Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Wirtschaft

Opel-Management macht Druck auf die Belegschaft

22.03.2013 | 21:56 Uhr

Nach der Ablehnung des Sanierungs-Tarifvertrags für das Opel-Werk in Bochum durch die Belegschaft erhöht das Management den Druck. In einem Gespräch mit dem Betriebsrat bekräftigte das Unternehmen am Freitag seine Absicht, die Autofertigung bis Ende 2014 in Bochum auslaufen zu lassen. Zudem soll noch in diesem Jahr die dritte Schicht in der Fahrzeugfertigung entfallen.

Bochum (dapd). Nach der Ablehnung des Sanierungs-Tarifvertrags für das Opel-Werk in Bochum durch die Belegschaft erhöht das Management den Druck. In einem Gespräch mit dem Betriebsrat bekräftigte das Unternehmen am Freitag seine Absicht, die Autofertigung bis Ende 2014 in Bochum auslaufen zu lassen. Zudem soll noch in diesem Jahr die dritte Schicht in der Fahrzeugfertigung entfallen. Wie bereits 2011 vereinbart soll bis zum Jahresende auch die Getriebefertigung eingestellt werden.

Der Betriebsrat des Opel-Werks geht derweil davon aus, dass das Unternehmen sich noch zu Nachverhandlungen über den Tarifvertrag bereit erklärt. Die Landesregierung forderte Management, Gewerkschaft und Belegschaft zu weiteren Gesprächen auf.

Am Donnerstag hatte die Bochumer Opel-Belegschaft das ausgehandelte Sanierungsprogramm für den angeschlagenen Autobauer mit 76,1 Prozent abgelehnt. Damit folgten die Beschäftigten der Empfehlung des Betriebsrats. Der Plan sah vor, dass Bochum nach Auslaufen der Fahrzeugproduktion 2016 Autoteile zuliefern und Logistikstandort werden sollte. Damit sollten 1.200 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Im Falle einer Ablehnung hatte das Unternehmen angekündigt, die Fahrzeugproduktion bereits zwei Jahre früher einzustellen.

Opel-Sprecher: Keine neue Gespräche

Ein Unternehmenssprecher erklärte am Freitag auf dapd-Anfrage, dass nach der Ablehnung des Tarifvertrags durch die Belegschaft keine neuen Gesprächen geplant seien. Es bleibe dabei, bereits Ende 2014 die Fahrzeugproduktion in Bochum zu beenden. Etwa 3.300 Opel-Mitarbeiter und mehr als 400 Mitarbeiter in einem als Joint Venture betriebenen Warenverteilzentrum sind damit von baldiger Arbeitslosigkeit bedroht.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel erwartet, dass es trotz der Aussagen des Managements Nachverhandlungen zu dem Tarifvertrag gibt und die Fahrzeugproduktion bis Ende 2016 erhalten bleiben kann. Nach Ansicht des Bochumer Betriebsrats würde eine vorzeitige Verlegung der Produktion dem Unternehmen teuer zu stehen kommen. "Man kann nicht von heute auf morgen die Zafira-Produktion einfach in ein anderes Werk verlegen. Das würde sehr hohe Kosten für Opel verursachen", sagte Betriebsrat Carsten Adametz.

Die Landesregierung rief Konzernführung und Gewerkschaft auf, den Gesprächsfaden jetzt nicht abreißen zu lassen. Zwar sei der Sanierungsplan nicht das Optimum gewesen, allerdings hätte er eine Perspektive "für einen längeren Zeitraum" gegeben, sagte Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD).

Einer Finanzspritze durch das Land erteilte der Minister eine Absage. "Es geht jetzt nicht darum, dass wir einen Batzen Geld auf den Tisch legen und die Entscheidung korrigieren können", sagte er. Derzeit befinde sich das Land in der Rolle des Vermittlers. Die Chance für eine Einigung bestehe weiterhin.

Die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) zeigte sich "sehr besorgt" über die aktuelle Situation. Für Bochum und die Region wäre der Verlust der Autoproduktion bereits im kommenden Jahr "ein schwerer Verlust". Sie könne "nur an die Vernunft aller Beteiligten appellieren und das Management auffordern, die Verhandlungen noch nicht für beendet zu erklären", sagte sie.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Die Messpunkte sind bekannt , die Autofahrer alle gewarnt. Trotzdem werden beim Blitzmarathon wieder die Kassen klingeln. Alles Abzocke?

Die Messpunkte sind bekannt , die Autofahrer alle gewarnt. Trotzdem werden beim Blitzmarathon wieder die Kassen klingeln. Alles Abzocke?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Sorge um hunderte Daimler-Arbeitsplätze in Düsseldorf
Sprinter-Produktion
Mit rund 6500 Arbeitsplätzen ist die Daimler in Düsseldorf das größte Transporterwerk des Stuttgarter Automobil-Konzerns. Nun ist eine beträchtliche Zahl an Arbeitsplätzen im Düsseldorfer Mercedes-Werk, wo der Sprinter vom Band rollt, zumindest mittelfristig in Gefahr.
Studie belegt: Kinder sind froh, wenn Eltern Arbeit haben
Kinder-Studie
Mutter muss ins Büro, Vater muss ins Büro – und die Kinder kommen in die Kita. Alltag in Deutschland, der den Eltern nicht selten ein schlechtes Gewissen vermittelt. Nun hat eine Studie gezeigt, dass Kinder gut damit klar kommen, wenn die Eltern einen Job haben.
Start für Kraftwerk in Hamm auf unbestimmte Zeit verschoben
RWE
Auch sechs Jahre nach der ursprünglich geplanten Inbetriebnahme ziehen sich die Probleme beim Bau des Steinkohlekraftwerk in Hamm hin. Jetzt erklärte RWE, die Inbetriebnahme sei auf unbestimmte Zeit verschoben.
Wie Bürger einem Hertie-Kaufhaus neues Leben einhauchten
Einzelhandel
Es gibt sie überall im Revier: die großzügig dimensionierten Kaufhäuser in den Innenstädten, in denen früher Hertie und davor Karstadt residierte. Viele dieser Gebäude stehen seit Jahren leer. Was tun mit den Immobilien? In Gelsenkirchen-Buer nahmen die Nachbarn die Sache selbst in die Hand.
Branche debattiert hitzig um umstrittenen Fahrdienst Uber
Taxigewerbe
Der Fahrdienst Uber bringt die Taxi-Branche gegen neue Anbieter auf die Barrikaden. Der Limousinen-Service Blacklane will in der aufgeheizten Stimmung die Wogen glätten und lud in Berlin zum Dialog. Das Frankfurter Landgericht hatte eine einstweilige Verfügung gegen Uber jüngst wieder aufgehoben.