Tiny Visper entführte Besucher in düstere Welt
10.03.2010 | 10:59 Uhr 2010-03-10T10:59:00+0100
Rees-Haldern. Nach nur wenigen Gitarrenklängen lauschen die etwa 60 Besucher in der Haldern Pop Bar gespannt dieser schmächtigen, schüchtern wirkenden Jesy Fortino alias Tiny Vipers, eine 24-jährige Texanerin aus Seattle.
Die 24-jährige Texanerin riss das Publikum mit ihrer überraschend tiefen Stimme zu den melancholisch-gespenstischen Melodien aus der freudigen Plauder-Atmosphäre. Die Gäste tauchten in das Seelen-Leben der heute in Seattle lebenden Künstlerin ein. Zumindest die Bühnen-Persönlichkeit offenbart eine finstere Seele. Fortinos beeindruckende Stimme ist geprägt von einer durchdringenden Tristesse. Das flackernde Kerzenlicht wirkte mehr bedrohlich als romantisch.
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man folgt gebannt jedem Griff in die Saiten und lauscht jedem Ton, verliert sich gerade zu in ihnen. Oder man lässt es sein und gewinnt keinen Zugang zu der Musik. Haldern hört zu.Tiny Vipers kommt ohne eingängige Refrains oder mitreißende Rhythmen aus. Sie führt ihre Gitarre an die ganz leisen, minimalistischen Grenzen, lässt eine verträumte Melodie in die nächste übergehen. Das oft treibende Saitenspiel bringt die Gedanken in Fluss. Effekte aus der Steckdose verzerren zeitweise die Klänge, erzeugen einen verträumten Trott, eine verwischte Wahrnehmung.
In gewisser Maßen wurde so der Bogen geschlagen zu Crystal Hell Pool, einem 36-jährigen Amerikaner, der im Vorprogramm mit atmosphärischen Klängen das Publikum einstimmen wollte. Die düstere Kellerromantik entfaltete sich beim Publikum nicht. War auch nur schwer zugänglich.
Endlich gibt es die Haldern Pop Bar auch im Internet unter www.haldernpopbar.de Hier können sich Interessierte für den Newsletter eintragen und erhalten so stets aus erster Hand die nächsten Konzerttermine.
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Interessant, wie verschieden Wahrnehmung doch sein kann. Die Melodien waren melancholisch und nachdenklich, und luden das Publikum ein, auf eine Seelenreise, die wie ein gemeinsames luzides Träumen das Bedürfnis nach Konversation verschwinden ließ im Austausch gegen die Lust am Hinhören, am genauen Hinhören und dabei in der Qual der Wahl zu stehen zwischen dem Schließen der Augen und dem Eintauchen in innere Räume, oder dem Öffnen der Augen und der Betrachtung der eigenartig intensiven Mimik und der introvertierten Haltung der Musikerin, die während des gesamten Auftritts kein Wort sprach und die Augen nur zum Stimmen der Gitarre öffnete. In der Tat hat sie ihr Publikum zum Schweigen gebracht, was m.E. das Ziel eines Musikers ist - the Audience was listening -
Jesy Fortino alias Tiny Vipers verfügt über das Potential einer echten Künstlerin
Morgen Abend tritt sie in Köln Mülheim im Kulturbunker auf. Ich freu mich schon darauf.