"Der Schließungsbeschluss für Opel Bochum lag auf dem Tisch"
14.06.2012 | 07:16 Uhr 2012-06-14T07:16:00+0200
Essen. Die Verhandlungen über die Zukunft der deutschen Opel-Standorte des US-Konzerns General Motors liefen am Mittwoch heiß. Ein Plan von Opel-Mutter General Motors sieht nun das Auslaufen des Autobaus im Ruhrgebiet mit dem Zafira im Jahr 2017 vor. Bis Ende Oktober verhandelt GM mit der Gewerkschaft und den Betriebsräten.
Die moderaten Äußerungen von General Motors-Boss Dan Akerson zur Situation bei Opel wiesen bei der GM-Hauptversammlung am gestrigen Mittwoch den Weg. Der US-Autobauer gibt seinen Konfrontationskurs auf und sucht das Gespräch mit den Gewerkschaften und Betriebsräten in Deutschland. Jetzt scheint eine Verhandlungsgrundlage gefunden. Dazu gehört für das Management aber klar das Auslaufen der Produktion in Bochum. Bis 2017 soll es nur eine Gnadenfrist für das bereits oft totgesagte Werk geben. Eigentlich sollte in wenigen Monaten hier ein halbes Jahrhundert Automobilbau im Ruhrgebiet gefeiert werden.
Erstmals wich das Unternehmen von seiner hinhaltenden Linie ab, die Zukunft Bochums sei durch den gültigen Beschäftigungssicherungsvertrag bis Ende 2014 gesichert. „Die Planung des Unternehmens ist, unter den gegenwärtigen Bedingungen und Aussichten keine weitere Produktion für Bochum nach Auslauf des Zafira vorzusehen.“ Das würde das Aus im Jahr 2017 bedeuten. Bis dahin könnte es nach Expertenmeinung eine Vereinbarung mit dem neuen GM-Kooperationspartner Peugeot/Citroen geben, den Zafira-Nachfolger von den Franzosen entwickeln und auch bauen zu lassen.
„Schließungsbeschluss für Bochum lag schon auf dem Tisch“
Wenn es denn so kommt, dass das Opel-Werk eine weitere Gnadenfrist bis Ende 2016 erhält, dann geht dieser zumindest vorläufige Sieg auf das Konto des nimmermüden Bochumer Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel. Ohne seinen ständigen Kampf um jeden einzelnen Arbeitsplatz, ohne seine Drohungen mit Streik und Warnungen vor unabsehbaren Folgen für die Marke würden sich die Befehlshaber von General Motors nicht zum Kompromiss gezwungen sehen. Bravo!
Es hat sich wohl in der entrückten Detroiter Weltzentrale des „Generals“ die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Schließung von Werken auf Biegen und Brechen das Unternehmen teurer kommt als ein Kompromiss. Ohne die starke Rolle der Gewerkschaft in Deutschland ein undenkbarer Umdenkprozess.
Wie viel Lohnverzicht kann den Bochumer Opelanern zugemutet werden?
Ohne einen tiefen Griff in den nicht besonders breiten Geldbeutel der Opelaner wird es jedoch kaum gehen. Hier liegt noch ein großes Konfliktpotenzial. „Wir zahlen nicht für unsere eigene Beerdigung“, hat Einenkel wieder und wieder erklärt. Wie viel Lohnverzicht kann den Mitarbeitern für den vorläufigen Erhalt ihrer Arbeitsplätze über die bisher bestehende Jobgarantie bis Ende 2014 zugemutet werden?
Und stirbt das Bochumer Werk dann zwei Jahre später? Gewiss ist nur, dass einer dagegen kämpfen wird bis zum letzten Tag.
Bis Ende Oktober wollen Management und Unternehmen über einen Zukunftsplan für Opel verhandeln. Die Verhandlungen über die Zukunft der deutschen Opel-Standorte des US-Konzerns General Motors liefen am gestrigen Mittwoch heiß. Nach tagelanger Vorarbeit auch in Spitzengesprächen von GM-Management und IG-Metall-Chef Berthold Huber wie auch mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten wurde eine Verhandlungsgrundlage geschaffen.
Es waren dramatische Stunden. „Der Schließungsbeschluss für Opel Bochum lag schon auf dem Tisch“, hieß es bei Beteiligten. Die Wende brachte das Zugeständnis der IG Metall, Lohnbestandteile zu stunden. Konkret geht es um die jüngst vereinbarte Lohnerhöhung für die Metaller von 4,3 Prozent.
Bereits seit 1929 Jahren besteht das deutsche Automobilunternehmen Opel. 2008 begann für die Rüsselsheimer jedoch der Kampf gegen die Insolvenz. Grund dafür ist die finanzielle Lage des US-Automobilkonzerns General Motors, zu dem die deutschen Autohersteller gehören.
Hilfreich bei der Wende in der GM-Politik war sicherlich das Treffen von GM-Manager Girsky mit den Ministerpräsidenten und das Einschalten der IG Metall in Gestalt von Berthold Huber. Die größte Gewerkschaft der Welt, das geschlossene Auftreten der Politik – das blieb bei den Amerikaner nicht ohne Eindruck. Was auch den Formulierungen des GM-Bosses Akerson auf der Aktionärsversammlung zu entnehmen war.
Auch ein sachliches Argument sprach für Bochum: Das Erfolgsmodell Zafira geht in die absteigende Phase seines Lebenszyklus. Eine Verlagerung des Modells nach Rüsselsheim als Ersatz für den Astra, der den Engländern zugeschlagen wurde, hätte hohe Investitionskosten in Rüsselsheim nötig gemacht. Die Umrüstung der Maschinen ist teuer. Eine solche Investition ab 2015 für die weitere Laufzeit des Modells von rund zwei Jahren macht betriebswirtschaftlich wenig Sinn.
Kein zweites Modell für das Revierwerk in Sicht
Somit dürfte es für den Zafira zumindest bis zum Jahr 2017 in Bochum weitergehen. Was dann kommt, hat der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel immer betont: Bochum braucht ein zweites Modell zum Überleben. Danach sieht es zurzeit aber nicht aus.

12:56
Die "Galgenfrist" bis 2016 hat nichts mit dem Betriebsrat zu tun. Im Gegenteil! Da sind einfach noch ein paar Altanlagen nicht ganz abgeschrieben. Eine Verlagerung dieser Anlagen nach Polen macht daher keinen Sinn. Dort wird in modernere Neuanlagen investiert. In Bochum wird schon seit Jahren nicht mehr in moderne, hochautomatisierten Anlagen investiert. Solche Fertigungsanlagen wurden in Bochum immer "erfolgreich" durch den Betriebsrat verhindert. Immer schön nach dem Motto: in Bochum werden keine Arbeitsplätze durch Rationalisierung abgebaut. Das Ende von Bochum wurde daher vom Betriebsrat und der IG Metall mehr oder weniger mit herbeigeführt. Eine Zukunft für den Automobilbau wird es daher im Ruhrgebiet leider nicht geben. Ein Automobilwerk ist übrigens auch kein Montanunternehmen! Das hat man in Bochum und im Ruhrgebiet nie begriffen.
11:03
GM und die "Finanzinvestoren" hinter GM haben das Aus für Opel-Bochum doch schon längst beschlossen. Der "Tanz", der nun von GM, etablierter Politik und Gewerkschaften aufgeführt wird, dient doch allenfalls noch der Beruhigung - besser Verarsc***- der Opel-Arbeiter - und Leiharbeiter #1.
Die Hintergründe liegen darin, dass GM bei Opel Rüsselheim - noch - hochwertige Technik entwickeln lässt aber die Produktion in neue und modernere Werke im Ausland bei deutlich geringeren Löhnen (20 % von Bo) und Energiekosten (30 % von Bo) verlagert und lukrative Märkte für Opel zugunsten der US-Standorte gesperrt hat..
Aber - so was kommt von so was. Die rot-grüne Bundesregierung "musste" ja 1999 durch Gesetzesänderungen der Globalisierung den Weg nach Deutschland öffnen - unter tosendem Beifall von CDU/CSU und FDP. Welcher Arbeiter soll denn solchen Verrätern der BRDDR "Blockparteien" und des DGB nun noch glauben und vertrauen?
10:58
Opel zahlt ohnehin seit langer Zeit keine Gewerbesteuer mehr. Außerdem muss Bochum seine Attraktivität für Unternehmen und qualifizierte Arbeitnehmer steigern, noch mehr soziale Wohltaten steigern die nicht. Ohne Gewerbesteuereinnahmen lassen sich umgekehrt nicht einmal die jetzigen Sozialleistungen bezahlen.
Mit Opel wird es gehen wie mit Nokia, auch dort war die Werksschließung in Bochum der Anfang vom Ende. Aktuell muss Nokia gerade weltweit weitere 10.000 Mitarbeiter entlassen.
10:53
Schade, also kommt für unsere Stadt wieder ein Fiasko
auf uns zu.
Aber da habe ich so eine Idee!!!
2017 wird bestimmt das Musikzentrum fertiggestellt sein, auch so ein Pleiteding.
Aber vieleicht fällt für den einen oder anderen Opelaner ja ein 400. € Job
als Kartenabreißer oder an der Garderobe ab.
Dann können die Befürworter sagen: Was wollt Ihr Kritiker denn? In unser Musikzentrum kommen jeden Tag Harz 4 Empfänger.
09:29
Es wäre schön, wenn sich die IG_Metall auch einmal für die bei Opel arbeitenden Leiharbeiter einsetzen würde. Die verdienen wesentlich weniger als die regulären Opelaner.