Lagarde und Schäuble streiten über Zukunft Athens
12.10.2012 | 08:34 Uhr 2012-10-12T08:34:23+0200
Tokio. Sie will Griechenland mehr Zeit für Reformen geben, er will lieber auf harte Fakten warten: Die Meinungsunterschiede zwischen IWF-Chefin Lagarde und Bundesfinanzminister Schäuble werden bei Jahrestagung von IWF und Weltbank in der Griechenland-Frage besonders deutlich.
IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble haben ihre Meinungsverschiedenheiten in der Frage einer Verlängerung des Frist für Griechenlands zur Haushaltssanierung deutlich gemacht.
Lagarde sprach sich am Freitag bei einer BBC-Diskussion am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank dafür aus, Griechenland angesichts erreichter großer Fortschritte mehr Zeit zu geben. "Ein bisschen mehr Zeit ist nötig", sagte sie.
Schäuble gegen Spekulationen
Schäuble dagegen betonte, erst einmal solle der Bericht der Troika abgewartet werden, ehe man Entscheidungen in Sachen Griechenland trifft. "Wir sollten nicht darüber spekulieren", warnte er. Das schaffe nur neue Unsicherheiten. Im Übrigen sei die Lage in Griechenland einzigartig in Europa und nicht mit anderen Krisenfällen zu vergleichen.
Weidmann mischt sich in Konflikt ein
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hob hervor, dass "es klar sein (muss), dass eine Streckung des Anpassungszeitraums (für das Land) natürlich auch mit höheren Finanzierungen verbunden ist". Dies müsse mit aller Ehrlichkeit gesagt werden. Zuvor hatte sich IWF-Chefin Christine Lagarde dafür ausgesprochen, Griechenland mehr Zeit für das Erreichen seiner Spar- und Reformziele zu geben.
Auch im Konflikt zwischen Haushaltssanierung und Wachstumsförderung äußerte sich Lagarde flexibler als Schäuble, der unterstrich, nachhaltige Finanzen seien eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum.
Die Überwindung der Krise sei "unglaublich schwierig", sagte Lagarde in der japanischen Hauptstadt vor den Vertretern der 188 Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds. Es sei wichtig, "den richtigen Rhythmus" für den Abbau der Schulden zu finden. "Das ist ein schmaler Weg, wahrscheinlich ein langer Weg, für den es keine Abkürzung gibt."
In allen 17 Euro-Staaten ist der neue, dauerhafte Euro-Rettungsschirm ESM ratifiziert, am Montag soll er nun in Kraft treten. Zuvor hatte es Verzögerungen gegeben. Der Schirm soll bedrohten Euro-Ländern Geld zu niedrigen Zinsen verschaffen. Die Euro-Finanzminister geben den ESM am Montag frei.
Sie warnte davor, das Wachstum der Sparpolitik zu opfern. Die Krisenbewältigung müsse Priorität haben. Mittelfristig müssten die Schulden gesenkt werden. Strukturelle Reformen seien dann nötig, um langfristiges Wachstum sicherzustellen, erklärte sie weiter.
Lagarde: "Weltwirtschaft in Gefahr"
"Das ist das Paket, das benötigt wird", sagte Lagarde. "Ohne Wachstum ist die Zukunft der Weltwirtschaft in Gefahr." Die weltweite wirtschaftliche Erholung sei noch zu schwach. Für Millionen Menschen seien die Aussichten auf einen Arbeitsplatz noch immer zu schlecht, die Kluft zwischen Armen und Reichen sei noch immer viel zu groß.
Sowohl Lagarde als auch Weltbankpräsident Jim Yong Kim betonte, ohne größere Gerechtigkeit und Gleichheit sei Wachstum nicht nachhaltig. Die Proteste des Arabischen Frühlings hätten gezeigt, dass Wachstum Arbeitsplätze für Junge und Frauen bringen müsse.

09:00
@Kuba
Schäuble und Merkel stehen ja vor dem Problem, sich zwischen ökonomischer Vernunft oder der Meinung des Stammtischs zu entscheiden.
Sie entscheiden sich für Letzeres.
Mittlerweile versteht die ganze Welt Deutschland nicht mehr.
Man muss den Eindruck haben, Deutschland werde von Geisteskranken geführt.
"Man muss den Eindruck haben, Deutschland werde von Geisteskranken geführt"
Ist das irgendwo anders? :-)
@ Hugo60
Dem stimme ich ausdrücklich und aus voller Überzeugung zu !
Gruß kuba4711
19:43
Madame Lagarde wird in anderen Presse -Quellen auch noch zitiert mit der Bemerkung :
"Ich verstehe die deutsche Strategie nicht!"
Damit hat sie das Vorgehen der Regierung Merkel und des Finanzministers Schäuble bei der Eurokrise im Allgemeinen und der griechischen Krise im Besonderen gemeint.
Damit ist sie weder in Europa noch in Amerika allein.
Wollen Madame Kanzler und ihr Finanzminister Schäuble - posthum - die Brüning`sche
Sparpolitik versuchen historisch rein zu waschen???
Politisch - ökonomischer Größenwahn oder ideologisierte Politik?
17:00
Wer seine Kompetenzen verschenkt, muss sich nicht wundern, wenn er bevormundet wird. Es sind die ersten Folgen des Ausverkaufs unseres Landes.
10:08
Man muss die Überlegung schon anstellen wie Wachstum sich regeneriert,den das anwachsen von Geld und Vermögen ist nicht vom Himmel gekommen.Die Geldmenge muss dem Wohlstand folgen.Die fehlende Anpassung führt zur Rezession,Schulden machen ist umverteilen und führt auch zur Rezession.Eine gesunde Inflation hat einer Wirtschaft noch nie geschadet,es sei den man hat den Pickoff überschritten,dann kann man die Zinsen der Schulden nicht bedienen.Und das ist der Fehler den die Politiker gemacht haben,immer wurde ihnen eingeredet von Lobbyisten,denkt an die 20er Jahre,denkt an die Hyperinflation und nun....Wehe dem das durch den ESM die Zinsen für die Bundesschulden angepasst werden,dann sind wir Pleite!
09:55
Der grosste Spekulant ist der deutsche Staat- die Politiker haben alles!(unser Vermögen und Ersparnisse ) nur auf ein (totes) Pferd gesetzt- der EUro und damit haben sie sogar die Zukunft der nächste Generationen verspielt.
Lagarde und Schäuble streiten sich? :)))
09:22
"Ohne Wachstum ist die Zukunft der Weltwirtschaft in Gefahr."
Genau. Aus diesem Grunde benötigen wir auch immer mehr Menschen auf der Erde und sollten langsam beginnen, diese kräftig zu vergrößern. Sonst wird das nichts mit dem Wachstum und die Welt geht unter...