Zuhören, betrachten, sich einfühlen
27.08.2008 | 19:27 Uhr 2008-08-27T19:27:42+0200THEATER. Die erste Premiere der Spielzeit ist "Nicht jeder kann der Chef sein" - Shakespeares ,Sturm'-Stoff für Kinder ab vier.
Es gilt als Shakespeares letztes Stück - für junge Oberhausener könnte "Der Sturm" das erste Werk des großen Meisters sein, mit dem sie sich beschäftigen. Schauspielerin Elisabeth Kopp hat den Fünf-Akter über mehrere Jahre bearbeitet, für Zuschauer ab vier Jahren auf 45 Minuten eingedampft und ihrer Version des Stoffes einen griffigen Titel gegeben: "Nicht jeder kann der Chef sein" wird im Rahmen des Theaterfestes am kommenden Samstag im Malersaal Oberhausener Premiere haben.
Wie kommt man darauf, eine Geschichte über Machtkämpfe und Rachegefühle für Kinder aufzubereiten? Ganz einfach, sagt Elisabeth Kopp: "Ich habe selbst eine Tochter, die wollte immer Geschichten hören. Und mir ging irgendwann der Saft aus - da hab' ich einfach den ,Sturm' erzählt." So weit hergeholt sei's nun auch nicht, Kindern diese Geschichte vorzusetzen, findet Dramaturgin Simone Kranz: Es gehe immerhin um zwei Brüder, Prospero und Antonio, um deren Eifersucht auf einander - solche Gefühle sind jungen Zuschauern auch nicht fremd. "Es geht um Vertrauen: Man muss die Macht ein Stück abgeben, sonst ist man allein auf einer Insel", sagt Kopp - das kann man schließlich nicht früh genug lernen Außerdem lässt sich das junge Publikum gerne mit auf die Zauberinsel nehmen, hat Kopp beobachtet: Wer im Sand liegt und am Zelthimmel aufregend ausgeleuchtete Bilder betrachten kann, spürt schon fast den Hauch des Geistes Ariel, sieht die Hexe Sycorax und den Unhold Caliban vor sich. Und wenn dann auch noch die Wellen vom Tonband so hoch schwappen, dass Antonio Schiffbruch erleidet, sind die Zuhörer bestimmt so gespannt wie die Taue auf dem Segelschiff. . .
Eine ganz elementare Theatererfahrung sei die spielerische Erzählung Kopps, findet Dramaturgin Simone Kranz: "eine Mischung aus zuhören, betrachten und sich einfühlen."
Elisabeth Kopp liest und spielt "Nicht jeder kann der Chef sein" am 30. August um 15.30 Uhr und 18.30 Uhr in einem Zelt im Malersaal des Theaters. Der Eintritt ist frei.
0mitdiskutieren