Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Drogerieketten

Schlecker-Insolvenz beflügelt den Einzelhandel - dm mit Rekordumsatz

18.10.2012 | 18:38 Uhr
Die Drogeriemarkt-Kette dm profitiert von der Schlecker-Pleite.Foto: dapd

Düsseldorf.   Nach der Schlecker-Insolvenz verzeichnet der übrige Einzelhandel deutliche Zuwächse. Die Drogeriemarktkette dm knackte im Geschäftsjahr 2011/12 in Deutschland erstmals die Fünf-Milliarden-Grenze und konnte mit 14 Prozent ein historisches Umsatzplus verbuchen.

Nachdem die größte Kette Schlecker vom Markt verschwunden ist, befindet sich die Drogerie-Branche im Umbruch: Der neue Marktführer dm meldete am Donnerstag historisch hohe Zuwächse, die Nummer zwei Rossmann will bei Lieferanten die Preise drücken – und immer mehr Kunden decken sich mit Drogerieartikeln in normalen Supermärkten ein.

Die Kette dm legte Rekordzahlen vor: Der Umsatz in Deutschland kletterte im Geschäftsjahr 2011/12, das am 30. September endete, um satte 14 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Das Wachstum ist allerdings nicht nur den 89 neu eröffneten Filialen geschuldet. Auf bestehender Fläche erreichte dm ein Umsatzplus von 8,8 Prozent. Im Ruhrgebiet hat die Kette 142 Filialen und will 2013 sechs zusätzliche eröffnen.

dm-Drogerien profitieren

Ausverkauf bei Schlecker

„Nur zu einem kleinen Teil ist das Wachstum auf die Schlecker-Insolvenz zurückzuführen“, sagte Ulrich Maith, in der dm-Geschäftsführung für das Produktmanagement verantwortlich, gestern in Düsseldorf. Dm hatte nur acht Schlecker-Filialen übernommen, aber 800 Mitarbeiterinnen der insolventen Kette eingestellt.

Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung von dm, sprach von einer „Umverteilung“ der vier Milliarden Euro Umsatz, die Schlecker einst hatte, auf „viele verschiedene Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel“. Von einer Konzentration beim Handel mit Drogeriewaren sei man allerdings „weit entfernt“. Die „mengenstärksten Wettbewerber“ von dm sind nach Angaben von Harsch Aldi und Kaufland. Lidl und Rossmann folgten „mit etwas Abstand“.

Umsatzplus auch in Supermärkten

Schlecker-Pleite
„Schlecker-Frau“ eröffnet eigene Drogerie

Neue Existenz nach vergeblicher Arbeitssuche: Die ehemalige Schlecker-Filialleiterin Manuela Stutzer hat im Kölner Stadtteil Esch ihre eigene Drogerie in einem der geschlossenen Läden eröffnet. "Ich weiß, was die Leute wünschen, was sie nachfragen", sagt sie.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte Anfang Oktober gemeldet, dass viele frühere Schlecker-Kunden ihre Putz- und Körperpflegeartikel sowie Kosmetik nun in normalen Supermarkt kauften. Die konnten laut GfK ihren Umsatz im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,9 Prozent steigern. Dm-Chef Harsch betonte gestern jedoch, dass er den Hochrechnungen der GfK „mit einiger Skepsis“ begegne.

Mit der Macht einer größeren Kundenschar im Rücken versucht der zweitgrößte deutsche Drogist Rossmann offenbar, Druck auf seine Lieferanten auszuüben. Das „Handelsblatt“ zitiert aus einem Brief, in dem Rossmann die Einkaufspreise um bis zu zehn Prozent drücken wolle.

Frank Meßing



Kommentare
Aus dem Ressort
Verurteilter Gribkowsky stützt Ex-Arcandor-Chef Middelhoff
Arcandor-Prozess
Im Arcandor-Prozess wegen Untreue in Millionenhöhe bekam Thomas Middelhoff am Donnerstag Unterstützung von Gerhard Gribkowsky. Der Ex-Banker hatte sich von Formel 1-Chef Bernie Ecclestone mit 30 Millionen Euro bestechen lassen und war deshalb zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Infineon vor Milliarden-Übernahme in den USA
Elektro
Der Halbleiterhersteller Infineon will sich in den USA mit einem milliardenschweren Zukauf verstärken. Für den auf Energiemanagement spezialisierten Halbleiterhersteller International Rectifier aus Kalifornien will Infineon 40 Dollar je Aktie zahlen.
Immer mehr Fußball-Bundesligisten schreiben schwarze Zahlen
Fußball
Zwei Drittel der Vereine in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga machen Profit. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young sind das fast doppelt so viele wie 2013. Entsprechend positiv bewerten die Klubs auch die wirtschaftliche Lage im deutschen Fußball - anders als viele Drittligisten.
Kassen: Fünf-Milliarden-Forderung der Ärzte unglaublich
Gesundheit
Bei den Honorarverhandlungen zwischen niedergelassenen Kassenärzten und Krankenkassen für 2015 zeichnet sich keine rasche Lösung ab.
PEN-Präsident hält weitere Schritte gegen Amazon für möglich
Amazon-Streit
Der Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, Josef Haslinger, ist zuversichtlich, dass der Protestbrief der deutschen Autoren von der Amazon-Spitze ernst genommen wird. Im Interview spricht der Chef der deutschen Schriftstellervereinigung über das schwierige Verhältnis von Autoren und Amazon.
Umfrage
In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?

In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?