Einen Vater fürs Leben gefunden
13.04.2012 | 18:06 Uhr 2012-04-13T18:06:00+0200
Er ist nicht der erste Wattenscheider, der gambianischen Boden betritt, das kleine Land in Westafrika kennen- und in Windeseile lieben lernt. Doch ist er wohl der erste Pate innerhalb des Vereins Kindergarten Wattenscheid in Gambia, der einen jungen Afrikaner adoptiert, um ihm in Deutschland bessere Bildungschancen zu bieten. Dirk Dziabel hat den heute 18 Jahre alten, also volljährigen Yankuba Darboe als Sohn angenommen und nach Wattenscheid geholt.
Normalerweise funktionieren die Familienstrukturen in Gambia gut. Dort ist ein Mehrgenerationen-Zusammenleben normal, an der Tagesordnung. Zunächst auch für Yankuba. Zunächst, bis das Geld nicht mehr für die Versorgung aller Familienmitglieder ausgereicht hat. Yankuba, 1993 geboren als jüngstes von vier Kindern in Mandinari, einer kleinen Stadt nicht allzu weit entfernt vom Kindergarten-Standort Brikama, kennt seinen Vater nicht und ist von der Mutter im zarten Alter von einem Jahr zur Tante abgegeben worden. Auch seine Geschwister sind auf andere Familienmitglieder verteilt worden. Yankuba, der mittlerweile schon gut Deutsch spricht: „Meine Mutter hatte kein Geld, uns alle zu ernähren. Sie ist mit meinem Vater verheiratet worden, als sie selbst 15 Jahre alt war. Nach meiner Geburt war mein Vater nicht mehr da.“
Es liegt schon Wehmut in der Stimme, wenn Yankuba seine Geschichte erzählt. Nun, er wuchs bei der Schwester seiner Mutter und deren Familie in Brikama auf. In Reichweite des Kindergartens Wattenscheid. Den besuchte Dirk Dziabel vor vier Jahren, 2008, zum ersten Mal im Rahmen einer Wattenscheider Patenreise. Und seitdem quasi alle Jahre wieder. So auch zum 30-jährigen Bestehen des Kindergartens und des Partner-Projekts, der Technical High School Bottrop, die ihr 25-Jähriges feierte. Yankuba, Schüler dieser Technical High School, und der Gast aus Wattenscheid liefen sich hier über den Weg. „Yankuba ist auf mich zugegangen,“ weiß Dziabel, als wäre es gestern gewesen. Sie kamen ins Gespräch, haben sich wieder und wieder verabredet, „weil wir uns auf Anhieb gut verstanden haben“. Yankuba erzählte seine Geschichte und Dirk Dziabel über sich, Wattenscheid, Deutschland. An Familienbande, eine Adoption, haben beide nicht gedacht. Zunächst nicht.
Im folgenden Jahr machte sich Dziabel erneut mit den Kindergarten-Paten auf die Reise. Und traf Yankuba wieder. Postalisch Kontakt gehalten hatten sie bereits die ganze Zeit über.
Yankuba hatte sich beim Fußballspielen verletzt, einen bösen Tritt vors Knie abbekommen, war in Gambia medizinisch nur unzureichend versorgt worden. Einer der vielen Gründe für Dziabel, Yankuba nach Deutschland zu holen. Auschlaggebend aber: „Der Junge ist intelligent, hat eine hohe Auffassungsgabe.“ Der Gedanke an eine Adoption reifte – bei beiden. Dziabel besuchte Yankuba zu Hause bei seiner Familie, sprach mit der Tante. Hier gab es keine Einwände.
Im Sommer vergangenen Jahres kam Yankuba nach Wattenscheid. Und er wird bleiben. Die Knieschmerzen wurden inzwischen behandelt, sind soweit abgeklungen. Der junge Mann besucht nun das Alice-Salomon-Kolleg, wird aber jetzt nach den Ferien auf die Maria Sibylla Merian wechseln, um dort sein Abitur zu bauen. Und dann? „Mal sehen“, sagt er. Dirk Dziabel stimmt zu: „Mal sehen.“
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