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Chinas Wirtschaft sendet Signale der Erholung

18.10.2012 | 13:28 Uhr
Foto: /AP/Eugene Hoshiko

Nach Monaten des abflauenden Wachstums fängt sich die chinesische Wirtschaft offenbar wieder. Zwar sank das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren, allerdings fiel der Rückgang geringer aus als von Analysten erwartet. Im Vergleich zum Vorquartal legte die Wirtschaft um 2,2 Prozent zu.

Peking (dapd). Nach Monaten des abflauenden Wachstums fängt sich die chinesische Wirtschaft offenbar wieder. Zwar sank das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren, allerdings fiel der Rückgang geringer aus als von Analysten erwartet. Im Vergleich zum Vorquartal legte die Wirtschaft um 2,2 Prozent zu.

"Das zeigt, dass die Wirtschaft sich wieder erholt", sagt der leitende Volkswirt der Bank Crédit Agricole CIB in Hongkong, Dariusz Kowalczyk. "Es gibt keinen Raum und keinen Bedarf für weitere große Stimuli."

Das chinesische Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal um 7,4 Prozent und blieb damit einen Prozentpunkt hinter den Zielvorgaben der kommunistischen Führung des Landes zurück. Im vorangegangenen Quartal hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch um 7,6 Prozent zugelegt.

Zugleich zogen die Binnennachfrage und das Produktionsvolumen im Zeitraum Juli bis September an, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturzahlen hervorgeht. Die neuen Daten nährten die Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Erholung Chinas.

An den asiatischen Börsen wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Der japanische Leitindex legte zwei Prozent zu, der Shanghai Composite Index stieg um 1,2 Prozent und erzielte den höchsten Schlusskurs seit mehr als vier Wochen. "Die Erwartung ist, dass Chinas Wirtschaft die Talsohle erreicht hat und im vierten Quartal bessere Ergebnisse erzielt werden", sagte der Geschäftsführer von Lyncean Holdings in Hongkong, Francis Lun.

Chinas Regierung befürchtet erneute Inflation

Die chinesische Regierung versucht, das Wirtschaftswachstum durch Stimuli und Geldpolitik zu steuern. Seit Juni hatte Peking den Leitzins zweimal gesenkt, um liquide Mittel in die Wirtschaft zu pumpen. Staatliche Investitionen in Bauprojekte sollen die Konjunktur zusätzlich anheizen. Nach den schlechten Erfahrungen von 2008 sind die Behörden jedoch vorsichtig: Damals hatte Peking die Geldschleusen geöffnet und eine massive Inflation ausgelöst.

Positive Signale kamen derweil auch vom chinesischen Einzelhandel. Die Binnennachfrage legte seit Anfang des Jahres um 0,3 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent zu. Überdies stiegen die Investitionen in Fabriken und andere Vermögenswerte. "Es gibt klare Anzeichen auf stabiles wirtschaftliches Wachstum", sagte der Sprecher der nationalen Statistikbehörde, Sheng Laiyun.

Von einer Erholung der chinesischen Wirtschaft würden vor allem Ländern wie Australien, Brasilien und afrikanische Staaten profitieren, die die chinesische Industrie mit Eisenerz und anderen Rohstoffen versorgen.

Nach Einschätzung von Ökonom Kowalczyk wäre der Effekt allerdings auf den Rohstoffsektor begrenzt, in anderen Bereichen werde die Nachfrage häufig im Inland gedeckt.

"Der Einfluss auf den Rest der Welt wäre eher psychologisch, als dass er ein echtes Wachstum auslösen würde", sagt Kowalczyk. "Aber es ist gut zu wissen, dass die Risiken aus China für die Weltwirtschaft (jetzt) deutlich geringer sind."

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