Wie ein Karton im Wind
29.03.2010 | 20:20 Uhr 2010-03-29T20:20:00+0200
Haldern Der Schein hat nicht getrügt. Das Glockentürmchen der Evangelischen Kirche Haldern steht schief. „Es hat sich um elf Zentimeter geneigt“, hat Architekt Ulrich Kortmann festgestellt. Heute ist der Mehrhooger wieder vor Ort. Es geht um Ursachenforschung.
Schließlich hängt davon ab, wie wir den Schaden angehen werden“, klärt der Fachmann auf. Heute soll erneut gemessen werden, dieses Mal unter erschwerten Bedingungen für den Turm. Die Glocken sollen während der Messungen läuten. Die Fachleute wollen schauen, welche Auswirkungen solche Kräfte auf den Turm haben. „Der Glockenturm ist vergleichbar mit einem Karton“, sagt Kortmann. Komme dort etwas in Schwingung, wackele der gesamte Aufsatz
Stahlbänder
Vor gut vier Wochen war der Architekt erstmals vor Ort. Damals hatte er den Turm in Augenschein genommen. Der intensive Blick in den Turm hatte keine ersten Hinweise auf Schäden ergeben. „Es ist kein Wasser eingedrungen, auch die Stahlbänder, mit denen die Balken verbunden sind, haben sich offenbar nicht gelockert“, so Kortmanns erster Eindruck. Weitere Untersuchungen ergaben aber, dass sich das Türmchen selbst gelockert hat. Handwerker haben die Konstruktion inzwischen fixiert. Heute nun soll überprüft werden, wie sich das Türmchen unter Druck verhält. „Schließlich wirken enorme Kräfte auf den Turm, nicht nur beim Läuten, auch bei Sturm“, weiß Kortmann. Begleitet werden die Messungen von statischen Berechnungen. Schließlich geht es auch um Sicherheit der Besucher von Gemeindehaus und Kirche. Diese sieht der Architekt aber derzeit nicht gefährdet.
Im Krieg war die 1763 errichtete Kirche schwer beschädigt worden. Zunächst war sie in den 50er Jahren nur provisorisch saniert worden. Ende der 90er Jahre dann hatte man die Holzbalkendecke über dem Kirchenraum komplett erneuert und den Dachstuhl stabilisiert.
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