Multikulti auf Deutsch
03.12.2010 | 18:23 Uhr 2010-12-03T18:23:00+0100
Neviges. Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – zu diesem Thema waren Velberter aufgefordert, Ideen zu präsentieren für den Integrationspreis 2010.
Zwei Tage vor Abgabeschluss beschloss Karsten Schillies, Lehrer an der Hardenbergschule, vier Schüler zusammen zu trommeln und an einem Nachmittag ein Projekt für die Ausschreibung zu verwirklichen. Gesagt, getan: Heraus kam ein Podcast-Video, so überzeugend, mit einer so klaren Aussage, dass es bei der Preisverleihung auf dem zweiten Platz landete.
Das Video beginnt mit der Aussage: „Integration? Normal!“. Dann stellen sich die vier Macher und Hauptdarsteller des Videos vor. Alle vier haben einen Migrationshintergrund. In dem Video stehen sie auf dem Schulhof und telefonieren in ihren jeweiligen Heimatsprachen mit ihren Familien. Der 17-jährige Amer Al-Nawasra spricht in seinem Telefonat arabisch, dann legt er auf, schaut in die Kamera und erzählt fließend auf Deutsch, er komme aus Jordanien. Nach russischen, marokkanischen und Worten in einer afrikanischen Stammessprache der anderen drei Schüler ist die Botschaft klar: An der Hardenbergschule ist Multikulti Programm.
„Wir haben einen Migranten-Anteil von zwölf Prozent an der Schule. Das ist zwar nicht sehr hoch, dafür kommen sie aber aus 16 verschiedene Nationen“, berichtet Karsten Schillies.
Und was die Hardenbergschüler als gelungene Integration verstehen und als Botschaft in ihrem Video verkünden, ist ganz einfach: „Wir sprechen alle deutsch!“
Zeguela Meite ist vor drei Jahren von der Elfenbeinküste nach Deutschland gezogen. Sie spricht ihren afrikanischen Dialekt, Französisch, Deutsch und Englisch. Aber wenn sie in der Schule ist, möchte sie nur deutsch sprechen. „Durch die gemeinsame Sprache sind wir wie eine große Familie. Jeder soll ruhig sagen, was er denkt – aber auf deutsch“, sagt Zeguela. So erzählt auch Karim Mokhdim (13), dass sein Fußballtrainer in seinem Verein nur deutsch als Trainingssprache dulde. Und zwar nicht nur, damit die Schüler ihn verstehen lernen, sondern auch, damit er sich nicht ausgegrenzt fühle.
In dem Schülerprojekt stecken noch zwei weitere Botschaften, die den Jugendlichen sehr wichtig waren. Die eine Mitteilung bezieht sich auf das Deutschlernen und muntert auf: „Du hast es in der Hand“.
Die andere ist in den mehrsprachigen Telefonaten versteckt und stellt klar, dass Integration nicht bedeutet, seine Herkunft zu verleugnen. So möchte auch Zeguela ihre Vielsprachigkeit beruflich nutzen – als Krankenschwester. „Dann kann ich zwischen Ärzten und Patienten vermitteln, wenn es Verständigungsschwierigkeiten gibt.“
Ein deutscher Schüler der Hardenbergschule hat das Podcastvideo auf der Internetseite der Schule kommentiert mit den Worten, auf seiner Schule klappe das wunderbar mit der Integration.
Und Karsten Schillies ist stolz: „Der Schnellschuss hat geklappt – weil der Inhalt stimmt.“ Die Schüler hätten verstanden, dass die Sprache sie verbindet. „Wenn die Hardenbergschule morgen in Italien stünde, würden wir eben alle italienisch lernen.“
11:56
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01:04
Wer, wie unsere Kanzlerin, Multi-Kulti für klar gescheitert hält, der kann doch nicht ernsthaft annehmen, dass durch mehr Zuwanderung die Probleme der Integration besser gelöst werden.
00:58
Ausnahmen bestätigen die Regel.
19:41
Egal ob man der Ansicht ist, dass Multi-Kulti out ist oder gerade hier ein gutes Beispiel für gute INTEGRATION aufgezeigt wird, erkennt man hier aber auch, woran eine gelungene Einbeziehung ausländischer Mitmenschen meistens scheitert: „Wir sprechen alle deutsch!“.
Integration ist nicht unbedingt schwierig, erfordert aber immer auch den Willen und die Bereitschaft sich integrieren zu lassen und selbst etwas dafür zu tun...
18:30
Was die Hardenbergschüler/innen da vorleben ist ein bewundernswertes Beispiel, wie wir in unserer multikulturellen Gesellschaft miteinander in Kontakt leben sollten;bei voller Wahrung der eigenen Identität mit den Anderen in freundschaftlicher Beziehung, gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Das schafft eine angstfreie lebenswerte und friedliche Welt. Weiter so, liebe Hardenberger.