Kummer mit den Kümmerern
01.06.2012 | 15:26 Uhr 2012-06-01T15:26:00+0200
Witten. Die Stadt hat 13 Ehrenamtliche gewonnen, die Zeit und Arbeitskraft in den Stadtteilen kostenlos zur Verfügung stellen, um vor allem Senioren zu beraten sowie Nöte und Anregungen an das Rathaus weiterleiten. Der Herbeder CDU-Ratsherr Andreas Günzel sprach jetzt im Sozialausschuss von „Beschäftigungstherapie“.
Dazu muss man wissen, dass die Union, was dieses Thema angeht, grundsätzlich verschnupft ist. Fraktionsvorsitzender Klaus Noske und Ratsherr Andreas Günzel setzten eine Erweiterung der Tagesordnung des Sozialausschusses um den Punkt „Stadtteilkümmerer“ durch, weil sie „dringenden Informationsbedarf“ sahen. Das Ärgernis: Bisher hatten sie nur aus unserer Zeitung von dem Projekt erfahren.
Kümmerer als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Verwaltung
Wilfried Braun vom Seniorenbüro konnte Abhilfe schaffen: „Die Grundidee ist, ältere Menschen in ihren Quartieren zu unterstützen. Seit drei Jahren führen wir Apothekentage durch, an denen wir in Stadtteil-Apotheken präsent sind. Dabei haben wir festgestellt, dass uns ältere Bürger gern ansprechen und uns über ihre Sorgen und Nöte im Stadtteil informieren wollen. Das kann ein Bordstein sein, der nicht so gut abgesenkt ist, dass man mit einem Rollator darüber fahren könnte, oder ein unglücklicher Takt der Buslinie.“
Das, so hatten sich das Wilfried Braun und sein Team überlegt, könnte man auf eine breitere Basis stellen. In einer Pilotphase sitzen demnächst die inzwischen geschulten Kümmerer in den Stadtteilen Heven, Herbede, Bommern und Annen (mit Rüdinghausen und Stockum) jeweils zwei Stunden pro Woche und „stellen ein Bindeglied zwischen Bevölkerung und Verwaltung dar“, so Braun. Versichert sind sie über die Freiwilligen-Agentur Fokus, telefonieren können sie mit Handys, die die Wohnungsgesellschaft Witten-Mitte geschenkt hat. „Es soll ein niederschwelliges Angebot sein, weil manche Bürger den Weg in die Innenstadt und auch den Weg ins Rathaus scheuen.“
"Die Ehrenamtlichen nicht vor den Kopf stoßen"
Überzeugt hat das die CDU nicht. Petra Tusche, sachkundige Bürgerin: „Die Senioren werden dadurch verwirrt, sie haben keinen Überblick mehr über die Anlaufstellen. Noch eine Schüppe drauf legt ihr Parteifreund Andreas Günzel: „Ich befürchte, dass das auf eine Beschäftigungstherapie für diese Kümmerer hinausläuft.“
In Günzels Wahlkreis Herbede ist Karl-Heinz Heinemann (70) einer der neuen Kümmerer. Früher war er Metzgermeister und Betriebsratsvorsitzender sowie stellvertretender Gesamtbetriebsrat des Nahrungsmittelkonzerns Vion. Seine Motivation: „Ich will die Senioren stärker in die Gesellschaft zurückholen.“ Er kann künftig bei Rentenanträgen helfen, Ansprüche auf Hilfsmittel durchsetzen und Anregungen älterer Stadtteilbewohner an die zuständigen Behörden weitergeben.
Deshalb, so findet Ausschuss-Vorsitzender Heinz Jürgen Dietrich (SPD), sollte man das Projekt nicht schon in seiner Pilotphase totreden „und auch nicht die Ehrenamtlichen, die die Stadt mit Mühe gewonnen hat, vor den Kopf stoßen. Wir sollten sie vielmehr darin unterstützen, ihr langjähriges Wissen einzubringen.“ Das ist ganz im Sinne von Dr. Frank Koch (Bürgerforum), der die Aufregung nicht verstehen kann: „Wir begrüßen ein niederschwelliges Angebot von Ehrenamtlichen in den Stadtteilen.“
11:44
Ich wünsche diesen Herrschaften das sie sehr alt werden und dann jedoch nicht
"alt ausehen" da sich dann niemand mehr kümmert.
Mit Sicherheit gibt es andere Hobbys als Beschäftigungstheraphie , Die Frage ist, ob sie denn auch sinnvoll sind.
Es ist eine freiwillige, ehrenamtliche Aufgabe welche der demografischen Entwicklung Rechnung trägt.
Frage:: " Üben unsere Volksvertreter denn ALLE ihr Amt ohne persönliche Interessen aus?"
Wenn ja, dann könnten sie sich wirklich als Kümmerer betätigen.
18:30
Es ist aber wenigstens eine sinnvolle und nützliche Beschäftigungstherapie, was man von der Arbeit im Rat des Herrn Günzel, die man ebenfalls als Beschäftigungstherapie bezeichnen könnte, nicht behaupten kann.