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Bert-Brecht-Haus

Ausweichquartier noch ohne Adresse

26.01.2010 | 20:24 Uhr
Ausweichquartier noch ohne Adresse

Wo während der Bibliotheksschließung das „Kundencenter” öffnet, steht nicht fest. Tsalastras: 150 bis 200 qm sind finanziell drin.

Klartext
Kein Plus, sondern die notwendige Minimallösung

Wer ein anständiges Gemüsebeet anlegen will, darf nicht vorher schon die Hälfte des Saatguts futtern. Es ist sicher vernünftig, dass die Verwaltung beim Umbau des Bert-Brecht-Hauses auf Nachhaltigkeit pocht. Wenn für die Modernisierung des Gebäudes, in dem VHS und Zentralbibliothek sitzen, 2,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II zur Verfügung stehen, ist es unverhältnismäßig, 1,5 Millionen davon in eine Übergangslösung zu stecken. In etwa so viel würde die Auslagerung der Bibliothek nämlich kosten, hatte Leiter Ronald Schneider bei der Kulturausschusssitzung im Dezember angedeutet.

Die Alt-Oberhausener deshalb aber monatelang auf eine literarische Nulldiät zu setzen, ist keine Lösung. Zumal, und das ist das eigentlich Schlimme an der Geschichte, man den tatsächlichen finanziellen Aufwand zunächst offenbar groß geredet und eher halbherzig Alternativen gesucht hatte.

Inzwischen setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine Mindestversorgung während dieser relativ langen Zeit der Schließung unabdingbar ist. Besser spät als nie, könnte man beruhigt sagen – wäre das „Nie” nicht so erschreckend nahe gewesen.

Die jetzt vorliegenden Pläne sollte man übrigens als das betrachten, was sie sind: eine Minimallösung. Daraus ein „Plus für den Bürger” ableiten zu wollen, macht einigermaßen sprachlos.

Wenn die Zentralbibliothek im Bert-Brecht-Haus während dessen Umbau dicht macht, soll es in der Innenstadt übergangsweise ein „Kundencenter” in der Größenordnung von 150 bis 200 Quadratmetern geben. „Es ist ein Kundencenter, keine Bibliothek”, so Kulturdezernent Tsalastras, der dem zuständigen Ausschuss in seiner gestrigen Sitzung dieses und weitere Ersatzangebote für die Zeit der Schließung ankündigte.

Die Vertreter aller Fraktionen beeilten sich derweil zu betonen, sie hätten von Anfang an auf Übergangslösungen für jene acht bis neun Monate gepocht. Von wichtiger „Kontinuität” sprach Regina Wittmann (Grüne), den „Anspruch” der Alt-Oberhausener auf ein Bücher-Angebot bekräftigte Manfred Flore von der SPD, deren Vertreter in der vorherigen Sitzung noch unwidersprochen akzeptiert hatten, dass die Verwaltung eine Auslagerung wegen zu hoher Kosten ablehnte und kleinere Lösungen bis dato nicht ins Auge gefasst hatte.

Kritik im Nachklapp

In der Opposition, deren Widerstand auch eher zart gewesen war, suchte nun einer deutlicher zu protestieren als der andere. „Sie haben mir ja alles vorweg genommen”, so Hartmut Imlau von der Linken Liste, nachdem Klaus-Dieter Broß (CDU) seine Kritik vorgetragen hatte. „Es ist nicht hinnehmbar, dass man keine Angebote macht.”

Die macht man nun doch: Neben dem „Kundencenter”, in dem die Nutzer Medien aus den Zweigstellen und Bibliotheken von Nachbarstädten anfordern können und in dem es Zeitungen, Internetzugang und Sachbücher zum Nachschlagen geben soll, will man die Öffnungszeiten der Zweigstellen erweitern.

Drängen auf Zeitplan

Der Opposition reichten die gestern dazu gelieferten Informationen nicht aus. „Jetzt sind wir immerhin ein Stück weiter, dass man sagt 'Wir müssen Alternativen bieten'”, befand Gerd Arlt (FDP) angesichts des Papiers, „aber hier steht eigentlich gar nix drin”. Wo und wann zum Beispiel eröffnet das Kundencenter?

Was den Standort angeht, sei man „im Gespräch mit mehreren Vermietern”, so Tsalastras, der erneut auf das enge Budget und das Gebot der Nachhaltigkeit verwies. „Jeden Euro, den wir hier ausgeben, können wir im Haus nicht mehr umsetzen.” Als Beginn der Umbauarbeiten sei nach wie vor der 1. April avisiert, „aber wir sind nicht Herr des Verfahrens”.

Der Leiter der Bibliothek, Ronald Schneider, entschuldigte mit zeitlicher Unwägbarkeit auch die späte Suche nach Alternativen. „Wir haben erst Anfang Dezember erfahren, dass wir nicht für drei, sondern acht oder neun Monate ausziehen müssen.” Die jetzigen Vorschläge, findet er, seien durch die Kooperation mit anderen Städten „für den Bürger in einiger Hinsicht ein Plus”.

Helen Sibum

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