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Großpfarrei Sankt Gertrud

Hoher Wellengang

16.09.2010 | 16:31 Uhr
Hoher Wellengang
Propst Werner Plantzen vor der Gertrudis-Kirche in Wattenscheid Foto©:Klaus Micke/WAZ

Wattenscheid. Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff? Über jene schicksalsschwere Frage spricht und diskutiert Pastoraltheologe und -psychologe Professor Dr. Rainer Bucher (Universität Graz) am 29. September im Begegnungszentrum an der Vincenzstraße.

Auch der Steuermann der Großpfarrei St. Gertrud, Propst Werner Plantzen, will die Veranstaltung besuchen.

Was interessiert Sie an dem Thema?

Plantzen: Es macht neugierig, und mir stellen sich Fragen wie ,Sinkt das Schiff Kirche wirklich?’ oder ,Wer muss alles im Griff haben?’ Im Grunde genommen geht es ja um ein biblisches Bild. Die Jünger Jesu waren Bootsleute und sind in manchen Sturm geraten. Und sie haben ihn voller Verzweiflung gefragt: ,Herr siehst Du nicht, dass wir zugrunde gehen?’ Fest steht, dass auch unser Schiff derzeit mit hohem Wellengang zu tun hat und wir hin und her geworfen werden.

Geburtstagsfeier
Messe und Jazz-Appeal

Nach Auflösung des Stadtdekanates Wattenscheid wurde am 14. September 2008 die Großpfarrei St. Gertrud aus der Taufe gehoben. Ihren zweiten Geburtstag will der Gemeinderat feiern und lädt dazu am kommenden Samstag, 18. September, alle haupt- und ehrenamtlich engagierten Mitglieder der katholischen Gemeinden ein. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr mit einer Messfeier in der Propsteikirche. Abschließend findet ein gemütliches Beisammensein mit Essen und Trinken im Pfarrheim Auf der Kirchenburg statt. Für das Geburtstagsständchen und die musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Jazz-Appeal“.

Droht Gefahr, dass die Großpfarrei St. Gertrud, wenn man sie mit einem Schiff vergleicht, untergehen könnte?

Nein, das glaube ich nicht. Wir sind auf einem guten Weg, zu einer Gemeinschaft zusammen zu wachsen. Durch die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand und dem Pfarrgemeinderat von Sankt Gertrud, in dem ja alle Gemeinden vertreten sind, gibt es Hoffnungszeichen, dass wir das Ziel erreichen können.

Studie ist in Arbeit

Mit Sankt Pius und Sankt Nikolaus sind zwei Beiboote des Kirchenschiffs St. Gertrud auf Kiel gelegt worden. St. Theresia und Herz Jesu segeln nicht mehr unter eigener Flagge, sondern sind bei Sankt Maria Magdalena und Sankt Marien angedockt. Sind sie mit der Situation zufrieden?

Was heißt zufrieden? Wir sind mit der Situation konfrontiert, dass unsere finanzielle und personelle Situation sehr bescheiden ist. Vieles wäre wünschenswert, ist aber nicht machbar. Wobei wir ja für Sankt Pius und Sankt Nikolaus eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben haben, die das Ziel hat, beide Gotteshäuser einer sinnvollen Nutzung zu widmen.

Nach unseren Informationen ist die Nutzung von Sankt Pius als sogenannte „Grabeskirche“ nicht vom Tisch.

Reliquien und andere Sakrale Gegenstände der ehemaligen Kirche St. Pius Wattenscheid sind jetzt in der Krypta der Gemeinde St. Joseph untergebracht Foto Thomas Schild / WAZ

Unser ehemaliger Ruhrbischof Dr. Felix Genn hat dazu ein entschiedenes ,Nein’ gesagt. Wir sind im Moment dabei, auszuloten, wie sein Nachfolger das Vorhaben betrachtet. Seitens des Kirchenvorstands und des Pfarrgemeinderats ist ein übereinstimmendes und positives Votum für eine ,Grabeskirche’ formuliert worden.

Und was ist mit Sankt Nikolaus? Die Aktivitäten, die dort entwickelt werden, erinnern manchmal an die Meuterei auf der Bounty.

Bei Außenstehenden könnte durchaus dieser Eindruck entstehen. Doch für mich ist das keine Meuterei, die da stattfindet, sondern lediglich Beweis, dass man durchaus verschiedener Ansicht sein kann.

Was halten Sie denn von dem jüngsten Vorstoß, Sankt Nikolaus als Schulkirche zu öffnen?

Wie eine Trutzburg: Ein Förderverein will St. Nikolaus erhalten. Foto: Claudia Schütte / WAZ FotoPool

Ich finde. man muss die Situation emotionsfrei und sachlich betrachten. Wir reden darüber, dass die Grundschule einmal im Monat, die weiterführenden Schulen drei mal im Jahr einen Schulgottesdienst auf dem Stundenplan haben. Da stimmen das Anforderungsprofil und der dafür zu betreibende Aufwand nicht überein.

Was wird denn mit Sankt Nikolaus geschehen?

Es ist noch zu früh, diese Frage zu beantworten. Wir müssen das Ergebnis der Machbarkeitsstudie abwarten. Danach sehen wir weiter.

Finger und ganzer Arm

Nun wurde in Sankt Nikolaus bekanntlich ein Förderverein gegründet, der sich vehement für die Wiedereröffnung des Gotteshauses in die Riemen legt. Dafür will man auch Sponsoren ins Boot holen.

Dazu kann ich nur sagen, dass das Privatkirchen-Wesen schon längst abgeschafft ist.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie sich als Steuermann der Großpfarrei mit Blick auf Sankt Nikolaus in einer besonders ausgeprägten Zurückhaltung üben.

Das mag sein, weil ich die Gefahr sehe, dass man den ganzen Arm verlieren könnte, wenn man den dort Aktiven den kleinen Finger reicht. Eins sollte jeder wissen. Ich stehe in der Verantwortung gegenüber dem Bistum und muss dort Rechenschaft ablegen.

Schwierige Situation

Die Gemeinde Sankt Johannes in Leithe ist derzeit seelsorgerisch verwaist. Wie lange soll dieser Zustand andauern?

Die Bistumsleitung bemüht sich um die Wiederbesetzung der Stelle mit einer Gemeindereferentin. Aber Ergebnisse gibt es derzeit noch nicht. Die Situation ist allgemein sehr schwierig. In fünfzehn Pfarrbezirken des Ruhrbistums gibt es vor Ort keinen eigenen Priester mehr. Und in fünf Jahren soll die Zahl der seelsorgerisch verwaisten Pfarrbezirke drei mal so hoch wie heute sein.

Ferdi Dick

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Kommentare
19.09.2010
02:00
Hoher Wellengang
von Tabularasa | #7

Lasst die Kirche Kirche sein und gut isset.

18.09.2010
07:48
Hoher Wellengang
von Hartmut Willhelm | #6

Das Bistum Essen hat entschieden.
Die Gemeinde vor Ort ist dagegen.
Was kommt und bleibt ist Protest.
In der Gemeinde Vierzehnheiligen werden heimlich Türschlösser ausgetauscht, damit Gemeindemitglieder keinen Zugang mehr haben.
In der weiten Welt verhungern täglich tausende.
Wieviel Probleme müssen wir noch haben?

18.09.2010
01:00
Hoher Wellengang
von Michael Beckmann | #5

#4
Ihren Kommentar verstehe ich nicht.
Mit Probst (also mit b geschrieben) wird ein evangelischer Theologe angesprochen. Einen solchen gibt es in Wattenscheid nicht.
Mit Propst (also mit p geschrieben) wird ein katholischer Theologe angesprochen. Davon gibt es in Wattenscheid mehrere.
Wen meinen Sie und was meinen Sie?
Da würde mich Ihre Antwort schon sehr interessieren!
Michael Beckmann

17.09.2010
16:36
Hoher Wellengang
von Wattenscheiderbürger | #4

Man muss doch auch mal an den Probst denken!
Der arme Mann ist doch mit seinen privaten Interessen (z.B. persönliche Immobilien) so ausgelastet, dass die seelsorgerischen Pflichten mal (oder immer) den kürzeren ziehen müssen.
Ist doch logisch und verständlich, dass private Interessen Vorrang vor den hauptberuflichen Pflichten haben, oder etwa nicht......?????

17.09.2010
09:39
Hoher Wellengang
von Martin Jost | #3

Der Artikel ist sehr populistisch geschrieben.
St. Nikolaus ist keine Trotzburg. Das in der Maggiepulle niemals wie´der regelmäßige Gottesdienste abgehalten werden und es auch keinen festen Pastor mehr geben wird, ist allen Westenfeldern klar.
Nicht klar ist momentan die Haltung der Großpfarreiführung. Die Energie- und auch die laufenden Kosten fallen auch bei einer geschlossenen Kirche an. (Heizung, damit die Orgel keinen Schaden nimmt).
Die Vereine in Westenfeld wünschen sich doch nur, manchmal in der Kirche beten zu dürfen.
Die Idee mit der Schulkirche soll nur aufzeigen, daß bei 3 Westenfelder Schulen ebenfalls Bedarf besteht. Es kostet doch nicht mehr Geld, das Gebäude ist doch voll funktionfähig erhalten.

Der gegründete Förderverein sieht sich im übrigen nicht als kontraproduktives Instrument, vielmehr als Zusammenschluß vieler Westenfelder Christen und Vereinsmitglieder, die Angst haben, daß jahrelange, gut funktionierende Vereinsarbeit, auf der Strecke bleibt.

Gerne würde man sich zu einem persönlichen Gespräch zusammen setzen und diese kontrovers geschrieben Berichte dieser Zeitung entzerren.

Also Westenfeld ist keine Trotzburg, vielmehr ein Ort mit viel Potential und starkem Willen auf Lebendigkeit.

16.09.2010
23:33
Hoher Wellengang
von Hildegund | #2

Ne, nicht schon wieder der Typ.
Meine Tochter war zur Eheschließungsberatung bei ihm und ist entsetzt nach Hause gekommen.

16.09.2010
22:56
Hoher Wellengang
von Marianne Weber | #1

Wir allle hängen und denken noch an unsere alten Pfarrgemeinden.
Das trifft besonders für St. Nikolaus zu.
Viele schöne Worte können all das heutige Elend auch nicht vernebeln.
Herr Propst, werden Sie endlich ein Wattenscheider und anerkennen Sie Realitäten.
St. Nikolaus lebt und bebt.

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