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Opel-Betriebsräte verärgert über Kooperation mit Franzosen

24.10.2012 | 18:15 Uhr
Die Zafira-Produktion im Bochumer Opel-Werk.Foto: Ingo Otto

Bochum.   Die Erklärung über die weitere Zusammenarbeit von General Motors mit Peugeot/Citroën wurde ohne Information von Arbeitnehmervertretern und Aufsichtsrat veröffentlicht. Der Bochumer Betriebsrat äußerte sich gegenüber der WAZ Mediengruppe verärgert darüber. Die Entscheidung hat Auswirkungen auf die deutschen Opel-Werke.

Der US-Autokonzern General Motors (GM) hat gestern in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Zusammenarbeit mit dem französischen Autokonzern PSA auf „vier gemeinsame Autoprojekte“ konkretisiert und damit große Verärgerung bei der IG Metall ausgelöst. Hintergrund des Ärgers sind laufende Sanierungsverhandlungen zwischen Opel-Management, der IG Metall und den Standort-Betriebsräten, die bis Ende des Monats abgeschlossen sein sollten. „Wir sind nicht informiert worden und deshalb sehr verärgert“, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Nach Informationen dieser Zeitung ist selbst der Opel-Aufsichtsrat nicht über die Pläne informiert worden. Diesen zufolge sollen bereits bis Ende 2016 gemeinsame Modelle aus der Zusammenarbeit auf den Markt kommen.

Kooperation
Opel entwickelt vier Modelle zusammen mit PSA

Diese Entscheidung löst Empörung bei den Arbeitnehmern aus: Opel und Citroen haben beschlossen, künftig kooperieren zu wollen. Vier Modelle soll die General-Motors-Tochter Opel zusammen mit den Franzosen entwickeln. Arbeitnehmer-Vertreter fürchten sinkende Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen.

Für den gestrigen Mittwochabend ist kurzfristig eine weitere Verhandlungsrunde über die Sanierungspläne in Rüsselsheim angesetzt worden, an der auch GM-Europe-Chef Stephen Girsky seine Teilnahme zugesagt hat. Das europäische Arbeitnehmerforum (EEF), also die Betriebsräte von Opel und der englischen Schwestermarke Vauxhall, hat zudem ein außerordentliches Treffen des Wirtschaftsausschusses mit dem Management der GM-Töchter gefordert. „Das EEF wird nicht akzeptieren, dass die Beschäftigten gegeneinander ausgespielt werden, weder innerhalb eine Unternehmens, noch zwischen den Unternehmen“, heißt es.

Das aber ist womöglich ein frommer Wunsch. Im Gegensatz zu den deutschen Arbeitnehmervertretern wollte der PSA-Konzern aus Peugeot und Citroën bereits gestern die französischen Gewerkschaften informieren. Zudem gibt es nach Informationen dieser Zeitung aus Unternehmenskreisen konkrete Planspiele, wonach die französischen Zwillingsmodelle Peugeot 508 und Citroën C5 im Rüsselsheimer Werk gefertigt werden sollen. Im Gegenzug solle der Zafira aus Bochum in ein französisches Werk abwandern. Würde eine solche Lösung nicht zustande kommen, solle der Zafira das schlecht beschäftigte Stammwerk Rüsselsheim auslasten.

„Bochum als Blutopfer – das wird es mit uns nicht geben“, sagte Einenkel. Die geplante Zusammenarbeit werde Folgen für die Produktion haben, so Einenkel. Umso unverständlicher sei es, wenn die Betriebsräte nicht informiert werden.

"Lasst Opel nicht sterben"

Dass wie vielfach vermutet auch der gemeinsame Bau von Modellen geplant ist, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Dort ist die Rede einerseits von der „Entwicklung gemeinsamer Fahrzeugplattformen“, andererseits von vier „gemeinsamen Fahrzeugprojekten“, nämlich Kleinwagen (Corsa), kleine (Meriva) und größere (Zafira) Vans sowie die Mittelklasse-Limousinen (Insignia). Wer welche Entwicklung federführend übernehmen soll, blieb ungesagt.

PSA erhält sieben Milliarden Euro

„Weitere Felder der Zusammenarbeit wolle man ausloten“, heißt es in der Erklärung. PSA-Chef Varin hatte bereits bei der Verkündung der Zusammenarbeit mit General Motors Ende Februar ausdrücklich auch von der zukünftigen Möglichkeit gesprochen, gemeinsam entwickelte Modelle auch gemeinsam zu produzieren.

Video
Bochum, 21.05.2012: Zur Betriebsversammlung im Bochumer Opelwerk kamen außer den Mitarbeitern auch viele Menschen die Ihre Solidarität bekunden wollten.

Der ebenso wie Opel unter der Auto-Absatzkrise in Europa leidende PSA-Konzern steht nach dem Schließungsbeschluss für das Werk Aulnay in Frankreich unter Druck. Mit Garantien in Höhe von sieben Milliarden Euro hat der Staat gerade die schwankende Peugeot-Bank aufgefangen. Im Gegenzug soll der in privater Hand befindliche Autohersteller beim geplanten Abbau von insgesamt 8000 Stellen auf betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen in Frankreich verzichten.

Gerd Heidecke und Thomas Wels


Kommentare
25.10.2012
23:19
Opel-Betriebsräte verärgert über Kooperation mit Franzosen
von kuba4711 | #5

Dies scheint wirklich der Fluch unserer Zeit zu sein ,dass die neoliberalen Theologen den Begriff "Markt" offensichtlich nicht verstehen bzw. nicht verstehen wollen.
Und dann verstehen sie auch den Begriff "Überkapazität" -naturnotwendig- nicht.
Ich versuchs mal anders:
Am Anfang des Monats herrscht auf meinem Konto "pekuniär und sehr kurzfristig - Überkapazität.
Spätestens am 25 jeden Monats ist bei mir in finanzieller Hinsicht der "Markt" zusammengebrochen"!
Merken wir was?
Ein Markt kann nicht funktionieren ,wenn man nur die Angebotsseite im Marktgeschehen im Blick hat.
Oder auf kurpfälzisch :
"Autos kaufen keine Autos!"
Dies gilt übrigens in diesen Tagen auch für die "Must have" - Marken.
Daimler erwägt die Reduzierung der Belegschaft .
Jetzt noch weil der Gewinn von 8 Mrd. 9 Prozent unter dem Vorjahres -Gewinn liegt.
Macht weiter so und der Zusammenbruch ist vorprogrammiert.

1 Antwort
Vive la France
von Guntram | #5-1

Okay, nehmen wir also auch die Käuferseite in den Fokus. Dann gehören Sie also auch zu denen, die es unterstützen, wenn sich jedes Jahr zum Weihnachtsgeschäft ein Vertreter des Einzelhandels zu Wort meldet und sich beklagt, die Leute würden zu wenig kaufen. Ist ja auch ein Jammer. Also ich bemüh mich ja schon wirklich, jeden Tag 5 Schnitzel, jeden Monat 5 Jacken, 10 Hosen, 20 Paar Schuhe. Und 3 Fernseher und 5 Notebooks pro Jahr. Ich miete schon Lagerhallen an, um die Früchte meines bürgerpflichtigen Kaufzwangs unterzubringen. Jetzt brauch ich aber noch Parkhäuser, wenn ich bei Opel, Peugeot und Citroen einen Dauerauftrag zur Lieferung von je 5 Autos pro Monat einrichte. Aber ich hätte eine Lösung: Mein neues Hobby wird Airbag-Testen. Dann lohnt sich die Neuanschaffung wenigstens. Ja, ich geb mein Bestes und bitte zu entschuldigen, dass ich lange Zeit so nachlässig war. Kommt nicht wieder vor.

25.10.2012
13:07
Opel-Betriebsräte verärgert über Kooperation mit Franzosen
von captainkawa | #4

Was ist an Überkapazität nicht zu verstehen?

25.10.2012
10:35
Opel-Betriebsräte verärgert über Kooperation mit Franzosen
von kuba4711 | #3

Der Unterschied zwischen "must have" und "be silly" ist leider nur ein Gradueller.
Dei der Infrage - Stellung von ganzen Werken aus einer fernen Konzernzentrale heraus , diese Entscheidung kann ganze Infra -Strukturen einer ganzen Gegend unwiderbringlich zerstören.
Man muss sich nur mal in Detroit und Umgebung umschauen.
Ansonsten freut es mich immer wieder ,wenn von Apologeten des sog. neoliberalen Marktprinzips von Überkapazitäten im Auto -Sektor gesprochen wird.
Überkapazitäten von welchen Ausgangswerten und welcher Markt- Situation betrachtet?
Ich habe in meiner frühen Jugend noch erlebt ,dass sich der deutsche Automobilbauer mindestens alle drei Jahre ein neues Fahrzeug leisten konnte.
Von der Marke ,die er selbst produziert hat und von dem Werk in dem er seine Brötchen verdient hat.
Auch spricht es nicht gerade für volkswirtschaftliche Allgemeinbildung ,wenn man bei der Anschaffung nicht unterscheidet welches Produkt in unserem Land die längste Wertschöpfungskette hatl

1 Antwort
Einkaufen kann so viel Spaß machen
von Guntram | #3-1

Wenn sie einfordern, dass nur Menschen mit "volkswirtschaftlicher Allgemeinbildung" einkaufen dürfen (denn alle anderen beachten ja nicht die "Wertschöpfungskette"), dann sollten sie auch einfordern, dass Menschen mit politischer Allgemeinbildung zur Wahl zugelassen werden.
Tatsächlich aber ist es nicht die Aufgabe der Kunden, bei der Anschaffung derartige weitreichende Überlegungen anzustellen. Sie dürften mit Ihrer Einstellung im Supermarkt nie die Kasse erreichen, wenn sie bei jedem einzelnen Produkt die genaue Auswirkung des Kaufens bzw Nicht-Kaufens hinterfragen. Wissen sie eigentlich, wievielen Arbeitnehmern sie schon weh getan haben, weil sie im Supermarkt einfach an den von ihnen in Deutschland produzierten Waren vorbei gegangen sind? Fühlen Sie sich wohl bei dem Gedanken, durch eine solche Vernachlässigung Ihrer volkswirtschaftlichen Allgemeinbildung ganze Familien zerstört zu haben? Ich bekomme bei Opel keinen Preisbonus, wenn ich mich "erkenntlich" zeige.

25.10.2012
10:22
Opel-Betriebsräte verärgert über Kooperation mit Franzosen - Warum?
von Guntram | #2

Diese Diskussion um die Werke hat schon was sehr Merkwürdiges. Hier werden künstlich Werke erhalten, die ganz einfach über sind. Alle drei Hersteller haben Überkapazitäten. Und da nicht über Nacht plötzlich alle ihre VWs und Fords verkaufen und dafür bei Opel, Peugeot und Citroen zuschlagen, muss man hier nunmal Kapazitäten abbauen. Und wenn es Synergien gibt, muss man die nutzen. Ganz ehrlich, wen interessiert, ob sein Van von Opel oder von Peugeot ist? Wen interessiert es, ob ein Peugeot mit einem Opel-Motor fährt oder ob der Peugeot in Rüsselsheim oder sonstwo gebaut wird? Ein Hinweis besonders an die Adresse der Gewerkschaften: Alle drei Marken sind keine "Must Haves". Und so traurig es klingt, sie laufen in der Beliebtheit irgendwo zwischen Hyundai und Fiat. Das war vielleicht mal anders. Aber leider haben sich die Zeiten geändert. Das mag man schade finden oder nicht, man muss aber Konsequenzen ziehen.

25.10.2012
06:14
Opel-Betriebsräte verärgert über Kooperation mit Franzosen
von DerRheinberger | #1

Auf die Idee, eine längst fällige Kooperation mit den französischen Gewerkschaften einzugehen und Aktionen ( Jawohl, ich meine wirklich Streiks!! ) gemeinsam durchzuführen, sind die deutschen Gewerkschaftsführer leider noch nicht gekommen.

Während das Kapital schon seit vielen Jahren überhaupt keine Grenzen mehr kennt und ihre Beschäftigten mit den billigsten, durch Gewalt unterdrückten Arbeitnehmern der sogenannten dritten Welt gegeneinander ausspielt, lassen sich die kuscheligen Arbeitnehmervertreter von deutschen Parteien und Gerichten immer noch vorschreiben, ob und wann sie streiken dürfen. Dabei können die deutschen Arbeiter gerade von Frankreich eine Menge lernen, dort wagt man es sogar schon mal, sich gegen eine Regierung zu erheben!

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