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Prozess

Vater der ermordeten Gülsüm wird auf Demenz untersucht

26.11.2009 | 21:00 Uhr

Rees/Kleve. Im Prozess um den "Ehrenmord" an der 20-jährigen Kurdin Gülsüm S. hat der Verteidiger des Mitangeklagten Yusuf S., Vater der Ermordeten, ein Gutachten beantragt. Das Kurzzeitgedächtnis seines Mandanten sei zumindest stark eingeschränkt. Das Urteil wird am 18. Dezember erwartet.

Yusuf S. brach im Landgericht Kleve in Tränen aus. Foto: Johannes

Yusuf S. soll an Gedächtnisstörungen oder Demenz leiden und verwirrt sein. Das zumindest behauptet der Verteidiger des Mitangeklagten im Prozess um den Ehrenmord an der 20-jährigen Gülsüm aus Rees zu glauben. Der Jurist Siegmund Benecken äußerte vor dem Landgericht Kleve große Bedenken in Hinblick auf die geistige Gesundheit von Gülsüms Vater.

Yusuf F. brach in Tränen aus

Aus eigenem Kontakt und Gesprächen sei offensichtlich, dass das Kurzzeitgedächtnis von Yusuf S. nicht verhanden oder stark eingeschränkt sei, so Benecken. Es lägen Verwirrtheitszustände vor, möglicherweise eine beginnende Demenz. Der Angeklagte sei auch bereit, sich untersuchen zu lassen.

Im Prozess um die Ermordung der 20-jährigen Kurdin Gülsüm S. beantragte Verteidiger Siegmund Benecken nun die Untersuchung seines Mandanten. Gülsüms Vater leide womöglich an Demenz, so Benecken. Foto: Johannes Kruck

Minuten später brach Yusuf S. in Tränen aus. Lautes Schluchzen durchbrach die Sitzung. Auf Befragen des Richters Christian Henckel antwortete die Dolmetscherin für Yusuf: „Er hat starke Schmerzen.” Die aber ganz plötzlich wieder abklangen. „Der hat wohl nicht gewusst, dass Demenz nicht weh tut”, raunte es aus dem Plenum.

Wer hat die Glühbirne gewechselt?

Gut, dass sich Yusuf S. aber noch daran erinnerte, dass Rudi Kemkes, der Hausbesitzer, oder dessen Hausmeister am Tag nach dem Mord eine Glühbirne in der Wohnung seiner Familie ausgetauscht habe. „Rudi Kemkes ist ein bekannter Bauunternehmer aus Rees und gerade auf See. Wir können ihn derzeit nicht befragen”, so Verteidiger Benecken. Aber man könne belegen, dass der Anruf des Vaters bei der Drillingsschwester Z. kein Vorwand gewesen sei. Zum Hintergrund: Familie Semin ist Mieter im Haus von Rudi Kemkes jun. an der Lindenallee in Rees. Der Immobilienbesitzer allerdings lässt bei Mietern keine Glühbirnen wechseln oder vom Hausmeister austauschen.

Wo Gülsüm von ihrem Drillingsbruder erschlagen worden sein soll, haben Freunde der Familie Blumen, Kerzen und Fotos von Gülsüm aufgestellt. Foto: Thorsten Lindekamp

Der Richter reagierte schnell auf die fragliche Demenz- oder Alzheimer-Erkrankung. Schon nach der ersten Pause hatte er alles arrangiert:  Begutachtet wird Yusuf S. schon heute vom Chefarzt der Forensik in Bedburg-Hau, Dr. Martin Wenzel. Am Montag folgt eine Computer-Tomografie, so dass schon am Dienstag die Verhandlung nach Plan weitergehen kann.

Urteilsverkündung verschoben

Allerdings möchte Benecken das Gutachten noch in Ruhe auswerten können. Und somit muss nach langem Hin und Her ein weiterer Verhandlungstag eingelegt werden. Darum wird die Urteilsverkündung um eine Woche verschoben – auf den 18. Dezember.

Nicht bewilligt wurde der Antrag der Verteidiger von Miro (der wie berichtet in Wirklichkeit Sahil heißt) auf Abtrennung des Verfahrens. Richter Henckel dazu: Eine Abtrennung wäre „nicht sachgemäß und untunlich”, es würden sich keine Entlastungsbeweise zugunsten Miros ergeben.

"Gott soll ihn bestrafen"

Ein Zeuge, der mit dem möglichen Heiratskandidaten Mehmed täglich in Verbindung stand, wurdeam Donnerstag noch einmal gehört. Mehmed stand kurzfristig unter Tatverdacht, da er Gülsüm heiraten sollte. Sie wollte aber lieber ihren Freund Altin ehelichen. Das Gericht geht davon aus, dass der Heiratskandidat auf Grund von Handyortungen am Tattag nicht in Rees war und auch kein anderer Unbekannter als Mittäter in Frage kommt. Als der Zeuge entlassen wurde, rief er, wohl an Davut gerichtet: „Er war so lieb und nett, Gott soll ihn bestrafen. Seht ihn an!”, dann wurde er herauskomplementiert.

Elisabeth Hanf

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