Handel fordert wegen Karten-Chaos Schadensersatz
06.01.2010 | 21:59 Uhr 2010-01-06T21:59:00+0100
Essen. Während Bankkunden mit EC- oder Kreditkarten weiter Probleme beim Bezahlen und Geldabheben haben, versucht die Kreditwirtschaft fieberhaft den teuren Austausch von rund 30 Millionen Bankkarten zu verhindern. Der Handel fordert unterdessen Schadensersatz von den Banken.
Auch sieben Tage nach Beginn des Jahres 2010, das den Chips auf rund 30 Millionen deutschen Bankkarten Probleme macht, gibt es weiter Einschränkungen beim Geldabheben und beim Bezahlen mit EC- oder Kreditkarten. Immerhin, die Geldautomaten im Inland akzeptierten betroffene Karten mittlerweile wieder, heißt es beim Zentralen Kreditausschuss. Doch an den Kartenterminals im Handel und an Geldautomaten im Ausland gebe es weiter Probleme.
Die Kreditwirtschaft versucht unterdessen fieberhaft, den teuren Austausch von rund 30 Millionen Bankkarten zu verhindern. Dies könnte nach Branchenangaben bis zu 10 Euro pro Karte kosten. Der französische Kartenhersteller Gemalto übernahm die Verantwortung dafür, dass Chips auf betroffenen Karten Probleme mit der Jahreszahl 2010 haben.
Verärgerte Kunden
Banken und Sparkassen sehen sich zudem mit Schadenersatz-Forderungen konfrontiert. Die Institute müssten „mit Ausfallgarantien und Schadenersatz geradestehen”, forderte Stefan Genth, Chef des Einzelhandelsverbands HDE. Es gebe „verärgerte Kunden und verloren gegangene Einnahmen, wofür wir schlicht nichts können”.
Von dem Jahr-2010-Problem sind auch andere Systeme betroffen – etwa Computer in Düsseldorfer Straßenbahnen.
Seit dem Jahreswechsel spielen Fahrtziel-Anzeigen verrückt. Auch E-Mail-Programme sollen 2010-Probleme haben. E-Mails werden mit dem Jahr 2016 gekennzeichnet und in den Spam-Filter verschoben.
„Bis die Panne behoben ist, sollten Banken bei Verbrauchern keinerlei Gebühren für das Abheben am Schalter oder an Geldautomaten fremder Geldinstitute in Rechnung stellen. Auch die Grundgebühr für die Karten sollte in diesem Monat entfallen”, forderte Klaus Müller, Chef der Verbraucherzentrale NRW. Ähnlich äußerte sich Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).
Ärgerlich und peinlich
Ärgerlich und peinlich können Plastikgeld-Probleme etwa an Tankstellen werden, wenn der Tank voll, aber kein Bargeld zur Hand ist. „Mal klappt es, mal klappt es nicht”, kommentierte am Mittwoch eine Mülheimer Tankstellenpächterin die aktuellen Erfahrungen mit den EC-Karten. An mancher Station warnen deshalb nun Hinweisschilder an Zapfsäulen vor möglichen Problemen an der Kasse.
Die Rewe-Gruppe (Rewe, Penny, toom, ProMarkt) teilte indes mit, ihre Märkte seien von den Problemen nicht betroffen, weil sie eine ältere Version des Computerprogramms einsetzen, dass die Zahlungsterminals steuert.
Hoffnung auf Montag
Ab Montag soll das elektronische Bezahlen im gesamten deutschen Einzelhandel wieder funktionieren, verspricht die Kreditwirtschaft. Bis dahin setzen einige Händler verstärkt auf das elektronische Lastschriftverfahren, also das Bezahlen mit Karte und Unterschrift. Dies ist für den Handel sogar günstiger, dafür trägt das Geschäft das Risiko, dass das Konto des Kunden auch gedeckt ist.
Während das Geldabheben mit deutschen Bankkarten in den USA und Südost-Asien nach Angaben des Bankenverbands problemlos möglich ist, weil dortige Automaten nur den Magnetstreifen und nicht den Chip auslesen, drohen deutschen Bankkunden im EU-Ausland weiter Zahlungsschwierigkeiten. Vor einer Reise könnten sich Kunden vorab bei ihrer Bank oder Sparkasse erkundigen, ob ihre Karte im Ausland Probleme macht, heißt es unisono beim Banken- wie beim Sparkassenverband. Ein Sprecher des Zentralen Kreditausschusses rät Reisenden im Zweifel zu Reiseschecks und Bargeld zu greifen. Vor Ort könne man mit der Kreditkarte auch am Schalter Geld abheben, anderenfalls sollen sich Kunden „mit ihrer Bank oder Sparkasse in Verbindung setzen”.
Kritik an mangelnder Information
Neben der schleppenden Aufarbeitung des Problems kritisierten Verbraucherschützer die mangelnde Information der Kunden. „Das größte Problem ist die verheerende Aufklärungsarbeit, die die Institute betreiben”, sagte Manfred Westphal, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentralen-Bundesverband. Auf Internetseiten betroffener Banken suchte man auch am Mittwochabend oft noch vergeblich nach Hinweisen.
Generell können von der Panne nur neuere Karten betroffen sein, die neben dem Magnetstreifen auch einen Sicherheitschip haben. Allerdings funktionieren - zumindest bei den Sparkassen - ganz neue Karten offenbar problemlos. „Alle EC-Karten, die nach dem 1. Juli und alle Kreditkarten, die seit März 2009 ausgegeben wurden, sind nicht betroffen”, sagte ein Sprecher des Sparkassenverbands.
Inwiefern Bankkunden Kosten – etwa für Reiseschecks oder Bargeldabhebungen am Bankschalter – erstattet werden, blieb offen. Vertreter von Banken und Sparkassen sicherten Kulanz zu. Konkrete Zusagen gab es aber nicht.

18:18
Ausgeber sind die Banken. Sie sind haftbar. Sie können sich ihrerseits dann an den Kartenherstellern schadlos halten.
18:15
Der französische Kartenhersteller Gemalto übernahm die Verantwortung dafür, dass Chips auf betroffenen Karten Probleme mit der Jahreszahl 2010 haben.
Na, dann ist doch alles klar. Schadenersatzforderungen an die Firma Gemalto. Ebenso hat die Firma die Kosten für den notwendigen Austausch der Karten zu tragen, alles andere ist Flickschusterei. Wie soll die Übernahme der Verantwortung denn sonst aussehen?
Wer Verantwortung übernimmt, muß für die Folgen seiner Fehler geradestehen. Ansonsten wäre es nur ein Lippenbekenntnis und bedeutungslos.