Ohne Beratung kein Methadon
13.05.2009 | 18:24 Uhr 2009-05-13T18:24:00+0200
Ein Arzt schlägt Alarm: Weil die Suchthilfe eng besetzt ist, muss er neue Fälle abweisen. Stadt sieht Lage weniger dramatisch.
Bei der Hilfe für Heroinsüchtige gibt es einen Engpass. Ärzte, die Methadon an Drogenabhängige abgeben, können derzeit keine neuen Patienten aufnehmen. Sie sind in ihrer Arbeit auf die Beratungsstelle der Stadt angewiesen und dort ist die Personaldecke dünn. Hilfesuchende landen auf einer Warteliste.
Hintergrund ist eine Vorgabe, nach der die Methadon-Behandlung nur erlaubt ist bei gleichzeitiger psychosozialer Betreuung. Die übernimmt in Oberhausen die Drogenberatungsstelle (Drobs). Vier der zehn Mitarbeiter sind zuständig und kümmern sich schon jetzt um weit mehr Betroffene als der Betreuungsschlüssel vorsieht. Weil eine Kollegin krank wurde und wohl längere Zeit ausfällt, hat die Einrichtung die Reißleine gezogen. Per Fax informierte sie die Praxen, dass keine weiteren Fälle zugelassen werden können.
Strafbarkeit droht
Ulrich Hammerla war entsetzt. Neben ihm praktizieren in der Stadt vier weitere „Substitutionsmediziner”. Zusammen, schätzt Hammerla, behandeln sie 350 bis 400 Suchtkranke. Versorgen sie jemanden mit Methadon, der nicht in Beratung ist, machen sie sich strafbar wegen illegaler Abgabe von Betäubungsmitteln. Ohne freie Betreuungsplätze müssen sie weitere Hilfesuchende abweisen. „So kann man mit Menschen nicht umgehen.”
Hammerla hat an Oberbürgermeister Klaus Wehling geschrieben. Er appelliert, die Beratungsstelle mit mehr Personal auszustatten – „damit in Zukunft eine längerdauernde Erkrankung eines Mitarbeiters nicht zum Zusammenbruch der medizinischen Versorgung Drogenkranker führt!” Für Hammerla ist das Maß voll. „Wir kämpfen an allen Fronten, werden verunglimpft als Drogenärzte, und jetzt lässt uns auch noch die Stadt im Stich.”
Leben mit Wartelisten
Dort hat man für den Brandbrief wenig Verständnis. Wartelisten „kann man als dramatisch interpretieren oder auch nicht”, sagt Thomas Notthoff, stellvertretender Bereichsleiter Soziales, sie seien keine Seltenheit. Der „kleine Engpass” bedeute nicht, „dass in Oberhausen nicht mehr substituiert werden kann”.
Die Klienten der kranken Kollegin sind versorgt, so Notthoff. Und: „Wenn es überlebensnotwendig ist, besteht immer die Möglichkeit, Ausgleich zu schaffen.” Hoffnung auf eine grundsätzliche Stärkung der Beratungsstelle allerdings dämpft Notthoff mit dem Verweis auf die Finanzlage. „Jede weitere Fachkraft muss von der Bezirksregierung genehmigt werden.”

08:40
Wenn ein Arzt wie Herr Hammerla so drastisch auf ein Problem aufmerksam macht , dann ist da was dran.Ich , Martin Drenda , habe herr Hammerla als Betroffener kennengelernt. Ein Idealist mit viel Einfühlungsvermögen , hat sich meiner angenommen und mir sehr geholfen.Wenn der jetzt Alarm schlägt dann hat das schon seinen Grund.Es stände dem jetzigen sozialdemokratischen OB gut an , sich der aufgezeigten Problematik anzunehmen.
Martin Drenda , Vorsitzender Kreuzbund Daun e.V.