Verkehrslärm
Wenn ewig die Güterzüge rattern
02.03.2009 | 10:32 Uhr 2009-03-02T10:32:00+0100
Hamminkeln. Schon jetzt raubt ihnen der permanente Güterverkehr den Schlaf. Doch wenn die Strecke Oberhausen-Emmerich ausgebaut wird, werden hier noch mehr Züge fahren. Ein Besuch bei lärmgeplagten Anwohnern in Hamminkeln.
Zu den Beutings zu gelangen kann dauern. Wenn, wie oft, die Schranken unten sind, der Verkehr sich staut und man nicht abbiegen kann. Sie wohnen an der Bahn, genau dort, wo sie Mehrhoog zweiteilt. Den 6600-Einwohner-Ort zwischen Hamminkeln und Rees am Niederrhein, der als Eisenbahner-Siedlung entstand und der heute ein Sinnbild ist für gnadenlosen Fortschritt: den fortschreitenden grenzenlosen Gütertransport mit schier endlosen Zügen rund um die Uhr, mitten durch Ortschaften, Worte abschneidend, Schlaf raubend. Wenn die Strecke Oberhausen-Emmerich ausgebaut wird, wenn die Betuwe-Linie kommt, werden hier noch mehr Züge fahren, einbetoniert zwischen Lärmschutzwänden.
„Wir waren jung und hatten wenig Geld”
Die Bahn ist unser liebster Nachbar, hat Susanne Beutings Vater immer gesagt. Ihr Großvater war Bahnhofsvorsteher im Ort. Es gab Zeiten, in denen die Bahn ihre Mitarbeiter mit Grund und Boden samt Häuschen versorgte, wo sie Vieh und Garten zur Selbstversorgung hatten. „Wir waren jung und hatten wenig Geld”, sagt sie zu der Entscheidung, Ende der 80er Jahre auf dem Gartengelände ihres Elternhauses ihr eigenes Haus zu bauen. Dort, wo die heute 43-Jährige mit der Bahn groß geworden war. Mit den Zügen sei es, 20 Meter vom Gleis entfernt, erträglich gewesen. Und damals habe man sich im Dorf erzählt, die Bahnlinie sei nicht rentabel und solle reduziert oder gar geschlossen werden.
Genaues zur Betuwe-Zukunft weiß man nicht, und das verunsichert. Neben den Personenzügen führen derzeit täglich etwa 30 Güterzüge, sagt Gert Borg für die Weseler Bürgerinitiative „Betuwe - so nicht!”
Realistisch möglich seien auf deutscher Seite 150, die Holländer hätten für dieses Jahr 300 pro Woche angekündigt. Nach dem Ausbau seien mit moderner Signaltechnik 300 Güterzüge am Tag möglich. Die vom Betuwe-Betreiber genannte Zahl von 480 funktioniere nur ohne Personenverkehr.Die Bahn AG kalkuliere mit 180 Zügen täglich; sogar nur mit 150 Zügen, sagt Axel Pansegrau, Sprecher der Mehrhooger Initiative gegen die Betuwe-Pläne, wodurch auch der Lärmschutz tiefgerechnet werde. Zudem könnte es doppelstöckige Container-Ladungen geben. Vor 2015, schätzt Bork, kann die erweiterte Strecke nicht fertig sein. (jo/NRZ)
Später haben die Beutings ausgebaut und 20 000 Euro in neue Fenster investiert, mit drei Scheiben, vier Millimeter-Glas und Gasfüllung - zweithöchste Schallschutzstufe, wie Ehemann Jürgen sagt. Den Tagesschausprecher hatten sie nicht mehr gehört, wenn ein Zug vorbeifuhr. Und das war immer häufiger und dauerte immer länger, weil auch die Züge länger wurden, 700 Meter und testweise auch schon einen Kilometer lang. Es kamen mehr Güterzüge, und sie wurden schwerer und lauter. „In den letzten drei Jahren ist es viel extremer geworden”, sagt Susanne Beuting. „Das geht rund um die Uhr, auch nachts.” Manchmal klappern die Tassen auf dem Tisch.
Jürgen Beuting fährt nach Wesel zur Arbeit. Der kürzeste Weg führt über die B8. Er führt auch über den Bahnübergang fast vor der Tür. Grund genug, vorher links abzubiegen und den Umweg über Hamminkeln zu nehmen. „Mein Rekord sind 18 Minuten”, sagt seine Frau zu den ständigen Wartezeiten der Autofahrer an der Schranke, hinter der oft mehr als ein Zug nacheinander passiert. Ihre Kinder haben deswegen des öfteren den Schulbus verpasst.
Wenn die Bahnstrecke ausgebaut wird, fällt das Problem mit dem Bahnübergang weg.
Nicht selbst für Lärmschutz sorgen
Dann verläuft die Straße durch eine Unterführung. Zugleich sollen hier Lärmschutzwände errichtet werden, die bis zu sechs Meter hoch sind. Selbst für Lärmschutz zu sorgen hat die Bahn den Beutings verwehrt, weil sie generell keine Baulasten eintragen lasse.
Im nahen Holland haben sie gesehen, wie die Nachban mit der Betuwe-Linie umgegangen sind. Vorausschauender und vor allem: humaner. Früher, sagt RWE-Techniker Beuting, habe er geglaubt, der technische Fortschritt werde die Probleme mit der Bahn schon mindern. Aber die setze noch „Primitivtechnik” ein, verzichte auf intelligente Schranken-Steuerung, tausche Waggons mit abgeplatteten, schlagenden Rädern kaum noch aus, könnte beim zukünftigen Neubau des Gleiskörpers für Lärmschutz direkt am Gleis sorgen und die Weiche hinter ihrem Haus verlegen, so dass sie wenigstens das ständige Kla-Klong, Kla-Klong nicht mehr hören müssten. Aber sie tue es nicht. Sie habe keine Moral.
"Was, wenn ein Zug entgleist?"
Die immer mehr werdenden Güterzüge, die sie durchs Fenster sehen, transportieren auch Gefahrgut - „ätzende, toxische Stoffe in allen Klassen”, wie er festgestellt hat. „Was passiert, wenn hier ein Zug entgleist?”
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Das, was schon ist, und das, was kommen soll, müsste für einen Aufschrei sorgen. Nicht allein weil die Bahn mit den Menschen rigide verfährt, sondern auch, weil das, was sie darf, unzumutbar ist. Nach etlichen Diskussionen, Resolutionen, Aktionen spürt Susanne Beuting eher das Gegenteil. Das langwierige Verfahren, das Hin und Her lasse die Leute abstumpfen. „Die haben bei der letzten Versammlung geschimpft und können es jetzt einfach nicht mehr hören.” Vielleicht würden die Geschäftsleute mobil, die durch die Bahn endgültig vom Ortskern abgeschnitten würden.
Ziviler Ungehorsam ist nicht ihr Ding
Auf die Straße zu gehen, „zivilen Ungehorsam” zu leisten, spektakuläre Protestaktionen - das sei nicht ihr Ding. „Wir kriegen den Hintern nicht hoch.” Vielleicht werde die Lärmschutzwand ja doch was bringen, und wenn sie die Sicht nehme, bleibe ja noch der große Garten nach hinten raus. Ruhe suchen und finden die Beutings im Urlaub: beim fast lautlosen Segeln in Holland. Dort, von wo die Betuwe-Linie kommt. (NRZ)

21:38
Die Route entlang der A3 legen, man oh man wie soll das realisiert werden?, die vorhandenen Trasse um ein! drittes Gleis erweitern ist doch wohl erheblich kostengünstiger als zwei Gleise entlang der Autobahn zu verlegen denn ohne ein zweites Gleis kommt man ja garnicht auf die Zuganzahl täglich
15:06
Es kostet natürlich eine Menge Geld, ordentliche Flüster-Gleise zu verlegen und die zu benutzenden Fahrzeuge mit Flüsterachsen zu versehen. Bezahlten müssten diese Kosten selbstverständlich nach dem alten Grundsatz die tatsächlichen Verursacher!
18:18
Das die Betuweroute für die Anwohner immer gefährlicher wird, konnte man bei der WAZ ja schon 2007 erfahren: http://www.derwesten.de/nachrichten/nrz/niederrhein/2007/10/9/news-492567/detail.html
Die Brabanter Regierung in den Niederlanden hat den gefährlichen LPG-Gastransport verboten.
Dieses hochexplosives Gas wird nun über die hiesige Betuweroute transportiert.
Das merkt hier in Wesel ja keiner, weil noch nichts passiert ist.
Sollte ein solcher Kessel einmal explodieren, ist halb Hamminkeln platt.
Da helfen auch keine Auffangwannen, sondern solche Transporte gehören ausserhalb von bewohnten Gebiet.
16:47
Die Bahn macht die Profite und die Bürger nehmen nicht nur die Wertminderungen hin, sondern können obendrein auch noch die Kosten bezahlen. Den Banken werden Milliarden in den A....h geschoben, während betroffene Bürger an der Betuweroute durch den Lärm krank werden.
Hinzu kommt die Verschandelung der Stadt.
..................
#22
Die Adresse stimmt so nicht. Googeln Sie mal nach dielinke-emmerich.
Und googeln Sie bzgl. der Sicherheit auch mal nach Bleve oder MANV.
13:43
Niemand hat den Anwohnern vor 16 Jahren etwas von 400 bis 500 Zügen pro Tag (alle 4-5 Min. ein Zug) erzählt.
Die Route kann auch entlang der Autobahn-A3 gebaut werden,so, wie es auch einmal angedacht war.
Wenn es so kommen sollte, dann braucht man auch keine neuen Unter-Oberführungen im Bereich der jetzigen Strecke, weil der Zugverkehr sich um fast 90% verringern wird.
Lärm macht krank.
Die Wertminderung der Häuser und Grundstücke wird es bei einer Auslagerung zur A3 auch nicht geben.
Wenn die betroffenen Bürger heute entscheiden könnten, würden sie sich für die Auslagerung entscheiden.
Es gibt genug Gründe zur Auslagerung der Betuwe.
Ich bin kein Linker, aber hier haben die Linken eine gute Begründung: wwwdielinke-emmerich, dort unter Emmericher-Themen klicken.
22:48
@Redaktion
Mit dem Forum zu Thema Betuwe stimmt etwas nicht. Habe mich versucht einzuloggen, Reaktion: User unbekannt.
Habe mich versucht neu zu registrieren, Fehlermeldung: Unzulässige Zeichen.
Vielleicht erklärt das die dollen Aktivitäten dort.
mfg
21:13
@von Horsie49
Was für ein Stuss!
Die Bahn braucht auch keine Straßenunterführung.
Herr schmeiß Hirn vom Himmel.
21:08
Wenn du nen Tunnel willst dann zahl ihn auch... die Bahn braucht ihn da nicht...
21:07
@adacmitglied
Sie haben völlig recht. Die meisten Schreiberlinge haben nicht die Spur einer Ahnung worum es überhaupt geht. Tatsache ist, dass der Ort durch die Schallschutzmauer in 2 Teile geteilt wird die dann nur noch durch eine Unterführung mit einander verbunden sind.
Die richtige Lösung ist selbstverständlich die Unterführung der Bahn.
Es geht hier keineswegs um Proteste gegen den Ausbau des Schienenverkehrs. Es geht um die Art und Weise wie dieser realisiert wird.
Es kann nicht sein, dass das Privatunternehmen Bahn, das leider bald an die Börse gehen will, seine Pofite auf Kosten der anliegenden Gemeinden und deren Bewohner macht.
Es geht darum, das die Bahn und damit dieser unsägliche Mehdorn, nicht bereit sind eine sinnvolle Lösung zu bezahlen. Hier wird versucht auf dem Rücken kleiner Leute Profit zu machen.
Um nichts anderes geht es hier.
Alles klar.
mfg.
Mehdorn und seine Leute sollten sich ein Beispiel an den Hollämdern nehmen.
15:44
!!
Da sieht man mal wieder, das viele Leute schreiben , worüber sie keine Ahnung haben !
Es geht doch nicht darum , das es immer lauter iwrd in Mehrhoog.
Es geht darum , das wir Mehrhooger keine 6 Meter hohe Maurer durch unser Dorf wollen sondern eine Unterführung der Bahnstrecke unter der Straße durch.
DAS jedoch will die Bahn nicht zahlen ....darum gehts.