinsatzes von Saudi-Arabien in Jemen überraschend. Treiber der Entscheidung sei der 79-jährige König Salman ibn Abd al-Aziz, der wohl auch aus dem Schatten seines 2015 verstorbenen Vorgängers Abdullah treten und Saudi-Arabien mit dem Bau positionieren wolle. Die Eröffnung des Turmes ist derzeit im Jahr 2020 geplant und hat sich damit gegenüber den ursprünglichen Plänen schon verzögert.

In erster Linie Prestigeprojekt

Wirtschaftlich betrieben werden kann ein solcher Turm aber kaum, zitiert eine Analyse für ein Magazin der NordLB den Architekten Martin Haas, Vize-Präsident der Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB): Fläche ist nicht so knapp, dass in Jeddah so stark verdichtet und derart extrem in die Höhe gebaut werden müsste. Von Nachhaltigkeit könne hier keine Rede mehr sein, so Martin Haas. Nach 167 Etagen kommen auch nach einem Bericht des Guardian 85 Stockwerke, die lediglich für Technik dienen. Sie sind zu schmal, um ansonsten sinnvoll genutzt werden zu können.