Das aktuelle Wetter Witten 1°C
Gericht

Rentnerin verklagt Bogestra

16.01.2012 | 18:19 Uhr
Rentnerin verklagt Bogestra
Margarete Krüger (l., hier mit Tochter Christa Eggermann) klopfte an den Bus. Als er abfuhr stürzte sie. Foto: Walter Fischer

Witten.   Margarete Krüger wurde vom 320er zu Boden geschleudert , als sie an dessen Tür klopfte und dieser losfuhr. Nun klagt die 86-Jährige auf Schadenersatz.

Nach einem Jahr hat Margarete Krüger noch immer wackelige Knie, wenn sie in den 320er steigt. Am 8. Januar 2011 hatte der Bus die Rentnerin beim Abfahren von einer Haltestelle an der Annenstraße zu Boden geschleudert. Nun kommt es zum Rechtsstreit zwischen dem Verkehrsunternehmen und der 86-Jährigen vor dem Wittener Amtsgericht. Sie fordert 1000 Euro Schmerzensgeld.

Margarete Krüger erinnert sich nicht gern an den Tag zurück. Die Gehirnerschütterung, die Prellungen und drei Wochen Krankenhaus sind nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Es habe damit angefangen, dass der Bus ungewöhnlich weit vom Haltestellenschild entfernt zum Stehen gekommen sei, erinnert sich die Seniorin beim Prozessauftakt am Montag. „Als ich an der Tür ankam, war sie bereits geschlossen. Deshalb klopfte ich mit meinem Stock an die Scheibe.“ Dann ist es passiert.

Der Busfahrer bog nach links auf die Annenstraße, hatte die Seniorin wohl nicht bemerkt. „Beim Ausscheren hat mich der Wagen voll mit dem Heck erwischt. Ich spürte Schleifspuren am Rücken“, sagte die Klägerin. Nachdem der Bus sie erwischt habe, sei sie mit dem Kopf auf den Bordstein gefallen. Aus ihrer Sicht habe der Fahrer „grob fahrlässig gehandelt und seine Sorgfaltspflicht verletzt“.

Laut dem Wittener Verkehrsrechtler Christian Geier steht in einem solchen Fall fest: Wenn jemand neben dem Bus steht, muss zuallererst der Fahrer aufpassen. „Er hat die größere Sorgfaltspflicht, weil er ein großes, gefährliches Fahrzeug bewegt.“ Doch die Bogestra sieht im Fall von Margarete Krüger keine Pflichtverletzung.

Vor Gericht machte der Anwalt des Verkehrsunternehmens klar: Eine Schmerzensgeldzahlung werde es freiwillig nicht geben. Einigung ausgeschlossen. Aus Sicht der Bus- und Straßenbahngesellschaft sind „die Schilderungen der Klägerin nicht nachvollziehbar“. Die Auswertung der Videoaufnahmen aus dem Bus hätte ergeben, dass Margarete Krüger in das Fahrzeug einsteigen wollte, als es bereits beim Abfahren war, erklärt Petra Bönnemann, Sprecherin der Bogestra. Da sich die Rentnerin am hinteren Ende des Wagens befunden habe, habe der Fahrer sie nicht sehen können. Er habe „alles richtig gemacht“. Davon abgesehen würden solche Unfälle „sehr selten“ passieren.

Auch vor Gericht waren die Videoaufnahmen als Beweismittel zugelassen. Das Problem: Sie sind mittlerweile verschwunden. Nach Informationen unserer Zeitung ordnete die Bochumer Staatsanwaltschaft nach der Einsicht die Vernichtung an. Die Bogestra vermeldet, sie selbst habe keine Aufzeichnungen von dem Vorfall mehr. „Es ist ein Unding, wenn mit Beweismitteln so umgegangen wird“, poltert Markus Selzener, Anwalt von Margarete Krüger.

Was sich genau am 8. Januar ereignete, soll mit Hilfe von Zeugen in der nächsten Verhandlung am Montag, 13. Februar, geklärt werden. Sie hatten die Situation besser im Blick, weil sie mit Autos hinter dem Bus warten mussten.

Als Margarete Krüger am Unfallort blutend am Boden lag, hatten sie durch Hupen versucht den Bus zum Anhalten zu bewegen – vergebens. Eine Klage wegen fahrlässiger Körperverletzung und Fahrerflucht gegen den Fahrer des Busses wurde dennoch bereits abgewiesen.

Wie auch immer der Zivilprozess ausgeht – mit dem Busfahren werde sie immer zu kämpfen haben, sagt Margarete Krüger. „Ich hoffe, dass ich bald keine Alpträume mehr habe. Ich sehe immer ein riesiges Rad auf mich zukommen.“

Dennis Sohner

Facebook
 
Kommentare
24.01.2012
12:30
Rentnerin verklagt Bogestra
von Buskutscher | #2

Hoffentlich bleibt die Bogestra auch standhaft. Auch lobenswert das sie hinter ihrem Personal stehen. Gibt schliesslich genug Unternehmen die sofort zahlen wegen der hier angesprochenen "Imagepflege"

Warum soll ich zahlen wenn ich nicht schuldig bin. Hat immer den Beigeschmack das ich mir doch was vorzuwerfen habe.

17.01.2012
09:05
Rentnerin verklagt Bogestra
von Peter_M | #1

Selbst wenn die Schilderungen es Opfers sehr subjektiv sind und rechtlich es schwer wird Schadensersatz zu bekommen, wäre es doch für die Bogestra eine sehr "kostengünstige" Imagepflege, wenn sie sich auf einen Vergleich einlassen würde. Die Justiz wäre entlastet, das Opfer des Unfall würde ein Schmerzensgeld erhalten und die Bogestra stünde gut da. Es geht hier ja schliesslich um max 1000€ und wie die Bogestra selbst mitteilt, sind diese Unfälle äusserst selten, also besteht auch keine Gefahr, dass ab morgen massenhaft Schmerzensgeldforderungen aufkommen. Das die StA Bochum Beweise vernichten lässt, nun ja dazu verkneife ich mir einen Kommentar

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6253119/create

Fotos und Videos
Jahresaustellung in Haus Herbede
Bildgalerie
Künstlerbund
Rudelgucken in Witten
Bildgalerie
Emmelie
Pinscher- und Schnauzerclub
Bildgalerie
Jubiläum
Kemnade in Flammen 2013
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Einige Fans zogen das große Los
Witten
Eine Reihe von Wittener Fußballfans haben das große Los mit etwas Glück gezogen und werden ihren Schwarzgelben in London die Daumen drücken.
Witten fiebert Finale entgegen
Witten
Ganz Witten ist heiß auf das Champions-League-Finale. Viele drücken dem BVB die Daumen.