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Rechtsstreit

Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld

16.08.2012 | 07:00 Uhr
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
Herbert Stürzebecher am Ort des Geschehens in Mülheim.Foto: Christoph Wojtyczka

Oberhausen/Mülheim.  Seit dem Sturz an einer Straßenbahnhaltestelle, bei der er verletzt wurde, liegt Herbert Stürzebecher mit der Mülheimer Verkehrsgesellschaft im Clinch. Mit seinem Stockschirm wollte der Rentner verhindern, dass sich die Türen der Bahn schließen. Das misslang, stattdessen fuhr die Bahn an und der Sterkrader stürzte. Nun fordert er Schmerzensgeld.

„Vorsicht, Straßenbahnfahren kann auch sehr gefährlich sein.“ Mit diesen Worten beginnt ein Brief, den Herbert Stürzebecher in der WAZ-Redaktion vorbeigebracht hat. Der 83-Jährige schildert darin, was ihm Anfang des Jahres an einer Straßenbahn-Haltestelle in Mülheim passiert ist. Dabei hatte der Sterkrader noch Glück im Unglück und verletzte sich nicht schwer. Dennoch: Herbert Stürzebecher findet, dass die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) die Schuld an seinem Unfall trägt. Seit mehr als einem Jahr schon liegt er deshalb mit ihr im Rechtsstreit.

An jenem Tag im Januar, es war der 27., steht der Oberhausener gegen 10.30 Uhr mit einigen anderen Fahrgästen an der Haltestelle Mülheim-Stadtmitte. Die „112“ kommt, einige steigen aus und andere ein. Dann, so erinnert Stürzebecher sich, schließt der Fahrer die Türen – „bevor alle eingestiegen waren“. Unmöglich, findet der Oberhausener, und wagt ein riskantes Manöver, was auch gleich nach hinten losgehen soll.

Der unbekannte Helfer

Mit seinem Stockschirm geht er schnell noch zwischen die sich schließenden Türen. „Das funktioniert woanders doch auch immer“, sagt er, heute noch verärgert. Die Straßenbahntür jedoch folgt nicht der Logik einer Aufzugtür: Sie schließt trotz alledem, die Bahn fährt los und Herbert Stürzebecher findet sich auf dem Asphalt wieder. Dass nun nicht er, sondern nur sein Stockschirm mit der Bahn auf und davon ist, dürfte in diesem Augenblick seine geringste Sorge gewesen sein.

Mit Verletzungen im Gesicht und an der Hand rappelt Stürzebecher sich wieder auf, ein Passant hilft ihm dabei. Der junge Mann ruft vorsichtshalber auch gleich einen Rettungswagen. Sehr freundlich sei er gewesen, erinnert Stürzebecher sich an den unbekannten Helfer. Und bedauert, dass er sich nicht hat bedanken können. „Ich war nach dem Unfall so daneben.“

Zum Glück keine Knochenbrüche

Im Krankenhaus wird der Senior gründlich untersucht. „Zum Glück hatte ich keine Knochenbrüche“, sagt er. Die Krankenschwester ruft ein Taxi, Herbert Stürzebecher lässt sich nach Hause fahren. Vom Öffentlichen Personennahverkehr hat er für diesen Tag genug. Als sein Schwiegersohn die Verletzungen sieht, empfiehlt er gleich, juristisch dagegen vorzugehen. Für die Familie steht fest: Der Straßenbahnfahrer ist Schuld an dem Unfall.

„Er hätte doch alles in seinem Außenspiegel sehen müssen“, sagt Stürzebecher. Er nimmt sich einen Anwalt, der von der Verkehrsgesellschaft ein Schmerzensgeld verlangt, außerdem noch die Taxirechnung (31 Euro), die Zahnarztkosten, weil ein Stück der Prothese abgebrochen sei (94 Euro) – und natürlich den Stockschirm (70 Euro).

Dreifache Sicherung

Olaf Frei, Sprecher der Mülheimer Verkehrsgesellschaft, möchte sich nicht zum konkreten Fall äußern, „da es sich um eine schwebende juristische Auseinandersetzung handelt“. Grundsätzlich jedoch bedauere er den Unfall sehr und sei froh, dass Vorfälle wie dieser bei der MVG selten sind – „und das bei 75 000 beförderten Fahrgästen pro Tag“. Was hingegen häufig vorkomme, sei die Annahme, der Fahrer müsse dieses oder jenes gesehen haben. Frei: „Der Fahrer hat viel zu beachten. Signale, Verkehr, kreuzende Passanten. Und dann ist da noch der tote Winkel.“

Zu den Türen ließe sich sagen, dass sie dreifach gesichert sind. Erstens: „Sie schließen nicht, wenn jemand auf dem Trittbrett steht.“ Zweitens: „In den Gummidichtungen sind Sensoren, die auf Widerstand reagieren und die Türen sofort öffnen.“ Drittens: „Der Fahrer kann erst fahren, wenn alle Türen geschlossen sind.“ Auch Olaf Frei kann daher nicht erklären, wie das Unglück dennoch passieren konnte.

Ruşen Tayfur



Kommentare
19.08.2012
17:32
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von auchkatholisch | #15

Gegen den guten Mann eine Strafanzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr zu stellen, sollte ihn für die Zukunft von solchem Treiben abhalten.
Aber wenn ich das schon von dem Schwiegersohn: Es würde den falschen treffen.

17.08.2012
14:11
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von rossi42 | #14

Scheint ja für ihn normal zu sein mit Schirmen gegen Straßenbahnen zu kämpfen, so wie das auf dem Bild aussieht. Oder fechtet er da evtl. mit dem vorbeilaufenden Passanten?
Tja,tja, das passiert halt, wenn unsere Rentner unbedingt ihren nächsten unaufschiebbaren Termin einhalten müssen....
Kein Verständnis, obwohl manchmal hat man das Gefühl, die Fahrer machen sich nen Spass draus ahnungslose Fahrgäste mit den Türen zu zwicken.

17.08.2012
11:19
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von dr_john_becker | #13

Ich kann nicht nachvollziehen, dass sich die MVG in Anbetracht des geringen Streitwertes auf solch ein Image-schädigendes Verfahren einlässt, anstatt sich bei dem Herrn zu entschuldigen und den verhältnismäßig kleinen Betrag zu überweisen.

4 Antworten
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von gukop | #13-1

Das ist Ihre Sicht. In Deutschland gilt aber nicht: Wer am lautesten seine Forderungen proklamiert, hat recht...
Ob die MVG eine (Teil-)Schuld trifft, ist abzuwarten.

Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von besserwisserboy2 | #13-2

Ich sehe das ähnlich wie 13-1,
Warum soll die MVG, die nachweislich keine Schuld am Geschehen trägt, für die Kosten des gestürzten aufkommen und als Bonbon noch ein Schmerzensgeld hinterherschieben? Schuldlos deshalb, weil der entsprechende Kurs von der StOAG gefahren wird!
Ausserdem hat der Herr sich aber auch sehr "blöd" angestellt.

@besserwisserboy
von Stukkadierta | #13-3

Die 112 wird von der Stoag und von der MVG bedient, hier sollten Sie sich besser informieren, Sie Besserwisser ;-)
Darüber hinaus kann die MVG nicht nachgeben, denn dann würde jeder Zweite auch seinen Schirm zwischen die Türen halten, fallen und Geld fordern.

@ Stukkadierta
von besserwisserboy2 | #13-4


In diesem Fall mache ich meinem NIckname alle Ehre, denn aus gut informierter Quelle ist mir bekannt, das der fragliche Kurs an diesem Tag von der StOAG gefahren wurde. Also gebe ich die Aufforderung nach besserem informieren gerne zurück, sie Besserwisser!

17.08.2012
08:03
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von suedjuergen | #12

nach durchsicht des berichtes und aller kommentare steht für mich eins fest:

der schirmm trägt die alleinschuld und wird zu schadensersatz verurteilt, zahlbat an sein herrchen.

17.08.2012
06:31
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von Stukkadierta | #11

Aus meiner Sich ist der Schirm einfach zu dünn, als dass er die Tür damit aufhalten könnte- es sei denn, er trifft genau die Lichtschranke. Außerdem dient doch die Tür dazu, seinen Körper hindurch zu bewegen- wenn Arm, Bein etc. im Türbereich sind, darf die Tür nicht schließen, was sie wohl auch nicht macht, denn sonst würde man ja dauernd über Unfälle dieser Art lesen können. Aber Schirme oder Stöcke in die Tür zu halten und sich dann noch daran zu klammern, halte ich für eigene Schuld.

1 Antwort
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von auchkatholisch | #11-1

Vermutlich hat die Tür auch Schalter, die das Gewicht auf der Treppe messen und das ist ja bei der Schirmattacke dieses Herrn dann nicht vorhanden.
Zudem öffnet eine Strassenbahntür im Gegensatz zu einer Aufzugstür nicht wieder, wenn sie beim Schliessen auf ein Hindernis stösst.Aufzugstüren verwenden sogenannte "Lichtvorhänge", die erkennen alles ab Fingerstärke. Eine Lichschranke muss dagegen genau in der montierten Höhe unterbrochen werden.
Wenn jeder so vorgehen wollte, was er offensichtlich als "sein Recht" ansieht, dann aber gute Nacht.

Der Mann ist einfach uneinsichtig oder wird von seinem Schwiegersohn angestachelt und deshalb und gehört er bestraft statt entschädigt.

16.08.2012
20:11
Vor dem Kommentieren #7 lesen!!! - besser noch den Artikel
von eulenspiegel777 | #10

Wie besserwisserboy so richtig bemerkt hat:

Am 27. Januar 2012 erfolgte der Sturz, wir schreiben den 16.8.2012 und seit einem Jahr liegt Herr Stürzebecher (welch passender Name) mit der MVG im Clinch.

"Wunder gibt es immer wieder..."

Und dann wüschen wir (?) dem Herrn jetzt auch noch gute Besserung - wozu?

16.08.2012
19:39
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von DonKlosimHals | #9

Man da bin ich aber sowas von beruhigt und erleichtert,dem Stockschirm scheint es ja anscheinend schadlos überstanden haben und war noch so clever sich vom dem fiesem Herrn Stürzemann zu trennen.Man weiss es nicht vielleicht wollte er dem Schirm das Genick brechen.IRONIE AUS....

16.08.2012
14:31
Türen schließen immer...!
von gukop | #8

Nahezu täglich bin ich mit der 102 und der 104 in Mülheim unterwegs und oft genug habe ich es erlebt, dass der Fahrer die Türen nur kurz frei gibt und schnell wieder sperrt, manchmal nach nur 3 bis 4 Sekunden. Viele Türen gehen dann auch zu, wenn noch Personen auf der Treppe, also in der Lichtschranke stehen! Die Personen die noch hinaus wollen, müssen die Türen dann mit einem größeren Kraftaufwand bremsen, damit sie nicht schließen. Auf diese Probleme scheint die MVG aber nicht zu reagieren, wenn sie im Kundencenter bemängelt werden.
Die DVG hatte vor einiger Zeit ein ähnliches Problem und wurde erst aktiv, als sich der WDR einschaltete und den Fehler dokumentierte.

Dennoch ist es gefährlich mit dem Stockschirm zu versuchen eine Bahn aufzuhalten. Hr. St. hätte sogar jemanden in der Bahn verletzen können!

2 Antworten
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von uwebothe | #8-1

Die Türen an Straßenbahnen gehen nicht zu, wenn jemand in oder auf den Sicherheitseinrichtungen steht. Das wird jeden Tag aufs neue gerüft

Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von gukop | #8-2

@uwebothe: Loyalität bedeutet nicht falsch auszusagen!
Gestern habe ich genau hingeschaut: Die Türfreigabe-Anzeige am Haltewunschknopf war erloschen, da ging auch die Lichtschranke mit aus! Diese kann dann nicht mehr reagieren und die Tür ging zu, obwohl ich noch auf der Treppe stand. Die Türe musste ich dann mit meinem gesamten Körper bremsen, damit die gehbehinderte Person hinter mir auch noch eine Chance hatte auszusteigen.

16.08.2012
13:41
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von besserwisserboy2 | #7

So was Dummes aber auch.
Versucht jemand das Sommerloch zu füllen?
Wenn der Vorfall Ende Januar gewesen ist, wieso streitet der alte Mann schon seit einem Jahr mit der MVG? Vorahnungen?

1 Antwort
#7
von knueppeljunge | #7-1

Genau !!!!

Endlich einer, der erst liest.

Selten bei Kommentatoren.

16.08.2012
13:32
Rentner streitet nach Sturz an Mülheimer Haltestelle um Schmerzensgeld
von wohlzufrieden | #6

Den Stock zwischen die Türen zu halten war so unnötig wie leichtsinnig, denn die nächste Bahn kommt ja bestimmt. Und Herrn Stürzebecher ist in jedem Falle gute Besserung zu wünschen!

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