Evonik-Börsengang rückt immer näher
11.05.2012 | 18:28 Uhr 2012-05-11T18:28:00+0200
Essen. Der Börsengang des Essener Chemieriesen Evonik ist wieder wahrscheinlicher geworden. Die Eigentümerin, die RAG-Stiftung, will flexibel mit dem prognostizierten Konzernwert umgehen. Evonik erwartet im laufenden Jahr mindestens einen stabilen Gewinn.
Der Börsengang des Chemiekonzerns Evonik mit dem ersten Handelstag am 25. Juni ist wahrscheinlicher geworden. Hintergrund ist die Aufweichung, den die Eigentümer bei der Mindestbewertung des Unternehmens machen. Bislang hatte Wilhelm Bonse-Geuking als Chef des Mehrheitseigentümers von Evonik, der Essener RAG-Stiftung, nach WAZ-Informationen intern einen Mindestwert von 15 Milliarden Euro für Evonik zur Bedingung für den angestrebten Aktienverkauf gemacht. Diese Grenze ist nun auf Arbeitsebene bei einem Treffen im Berliner Finanzministerium relativiert worden.
Die Bundesregierung hat bei der Entscheidung Gewicht, da sie im 13-köpfigen Kuratorium der Stiftung, die das Geld für die Begleichung der Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus einsammeln muss, fünf Personen einschließlich des Vorsitzenden stellt. Bonse-Geuking sagte dieser Zeitung: „CVC und Stiftung haben eine klare und unveränderte Vorstellung vom fairen Wert der Evonik, den wir im Börsengang realisieren wollen. Sie wird zudem durch die aktuelle Geschäftsentwicklung der Evonik und deren Ausblick unterstützt. Wir haben jedoch keine Zahlen genannt und kommentieren auch keine.“
Hintergrund: Ein allzu rigide ausgelegter Mindestwert könnte den Börsengang stoppen. Finanzfachleute berechnen den Wert eines Unternehmens anhand des erwarteten Ergebnisses vor Abzug der Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), multipliziert mit einem in der Branche vergleichbaren Multiplikator. Dieser kann je nach Marktbedingungen schwanken und liegt für Unternehmen wie BASF oder Lanxess zwischen 5,2 und 6,4. Von dem vervielfachten operativen Ergebnis sind im Falle von Evonik Verbindlichkeiten und Pensionsverpflichtungen von 3,5 Milliarden Euro abzuziehen, hinzuzuzählen ist der Wert der Immobilien, der sich auf schätzungsweise zwei Milliarden Euro beläuft.
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