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Bessere Job-Chancen für Menschen mit Behinderung

31.10.2012 | 20:14 Uhr
Bessere Job-Chancen für Menschen mit Behinderung
Auch in der Arbeitswelt sollen die Barrieren für Menschen mit behinderungen abgebaut werdenFoto: Jakob STUDNAR,

Bochum.   Der Anteil der Menschen mit Handicap im Berufsleben soll steigen, fordert der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung , Hubert Hüppe. Deshalb wirbt er bei Wirtschaftsunternehmen für mehr Engagement – in deren eigenem Interesse.

Knapp fünf Prozent der Arbeitnehmer in NRW sind schwerbehindert. Kein schlechter Wert, gemessen an den bundesweiten 4,5 Prozent. Doch nicht nur Hubert Hüppe, dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, ist das zu wenig. Mit einer bundesweiten Konferenzreihe wirbt er für „Mehrwert durch Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen“. Gestern machte er Station bei der IHK in Bochum. Die Wirtschaft verpasse „eine Riesen-Chance“, wenn sie das Arbeitskräfte-Potenzial der Menschen mit Behinderungen nicht nutze – „und zwar menschlich wie volkswirtschaftlich“, sagte deren Hauptgeschäftsführer Helmut Diegel. Vor allem der drohende Fachkräftemangel soll die Wirtschaft stärker für Menschen mit Handicap als mögliche Arbeitskräfte öffnen.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, fordert mehr Engagement der Wirtschaft für Menschen mit BehinderungenFoto: dapd

Dass bei vielen Arbeitgebern nach wie vor Berührungsängste die größte Barriere vor der Einstellung eines Behinderten darstellen, machte das Beispiel von Jörg Straßek deutlich. Mit 19 Jahren erlitt der heute 30-Jährige einen Motorradunfall. Seitdem sitzt er im Rollstuhl. Trotz dieses vergleichsweise kleinen Handicaps habe er mehr als 1500 erfolglose Bewerbungen geschrieben. „Spätestens beim Vorstellungsgespräch war immer Schluss“, so Straßek – bis er den Mülheimer Callcenter-Unternehmer Alfons Bromkamp traf. Der hat sich einen Anteil von zehn Prozent Schwerbehinderten in der – stark wachsenden – Belegschaft seiner Firma TAS zum Ziel gesetzt. „Reden kann ich ja“, sagt Straßek mit Blick auf seinen Job. Den macht er offenbar gut, „in seinem Team ist er der Star“, sagt Bromkamp.

Auch kleinere und mittlere Unternehmen gefragt

So gut will Duy Tan Westphal auch werden. Der 22-jährige Azubi leidet unter unkontrollierbaren Verkrampfungen und kann sich deshalb nicht so schnell bewegen und ausdrücken wie andere Altersgenossen. „Wenn die Leute mich nur vom ersten Eindruck her beurteilen, trauen sie mir einen Beruf gar nicht zu“, erzählt er. Erst bei der RWE-Tochter Emscher Lippe Energie habe man ihm eine Chance gegeben. „Wir haben lange dafür gekämpft, dass jeder Arbeits- und Ausbildungsplatz grundsätzlich auch für Schwerbehinderte zur Verfügung steht“, sagt Guido Hertel, lange Jahre der RWE-Vertrauensmann für die Schwerbehinderten.

Neben solchen Großkonzernen will Hüppe aber auch „gerade kleine und mittlere Unternehmen“ für sein Thema gewinnen. Hier sei auch ein Bürokratieabbau vonnöten, so Hüppe. Für einen kleinen Handwerksbetrieb sei es kaum zumutbar, wenn sich - wie jetzt gefordert - ein Meister 320 Stunden lang fortbilden müsse, um künftig Lernbehinderte ausbilden zu können, so Hüppe.

Thomas Rünker

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Kommentare
01.11.2012
17:46
Bessere Job-Chancen für Menschen mit Behinderung
von Cavallos | #1

Meine Tochter hat eine Sprachbehinderung GdB 50 und ist seit Februar 2011 arbeitslos.
Trotz kurzfristiger Praktika, Weiterbildungen und Arbeitseinsätzen hat sie noch keinen festen Arbeitsplatz gefunden. Sie ist fleißig, motiviert und hat auch gute Zeugnisse erhalten. Leider ist es in unserer Gesellschaft sehr schwierig für Menschen mit Behinderung. Als Mutter bin ich sehr frustriert und habe hier schon einiges erlebt. Was soll aus solchen jungen Leuten werden? Zu schlecht für den 1. Arbeitsmarkt zu gut für den 2. Arbeitsmarkt. Sie passt einfach in keine Schublade. Auch vom Arbeitsamt erhält man nicht die nötige Unterstützung. Meiner Meinung nach muss sich hier dringend etwas ändern, was aber in unserer leistungsorientierten Gesellschaft sehr schwierig sein wird.

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