Düsseldorf

Sternenzauber über Düsseldorf

27.11.2008 | 03:00 Uhr
Sternenzauber über Düsseldorf

Helles, gleißendes Licht, ein roter Teppich, brennende Fackeln zu beiden Seiten des Eingangs - so pompös und luxuriös werden die Besucher zu später Stunde von Roncalli´s Apollo-Variete an der Rheinpromenade in Düsseldorf empfangen.

Die Atmosphäre unter der Rhein-Knie-Brücke ist gedämpft und leise Aufregung ist unter den wartenden Besuchern zu spüren. Keine Frage, Charme hat das Apollo-Variete auf jeden Fall und auch sonst hat es Einiges zu bieten: Tolle, aus der ganzen Welt eingeladene Artisten und aufregende Shows kann man als Besucher hier erwarten.

Doch nicht nur die Künstler sind international, auch das Publikum reist von weit her. Seit dem 29. Oktober, dem Premiereabend, hat das Theater am Rhein ein neues Programm - "Sternenzauber" heißt es diesmal.

Und verzaubert wird man wirklich...

Rund zwei Stunden lang zeigen 13 Artisten, zum Teil aus Vietnam, China, Spanien und Russland stammend ihr Können, in Form von anmutigen, jedoch auch kraftvollen akrobatischen Darstellungen, tänzerischen Einlagen auf einem äußerst dünnem Drahtseil (16 Milimeter), sowie einer extrem schnellen Jonglage.

Komplett und einmalig wird das Gesamtkunstwerk durch eine gelungene Mischung aus Live-Musik und aberwitziger, doch niveauvoller Komik.

Goßer Beliebtheit, nicht nur im Variete, sondern auch während der vergangenen Tournee des Chinesischen Nationalcircus, erfreut sich das Pas de Deux Duo. Die beiden Künstler Wen Xiong und Jiajiao Wie, die schon seit ihrem sechsten Lebensjahr zusammen trainieren, faszinieren die Zuschauer durch anmutige, doch auch abstrakte und übermenschliche Darstellungen ihrer ineinander verschlungenen Körper. Die verrenkten Gliedmaßen faszinieren und schrecken zugleich ab. Und doch oder gerade deswegen gefällt diese Vorstellung vielen Zuschauern am besten. Ein Ehepaar in den 40ern meint: "Eigentlich hat uns alles gut gefallen. Am besten war vielleicht die letzte Nummer." Mit dieser ist der eher sinnliche und ruhige Auftritt des Pas de Deux Duos gemeint.

Dagegen geht es bei Tuan Les Vorstellung enorm rasant zu. Äußerst geschickt und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit wechselt der Vietnamese rote Filzhüte auf seinem Kopf so schnell aus, dass diese in der Luft zu schweben scheinen. Nur ein einziges Mal verliert er einen Hut, doch alles geht so schnell bei Tuan Le, dass es unklar bleibt, ob dies nun Zufall oder Absicht war, denn mit keiner Gestik oder Mimik wird der eventuelle Fehltritt von Tuan Le verraten. Das Lächeln bleibt auf dem hochkonzentrierten Gesicht, auch als bei einem Höhepunkt die Musik plötzlich verstummt. Während man als Zuschauer nun leicht verunsichert ist, ob dies nun dazu dient die Spannung zu unterstreichen oder ob es sich bei dem plötzlichen Musikausfall um einen technischen Fehler handelt, lächelt Tuan Le und ruft ein leises und mit einem starken Akzent belegtes "Danke" aus. Und damit ist der kurze Augenblick der Stille vergessen, den dieser wird von begeistertem Applaus abgelöst.

Fast eben so flott, wie Tuan Le seine Hüte wechselt, wechselt das Ehepaar Oskana und Valdim ihre Kleidung.

Zusammen mit Till Kersting, der auf einer Gitarre begleitet, covert er gekonnt einige Hits der Sechziger und übersetzt sie frei ins Deutsche. Für die etwas jüngere Generation, die mit den Sechzigern weniger vertraut ist, sind die Gags nicht immer verständlich, doch durch die einmalige Gestik und Mimik von Jung, müssen alle mitlachen, ob nun verstanden oder nicht!

Bis zum 4. Januar ist es noch zu sehen, denn dann wechselt das Programm und man darf sich auf Neues freuen.

Die Ideen für die neuen Shows entwickeln übrigens der Gründer des Roncalli Zirkus' Bernhard Paul und Thomas Schütte, der Geschäftsführer.

Doch was macht das Apollo nun wirklich so einzigartig und besonders?

"Zunächst ist es das einzige Variete in Deutschland, das nach demZweiten Weltkrieg neu nachgebaut wurde", betont Pressesprecherin Kathrin Rauschning. "Dann ist es natürlich auch das einzige Theater, das unter einer Brücke und auch noch am Rhein steht."

Svenja Stöhr und Cornelia Sennewald, 8a, Freies Christliches Gymnasium.

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Kommentare
07.12.2008
18:57
Sternenzauber über Düsseldorf
von UweWalterAugsburg | #2

Sehr schöne beschriebener Abend. Wenn ich mal einen großen Auftritt habe wünsche ich mir die Beiden Autoren. Danke und schade diesen Abend nicht erlebt zu haben.

04.12.2008
20:16
Sternenzauber über Düsseldorf
von Harewazi | #1

Ein toller Artikel, fast glaubt man den besonderen Duft des Variete riechen, die Musik hören und das Atemanhalten der Zuschauer spüren zu können. Was mir sehr gut gefällt ist die Beobachtungsgabe der Autorinnen, und die Fähigkeit der Beiden, dies humorvoll , fein und bunt gestrichen aufs Papier zu bringen.

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