Schlecker-Insolvenzverwalter attackiert Familie und FDP
03.06.2012 | 13:05 Uhr 2012-06-03T13:05:13+0200
Hamburg. Nach dem endgültigen Aus für Schlecker gibt der Insolvenzverwalter Geiwitz der Familie Schlecker und der FDP eine Mitschuld. Laut einem Medienbericht sperrte sich die Familie Schlecker trotz eines Privatvermögens von 35 bis 40 Millionen Euro gegen eine Finanzspritze für die Juni-Verluste.
Nach dem endgültigen Aus für die Drogeriekette Schlecker verfügt die Gründerfamilie Medienberichten zufolge zwar noch über bis zu 40 Millionen Euro. Sie verweigerte aber finanzielle Hilfen und ist deshalb mitverantwortlich für das Scheitern der Sanierung, wie der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gegenüber dem Magazin "Spiegel" sagte. Eine Mitschuld am Ende des Unternehmens gab er auch der FDP.
Dass die FDP eine Bürgschaft wegen "parteipolitischer Probleme" für eine Transfergesellschaft ablehnte, "hat nicht nur uns den Garaus gemacht, sondern war auch eine Farce für die Betroffenen", sagte Geiwitz dem "Spiegel". Die FDP könne zwar aus ordnungspolitischen Gründen gegen eine Transfergesellschaft sein, doch dann müsse sie "auch die Konsequenzen klar benennen und nicht nur auf die Vermittler der Arbeitsagentur verweisen", warf er den Liberalen vor.
Schlecker-Familie sperrte sich offenbar
Der Insolvenzverwalter hatte dem Bericht zufolge die Familie Schlecker noch am vergangenen Freitag um eine Verlustfinanzierung von sieben bis neun Millionen Euro für den Monat Juni gebeten. Doch die Familie war Geiwitz zufolge "entweder nicht bereit oder nicht in der Lage", diese Summe zu zahlen. Die Schleckers besitzen dem "Handelsblatt" zufolge auch nach der Insolvenz noch über ein Privatvermögen von 35 bis 40 Millionen Euro.
Die Schlecker-Kinder Lars und Meike sollen den Millionenbetrag mit ihrer Leiharbeitsagentur "Meniar" erwirtschaftet haben. Über das Subunternehmen seien rund 4300 zuvor entlassene Schlecker-Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen in Leiharbeitsverträgen an Schlecker zurückvermittelt worden. Auf die Villa des Firmengründers Anton Schlecker haben die Gläubiger demnach keinen Zugriff, das Anwesen gehört Schleckers Frau. Schleckers Sportwagen seien dagegen Teil der Insolvenzmasse.
2800 deutsche Filialen mit 13.800 Beschäftigten sind betroffen
- Der 21 Jahre alte Anton Schlecker tritt 1965 in die Firma seines Vaters in Ehingen (Baden-Württemberg) ein, die damals noch eine Metzgerei ist.
- Der Sohn gründet schnell mehrere Selbstbedienungswarenhäuser. Als 1974 die Preisbindung für Drogerieartikel wegfällt, erkennt er das große Potenzial für Drogeriemärkte.
- 1975 eröffnet Schlecker den ersten Drogeriemarkt. 1977 hat Schlecker schon 100 Märkte.
- 1984 zählt die Kette bereits 1.000 Märkte, ein Jahrzehnt später hat sich die Zahl verfünffacht.
- Die Zahl der Filialen steigt weiter, auch etwa durch den Zukauf von Ihr Platz. Doch rutscht Schlecker im harten Wettbewerb der Branche in die roten Zahlen.
- Ende 2010 hat Schlecker noch etwa 7.000 Märkte und rund 30.000 Beschäftigte. Der Umsatz liegt zuletzt bei weniger als vier Milliarden Euro.
- Schlecker wird zahlungsunfähig und stellt am 23. Januar 2012 beim Amtsgericht Ulm einen Insolvenzantrag.
- Am 29. Februar 2012 kündigt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz harte Einschnitte bei Schlecker an: Von 6.000 Filialen werden nur rund 3.000 erhalten, 11.750 Mitarbeiter müssen gehen, gut 13.500 Beschäftigte sollen bleiben.
- Am 29. März 2012 scheitert eine Auffanggesellschaft der Bundesländer für die Schlecker-Mitarbeiter.
- Am 30. März 2012 bekommen 10.000 Schlecker-Beschäftigte die Kündigung. Mehr als 4.400 reichen Kündigungsschutzklagen ein.
- Die Suche nach Investoren gestaltet sich schwierig. Am 25. Mai bekommen die Interessenten noch eine Woche Zeit, bessere Angebote vorzulegen. Für die Beschäftigten ist dies gleichzeitig eine Galgenfrist.
- Am 1. Juni 2012 beschließt der Gläubigerausschuss bei einer Sitzung in Berlin das Aus für Schlecker.
Geiwitz hatte am Freitag nach monatelanger Investoren-Suche die endgültige Zerschlagung der Kette bekanntgegeben. Betroffen sind rund 2800 deutsche Schlecker-Filialen mit 13.800 Beschäftigten . Die meisten Mitarbeiter sollen ihre Kündigungen bis Ende Juni erhalten, über einen Sozialplan soll verhandelt werden. Bereits im April hatten mehr als 10.000 Schlecker-Angestellte ihren Job verloren, derzeit laufen noch rund 4500 Kündigungsschutzklagen.
Geiwitz zufolge schien in den vergangenen Wochen eine Investorenlösung mit dem Karstadt-Besitzer Nicolas Berggruen am wahrscheinlichsten. Allerdings gab es letztlich Bedenken "aufgrund der extremen Öffentlichkeitswirkung des Schlecker-Verfahrens", sagte Geiwitz dem "Spiegel".
Ihr Platz will wohl 342 Schlecker-XL-Filialen übernehmen
Der SPD-Abgeordnete Klaus Barthel erneuerte am Samstag die Forderung nach Gründung einer Transfergesellschaft für die Schlecker-Mitarbeiter. Der konservative Unternehmerverband Die Familienunternehmer wies dies zurück: "Die Kunden haben sich gegen einen Einzelhändler und sein Geschäftsmodell entschieden. Das muss die Politik als Marktentscheidung mündiger Verbraucher akzeptieren", erklärte Verbandschef Lutz Goebel in Berlin. Auch die FDP lehnt eine Transfergesellschaft weiter ab.
Geiwitz will am Montag mitteilen, welche Investoren welche Unternehmensteile übernehmen werden. Nach einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" soll die Schlecker-Tochter Ihr Platz unter einem neuen Eigentümer die 342 Schlecker-XL-Filialen übernehmen . (afp)

21:24
Ich frage mich allen Ernstes, was die FDP mit der Insolvenz von Schlecker zu tun haben soll.
Ich wüsste nicht, warum der Steuerzahler für die Insolvenz von Schlecker mit einstehen soll. Es liegt hier eindeutig ein Fehler der Fa. Schlecker vor, weil diese Firma die Zeichen nicht erkannt hat und rechtzeitig umgesteuert hat. Deshalb läuft der Ruf nach dem Staat völlig ins Leere. Dies sollte sich der Insolvenzverwalter einmal deutlich vor Augen führen. Wir haben immer noch eine Marktwirtschaft und keine Staatswirtschaft.
Wenn z.B. eine mittelständische Firma in in die Insolvenz geht, ruft auch niemand nach den Steuerzahlern.
Diese populistischen Aussagen sollte sich der Insolvenzverwalter ersparen
21:12
Echt ein sauberes Geschäftsmodell: Mitarbeiter kündigen, über eigene Leiharbeitsfirma wieder einstellen. So kann man nicht nur einmal die Lohnkosten drücken, sondern durch den Anteil der Leiharbeitsfirma sogar zwei Mal.
20:36
13000 Leute?
Ist doch kein Problem! Gibt dich immerhin knapp 25000 freie Stellen im Einzelhandel und nur 350000 momentan arbeitslos gemeldete Einzelhandelskräfte....
Mal gucken, was für "den Staat" (also uns) günstiger gekommen wäre: Eine Transfergesellschaft zu unterstützen oder die komplette Belegschaft in die Arme der sozialen Sicherung zu treiben.
Ich hab da so eine Ahnung....^^
19:47
Leute,
Wieso attackiert ihr die FDP? Wer hat denn die Schuld an der Misere? Natürlich die Schleckers, die einfach die Zeichen der Zeit verpasst haben. Nebenbei natürlich die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drangsaliert, schickaniert und ausgenutzt das es auf keine Kuhhaut geht. Anstatt sich anderweitig um günstigere Preise zu kümmern, synergie effekte zu nutzen, den Konzern so umzbauen das es sich den Herausforderungen der heutigen Zeit zu stellen wurde stattdessen was gemacht?
Mir tun die Leute leid die sich hier als moralapostel hinstellen. Ein jeder würde genauso wie die Schleckers aieren (Siehe Lidl, Aldi usw.).
Aldi zahlt die höchsten Löhne in der Branche, aber erwartet die doppelte Leistung von den Mitarbeitern.
Apropo, ich bin kein FDP wähler, aber denkt ihr die anderen Parteien hätten da anders agiert. Einge haben es hier schon auf den Punkt gebracht: die Banken haben in aller Welt das sagen.
In diesem Sinne...
jo, un mei Omma is n Kerl!
19:35
Schön, wenn rechtzeitig auf die Ehefrau überschrieben werden kann, egal ob es
Schlecker, ein Gebrauchtwagenhandel oder eine Bauunternehmung ist .
Hier sollte eigentlich mal die Sippenhaftung eingeführt werden, die gilt ja auch
bei Geschenken, die vom Sozialamt Jahre später zurückverlangt werden können.
19:09
Solange die Politik(die ja auch gar nicht daran interessiert ist,es zu ändern)diesen Sklavenhändlern freie Hand lässt,wird sich eh nichts ändern.Na ja-im Prinzip sind es ja auch die Banken,die das Geschehen in der BRD bestimmen.Und Muddi mit ihren Marionetten tanzt nach deren Pfeife und schaut lieber auf den eigenen Kontostand.Das vertreibt dann auch fix die schlechte Laune.Glück auf!!
18:14
so ist es.
17:57
Schuld Schuld Schuld....der ist Schuld, die sind Schuld....
Einzig und allein Schuld sind unsere Gesetze, die diese üblen "Geschäftsmodelle" erlauben. Die Familie Schlecker und ihre üblen Machenschaften (dort entlassen und bei XXL zu Niedriglohn wieder einstellen) sind mir natürlich höchst unsympathisch...aber sie haben nach den (übl(ich)en) Gesetzen gehandelt, das ist das Problem.
Diese "Marktgesetze" haben wir in erster Linie CDU,FDP,SPD,Grüne zu verdanken. Und ich denke, das sind die Parteien, die ca 80% der 13800 Schleckermitarbeiter gewählt haben.
Das Problem ist, das es in Deutschland zu wenig Leute gibt die hinschauen, die einfach keinen Bock haben sich mit den hier gegebenen politischen Verhältnissen befassen....
...und damit kommen wir zu der Geschichte mit den nicht so intelligenten Kälbern....
Zu MisterB,
wollen Sie den Sozialismus bei uns einführen? Wohin eine Staatswirtschaft (Sozialismus) führt, haben bei der ehemaligen DDR erlebt, so auch heute noch in Nordkorea und auf KUBA.
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DDR war ein sozialistischer Staat? Wieviele ihrer Augen haben sie dabei zugedrückt?
17:43
Der Insolvenzverwalter ist offensichtlich überfordert und hat einen schlechten Job gemacht. Nun andere für sein Versagen verantwortlich zu machen hat keinen Stil. Möglicherweise war Ihm sein eigener Gewinn zu gering.
Er könnte, um bei seiner Argumentation zu bleiben, auch behaupten die 100.000 Mitarbeiter von Aldi, Lidl, Penny, usw. verdanken ihren Arbeitsplatz der F.D.P und der Familie Schlecker.
17:12
Weche Summen werden an den Insolvenzverwalter überwiesen?
Dass es zu keiner besseren Lösung gekommen ist, ist natürlich auch das Ergebnis der Arbeit des Verwalters.
Es gab Zeit, Investoren zu finden. Es wurde nichts erreicht.
Es ist in Deutschland so, dass man die Haftung bei Unternehmen begrenzen kann. Das ist bekannt.
Der Grund für Schleckers Schwierigkeiten lag mit Sicherheit nicht an der Spitzen-Presse, den Lobeshymnen von Gewerkschaftern über das Unternehmen, den 1a-Lagen und den vollen Geschäften.