Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Steuerrazzia

Deutsche-Bank-Chef Fitschen räumt Fehler in Steueraffäre ein

18.12.2012 | 13:21 Uhr
Deutsche-Bank-Chef Fitschen räumt Fehler in Steueraffäre ein
Steht unter Druck wegen der Steueraffäre der Deutschen Bank: Topmanager Jürgen Fitschen, hier bei einer Veranstaltung des Initiativkreis Ruhr in Essen.Foto: Getty

Frankfurt/Main.  In der Affäre um Steuerhinterziehung und Geldwäsche hat Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen Fehler eingeräumt. "Wir stehen in der Kritik – zu Recht", sagte er bei einer Veranstaltung in Essen. Aber auch Fitschen selbst steht weiter unter Beschuss, aktuell vor allem von Hessens Landesregierung.

Auch nach dem Eingeständnis von Fehlern in der Steueraffäre reißt die Kritik an Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen nicht ab. "Herr Fitschen sollte klarstellen, dass er sich einer unabhängigen Justiz gegenübersieht", forderte Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) auf "Handelsblatt Online".

Fitschen hatte sich nach der Razzia bei der Deutschen Bank vergangene Woche Mittwoch telefonisch bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) beklagt , dass der massive Polizeieinsatz verheerend für das Image des Geldhauses sei. Bouffier stellte nach Angaben seines Sprechers klar, "dass es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sind, in die er sich nicht einmischen könne". Am Montag verlautete aus Fitschens Umfeld, er bedauere den Anruf inzwischen. Bei einer Veranstaltung in Essen am Montagabend ging Fitschen nur mit einem Satz direkt auf die aktuellen Ereignisse ein: "Ich bin etwas heiser, ich musste öfter telefonieren."

Deutsche Bank-Chef Fitschen hält Kritik für gerechtfertigt

Weiter sagte Fitschen: "Wir stehen in der Kritik - zu Recht." Der 64-Jährige, der die Bank seit Juni gemeinsam mit dem Investmentbanker Anshu Jain führt, bekräftigte seinen Anspruch, eine neue Kultur in Deutschlands größtem Geldhaus zu etablieren: "Deswegen habe ich für unser Haus gesagt, dass wir die Kultur ändern müssen."

Bankenskandal
Fitschens Protestanruf verstärkt Kritik an Deutscher Bank

Nach der Steuerrazzia kämpft die Deutsche Bank um ihren guten Ruf. Mit seinem Anruf bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier versuchte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen zu retten was zu retten ist. Er erreichte das Gegenteil: Kritik und Kopfschütteln nehmen stark zu..

Fitschen erklärte: "Ein wesentlicher Bestandteil liegt darin, Verantwortung wieder stärker bei uns zu verankern: Verantwortung bei jedem einzelnen Mitarbeiter in der Bank, auch kontrolliert durch die Gruppe und vorgelebt." Dazu verpflichte sich die Bank – "ungeachtet dessen, dass wir eine Vergangenheit haben, die es abzuarbeiten gilt", sagte Fitschen in Essen.

Ermittlungen wegen schwerer Steuerhinterziehung und Geldwäsche

500 Fahnder hatten am vergangenen Mittwoch unter anderem die Zentrale des Dax-Konzerns in Frankfurt durchsucht . Ermittelt wird wegen schwerer Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate). Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hat 25 Beschäftigte im Visier, darunter Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause. Die beiden Vorstände hatten die – später korrigierte – Steuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben. Fünf Mitarbeiter wurden verhaftet, vier davon blieben zunächst in Untersuchungshaft.

Deutsche Bank
Bankchef Fitschen ruft wegen Razzia bei Ministerpräsident an

Nach der Steuerrazzia bemüht sich die Deutsche Bank um Schadensbegrenzung. Konzernchef Fitschen greift sogar zum Hörer und ruft den hessischen Ministerpräsidenten an. Deutschlands größtes Geldhaus in schwerem Fahrwasser.

Die Deutschen Bank versicherte mehrfach, sie werde bei der Aufklärung "vollumfänglich mit den Behörden kooperieren". In dem Verfahren, das im April 2010 mit einer ersten Razzia bei der Deutschen Bank öffentlich geworden war, waren im Dezember 2011 sechs Bankkunden als Betreiber von Umsatzsteuerkarussellen zu Haftstrafen verurteilt worden. Vor einigen Monaten suspendierte die Deutsche Bank mindestens fünf Händler, die an dem illegalen Zertifikatehandel beteiligt gewesen sein sollen. (dpa)



Kommentare
20.12.2012
09:50
Deutsche Bank und Kriminalität: Konsquent ermitteln!!
von sichau1 | #1

Und zwar ohne Ansehen der Person - wie unsere Verfassung das vorsieht.

Der Ackermann hat sich allerdings mit Bundesverdienstkreuz (!) bereits vom Acker gemacht.

Dass die WAZ die Spekulationsbanker immer noch "Investmentbanker" nennt ist jedoch kein Merkmal von gutem Journalismus!

1 Antwort
Deutsche-Bank-Chef Fitschen räumt Fehler in Steueraffäre ein
von Moderation | #1-1

Auch in der Formulierung sachlich zu bleiben, ist immer ein Zeichen guten Journalismus. Wir wollen ja nicht urteilen, sondern berichten.

Aus dem Ressort
Mülheimer Duo ist schon mit Mitte 20 Supermarkt-Filialleiter
Handel
Karriere im Einzelhandel: Michael Bartels und Marco Hüßelmann hatten das eigentlich nie im Sinn. Jetzt leiten sie gemeinsam einen Lebensmittelmarkt – und sind gerade mal Mitte 20. Am Ende der Karriereleiter sind sie noch nicht, denn abends geht’s wieder auf die "Schulbank".
Essener RWE-Turm soll 120 Millionen Euro kosten
Immobilien
Der Energiekonzern RWE will seine markanten Turm in der Essener Innenstadt verkaufen – und dann zurückmieten. Ein weltweit tätiger Immobilienvermarkter sucht jetzt einen Investor, der 120 Millionen Euro für das Bauwerk zahlt.
Was Ikea-Kunden zum lebenslangen Umtauschrecht wissen müssen
Ikea
Möbelriese Ikea wirbt damit, Ware ab sofort jederzeit umtauschen zu können - und das auch noch Jahre später. Das lebenslange Rückgaberecht gelte jedoch nur bei Ware, die ab sofort gekauft werde. Ihr Zustand ist dabei vollkommen egal. Mit einer Rückgabe-Welle rechnet das Unternehmen trotzdem nicht.
Gericht macht Weg frei für die Sanierung des Autobauers Saab
Kultmarke
Der Weg für die Sanierung des schwedischen Autoherstellers Saab ist frei. Ein Gericht hat einem Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz zugestimmt. Im ersten Versuch, solch ein Verfahren anzuschieben, waren die Verantwortlichen weniger erfolgreich gewesen.
Stadtwerke übernehmen Steag komplett für 570 Millionen Euro
Steag
Die Verträge sind unterzeichnet: Das Konsortium aus sieben Ruhrgebiets-Stadtwerken übernimmt die Evonik-Tochter Steag komplett. Für die 49 Prozent des Energie-Unternehmens, die noch nicht in ihrem Besitz waren, zahlen die Städte einen Kaufpreis von 570 Millionen Euro.
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?