Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Wirtschaft

Düstere Aussichten für deutsche Solarfirmen

14.11.2012 | 15:16 Uhr
Foto: /ddp/Norbert Millauer

Der Niedergang der deutschen Solarwirtschaft setzt sich unvermindert fort. Selbst der frühere Branchenprimus Solarworld gerät immer tiefer in den Abwärtssog. Im dritten Quartal 2012 häufte der Bonner Konzern unter dem Strich einen Verlust von 68,7 Millionen Euro auf, wie das im TecDAX notierte Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Das ist gut sechsmal so viel wie ein Jahr zuvor.

Bonn/Prenzlau (dapd-nrw). Der Niedergang der deutschen Solarwirtschaft setzt sich unvermindert fort. Selbst der frühere Branchenprimus Solarworld gerät immer tiefer in den Abwärtssog. Im dritten Quartal 2012 häufte der Bonner Konzern unter dem Strich einen Verlust von 68,7 Millionen Euro auf, wie das im TecDAX notierte Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Das ist gut sechsmal so viel wie ein Jahr zuvor. Beim operativen Ergebnis (Ebit) stand ein Minus von fast 46 Millionen Euro zu Buche, nach einem Gewinn von 19,2 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Umsatz brach wegen des Preisverfalls bei Solaranlagen um 41 Prozent auf 128,8 Millionen Euro ein.

Für das Gesamtjahr sieht Solarworld schwarz. Das Unternehmen erwartet einen deutlichen operativen Verlust und Umsätze weit unter Vorjahresniveau. 2011 hatte der Konzern bei einem Umsatz von 1,04 Milliarden Euro einen Ebit-Betriebsverlust von 233 Millionen Euro verbucht.

Ähnlich dramatisch ist die Lage bei der Bosch-Tochter Aleo Solar. Im dritten Quartal 2012 erwirtschaftete der Solarmodulhersteller nach Steuern einen Verlust von 39,2 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Prenzlau mitteilte. Ein Jahr zuvor war noch ein Gewinn von gut drei Millionen Euro erwirtschaftet worden. Der Umsatz halbierte sich auf 56 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr hat Aleo Solar die Erwartungen bereits gesenkt. Das Management rechnet jetzt mit einem Umsatz von rund 280 Millionen Euro und einem verschlechterten Konzernergebnis. 2011 betrug der Umsatz knapp 462 Millionen Euro, der Verlust 32,2 Millionen Euro.

Die deutsche Solarwirtschaft macht vor allem die Billigkonkurrenz aus China für ihre Misere verantwortlich, der schon zahlreiche Firmen zum Opfer gefallen sind. Unter der Federführung von Solarworld gehen europäischen Firmen derzeit bei der EU-Kommission juristisch gegen angebliches Preisdumping und unfaire Staatssubventionen in China vor.

Doch auch bei einem möglichen Erfolg in Brüssel sei nicht zu erwarten, dass Solarworld Marktanteile von den Chinesen zurückgewinne, sagte Analyst Leonard Herbig vom Zentrum für Solarmarktforschung. Er sieht vor allem auch die heimische Produktion als Problem der Branche. "Die Fertigung am deutschen Standort ist, auch bei einem hohen Automatisierungsgrad, zu teuer," erklärte Herbig.

Solarworld will noch mehr sparen

Angesichts der düsteren Aussichten kündigte Solarworld-Chef Frank Asbeck für seinen Konzern ein Sparprogramm mit weiterem Stellenabbau an. Konkrete Zahlen nannte er nicht. "Wir werden alles dafür tun, dass Solarworld die schwierige Konsolidierungsphase übersteht", schrieb er im Zwischenbericht. Ende September hatte Solarworld 2.920 Beschäftigte und damit bereits rund 430 weniger als ein Jahr zuvor.

Bei Aleo Solar arbeiten die 700 Beschäftigten im Werk Prenzlau in der Uckermark seit Anfang Oktober bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr. "Wir sind aber entschlossen, zum Jahresanfang die Produktion wieder aufzunehmen", sagte Firmensprecher Hermann Iding der Nachrichtenagentur dapd. Am Dienstag hatte Bosch den Finanzspielraum der verlustreichen Solartochter unter anderem durch einen Schuldenerlass um 75 Millionen Euro erweitert.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
14.11.2012
18:34
Düstere Aussichten für deutsche Solarfirmen
von turboschnecke1951 | #1

rösler hat es fast geschafft, der strompreis ist für privatverbraucher endlich schön hoch, die solar-und windradhersteller liegen wieder am boden.

es lieferte die gelb-blaue partei.

Umfrage
Die Stadt Dortmund lehnt Pfandringe an Mülltonnen ab: Sie seien zu gefährlich . Teilen Sie diese Einschätzung?

Die Stadt Dortmund lehnt Pfandringe an Mülltonnen ab: Sie seien zu gefährlich . Teilen Sie diese Einschätzung?

 
Aus dem Ressort
Pilotengewerkschaft sagt Streik bei Lufthansa kurzfristig ab
Lufthansa
Überraschung im Tarifkonflikt der Lufthansa. Verhandeln statt streiken heißt offenbar die neue Losung der Pilotengewerkschaft. Auch vorher aber war bereits klar: Arbeitsniederlegungen treffen die Lufthansa längst nicht mehr unvorbereitet.
Zündschlossdefekte - GM räumt mindestens 19 Todesfälle ein
Auto
Der US-Autohersteller General Motors hat die Zahl der Todesopfer durch defekte Zündschlösser korrigiert. Bis dato hatte die Opel-Mutter 13 Todesfälle eingeräumt, nun sind es 19. Die Zahl der Entschädigungen, die Unfallopfer von GM fordern, ist allerdings weit höher.
Stromausfall legte Ebay lahm - Händler fürchten Einbußen
Ebay
Mehrere Stunden lang war die Handelsplattform Ebay am Sonntag nicht zu erreichen. Erst am Montag äußerte sich das Unternehmen zu der Panne, die offenbar auf einen Stromausfall zurückzuführen ist. Tausende Online-Händler erlitten vermutlich Einbußen, weil Gebote nicht abgegeben werden konnten.
Hotels und Schwimmbäder - Das Milliardengeschäft mit Hunden
Haustiere
1,2 Milliarden Euro wurden im vergangenem Jahr bundesweit alleine für Hundefutter ausgegeben. Das Verwöhnen von Hunden ist in Deutschland ein riesiges Geschäft. Mittlerweile gibt es ein breites Angebot an Dienstleistungen: In Hanau hat ein Hallenbad eigens für Bello, Fiffi und Co. eröffnet.
Tui und  Tui Travel zurren Bedingungen für Fusion fest
Fusion
Der Reisekonzern Tui will seine britische Veranstaltungstochter Tui Travel endlich ganz eingemeinden und zu Europas größtem Touristikkonzern werden. Beim Aufbau der Partnerschaft 2007 hatte es nur für gut die Hälfte gereicht. Nun soll das Werk vollendet werden.