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Der Oldtimer als Familienhobby

01.06.2012 | 13:00 Uhr
Der Oldtimer als Familienhobby

Oberhausen.   Ulf Berens hat einen 57 Jahre alten Ford-Pickup originalgetreu und aufwändig restaurieren lassen. Jetzt wollen die Amerikaner den Wagen gerne zurück

Es soll ja Männer geben, die schenken der Liebsten an Weihnachten lieber praktische Dinge für den Haushalt. Kann man doch immer gut gebrauchen, so ein elektrisches Messer oder die absolut alles könnende Küchenmaschine. Nichts da, dachte sich Ulf Behrens und suchte seiner Frau ein Schmuckstück aus, das weltweit wohl seines Gleichen sucht: einen amerikanischer Ford-Pickup, Modell F 100, Baujahr 1955, originalgetreu restauriert. An diesem Sonntag fährt Familie Berens ihren neuen Wagen bei der Osterfelder Oldtimershow erstmals im großen Stil aus.

Die F-Serie von Ford gehörte fast drei Jahrzehnte lang zu den meist verkauften Autos in den USA. Hierzulande kennt man die Pickups aus manch romantisierender Fernsehserie, in der drahtige Farmer über staubige Straßen fahren. Ford produziert das Gefährt heute in der zwölften Generation – Exemplare des zweiten Modells wie der Wagen von Familie Berens gehören zu den liebsten Stücken unter Oldtimer-Fans.

Einzige Modernisierung: ein Radio

Zaungäste werden den roten Pickup bei der Fahrt am Sonntag schon von Weitem erkennen. Denn obwohl der Auspuff schallgedämpft ist, brummt der Wagen mit solch einem tiefen Bass, wie man ihn sonst nur von den Harleys kennt, die wochenends zur Grafenmühle pilgern. Schlappe zwei Tonnen wiegt der Pickup.

Unter der wuchtigen Kühlerhaube mit breitem Kühlergrill steckt ein nackter V-8-Motor – Schnickschnack ist verpönt. Bremsverstärker und Servolenkung hat der Pickup naturgemäß auch nicht. „Man muss also besonders vorausschauend fahren“, sagt der Unternehmer Berens. „Eine Kurve muss schon genau kalkuliert werden.“

Bei der Restauration des Wagens war es den Berens an Authentizität gelegen. Ersatzteile wurden auf dem US-amerikanischen Markt zusammengesucht. Keine einzige Beule sollte weggeschliffen werden, die Innenausstattung mit ihren kleinen Knöpfen und der Lenkradkupplung wurde erhalten. Selbst die verwitterte Ladefläche mit den hölzernen Verstrebungen ist in dem Zustand belassen worden, wie ihn der texanische Erstbesitzer des Wagens hinterlassen hatte. „Eine moderne Sache habe ich mir aber gegönnt“, gibt der 37-jährige Berens zu und öffnet das Handschubfach: ein Radio.

Spritschlucker und Familienauto

Um die Restauration gekümmert haben sich Hans-Georg Gosda und sein Team in der Kfz-Werkstatt „Cardoc“ in Osterfeld. Mit besonderer Aufmerksamkeit – immerhin gehörte Gosda einmal der Wagen, wie er erzählt: „Ich habe ihn bei einem holländischen Händler entdeckt, der ihn aus den USA gekauft hat. Der Wagen und ich sind ein Baujahr, das fand ich toll.“ Als quasi Rohdiamant stand der Pickup in Gosdas Werkstatt, als die Berens ihn entdeckten. „Meine Frau hat sich sofort verliebt.“ Übrigens nicht nur sie: Kaum war der Wagen fertig und einmal fotografiert, kamen die ersten Kaufangebote: aus den USA.

Oldtimer-Parade

Ein Familienhobby soll der Wagen werden, in der Fahrerkabine finden Eltern und Kind Platz. Berens: „Wir holen den Pickup auch im Regenwetter aus der Garage, um Ausflüge zu machen. Und wenn nur, um im Centro einen Café zu trinken.“ Für längere Strecken eignet sich der Amerikaner bei den derzeitigen Spritpreisen auch nicht: Immerhin verbraucht er rund 18 Liter auf 100 Kilometern.

Stephanie Weltmann

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