Spektakel der ganz besonderen Art
06.09.2009 | 20:17 Uhr 2009-09-06T20:17:00+0200Schermbeck. „Wenn in Gahlen etwas los ist, ist das Wetter immer gut.” Brigitte Straus, Vorsitzende der Kulturstiftung, behielt Recht, denn die sechste Station von „Varus meets Classic” in Gahlen blieb am Freitag vom Regen verschont.
Dafür ruhte die Victoria, der Nachbau des hölzernen Flussschiffes, auf seinem Anhänger. Ein Wassern des fast vier Tonnen schweren Körpers scheiterte am geeigneten Standort für den Kran. Für den Abschluss der Tour in Wesel hatten die Organisatoren ein 500 Tonnen-Exemplar geordert, um das Problem zu lösen.
„Ich mache schon seit 15 Jahren Veranstaltungen, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt”, sagte Susanne Bee, Projektleiterin des Klassikfestivals Ruhr. Fast 20 Stunden täglich schuftet ihre Mannschaft, um aus dem Nichts einen Auftrittsort mit Bühne und Technik für hochkarätige Ensembles zu bauen. „Das bedeutet einen riesigen logistischen Aufwand.” Viel Improvisation gehöre stets dazu, versicherte sie. Die sich in Gahlen lohnte, zumal rund 300 Zuhörer auf den Holzbänken im frischen Abendwind auf die Musiker warteten. Einige holten damit den völlig verregneten Dorstener Abend nach.
Kapitän Gerrit Wegener verriet Wissenswertes über die wendige Victoria, die sich schon zu zweit steuern lässt und auch unter Segel fix den Kurs wechseln kann. Helge Salnikau moderierte als Brutus Marillus und griff einmal übel daneben: Kein Römer würde Zeus je anflehen. Das war Jupiters griechischer Amtskollege als Götterchef. Sei's drum.
Die „McBricht Greenland Pipes & Drums” mit ihrem Pipe Major Klaus Paffen gestalteten den Auftakt. Neben der bekannten „Highland Cathedral” (übrigens in Berlin komponiert) brachten die Kilt-Träger sogar „Glück auf, der Steiger kommt” in einer urschottischen Variante zu Grhör. Eine weitere Vorgruppe: die Gahlener Jagdhornbläser, die ihr Publikum in den diversen Signalen den Ablauf einer Jagd erleben ließen.
Den musikalischen Höhepunkt trugen am Lippe-Ufer unter den Augen eines aufmerksamen Varus-Darstellers zweifellos „Embrassy” vor. Susanne Bee rühmte David Salomon Jarquin zu Recht als „fantastischen Solisten”. Dirigent Steffen Schiel führte sein professionelles Ensemble durch ein Programm, das die Musikrubriken U und E, sprich Unterhaltung und Ernstes, trefflich mischte. Die studierten Interpreten ließen ihr Publikum die abendliche Kühle fast vergessen.
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