Kleine Insel mit viel Schnee
29.12.2010 | 18:36 Uhr 2010-12-29T18:36:00+0100
Schermbeck.Heinz-Wilhelm Terstegen hat sich warm eingepackt. Dicke Winterjacke und - ganz wichtig – feste Schuhe, denn es ist rutschig und kalt auf dem Campingplatz Wachtenbrink.
Hoch liegt der Schnee auf den 180 Parzellen, die Wege dazwischen hat Terstegen an Heiligabend noch mit dem Radlader einigermaßen begehbar gemacht. In der Vormittagssonne dreht der 59-Jährige eine Runde über die rund sieben Hektar große Fläche seiner Dammer Camping-Anlage. Nicht etwa, um die herrliche Winterluft zu genießen. Nein, Heinz-Wilhelm Terstegen möchte nach seinen Campern sehen, denn trotz Schnee und eisiger Temperaturen ist der Platz belebt. Camper lieben ihre Freiheit eben auch im Winter.
„Viele Rentner haben hier Parzellen angemietet“, erklärt Heinz-Wilhelm Terstegen, der den Campingplatz mit seiner Familie zusammen betreibt. „Zudem haben zwischen den Feiertagen viele Leute Urlaub, deshalb sind immer auch um diese Zeit Camper hier.“
Vom Hauptweg geht es rechts ab auf den neueren Teil der Anlage, der Mitte der 90er Jahre entstanden ist. Dann wieder links, und schon winken ihm Beate Schnelle und ihr Mann Horst Elsner fröhlich entgegen. „Komm herein, wie geht es dir, hattet ihr schöne Weihnachten?“, wird der Campingplatz-Chef von der 64-jährigen Essenerin begrüßt. Die beiden sind gerade angekommen, möchten den Jahreswechsel auf dem Campingplatz verbringen. Horst Elsner schaut draußen nach dem Rechten, während Beate Schnelle die gemütliche Hütte auf der 40 Quadratmeter großen Parzelle herrichtet.
Wer denkt, die beiden hocken hier dick in Decken eingemümmelt und wandern morgens, halb erfroren im Bademantel zum Duschraum, der liegt völlig falsch.
Wintercamping auf der Anlage Wachtenbrink läuft nämlich ganz anders: Alle Parzellen sind ans Strom- und Kanalnetz angeschlossen, alle Camper haben ihre eigenen Sanitäranlagen. Und so erinnert die „Hütte“ von Beate Schnelle und Horst Elsner auf den ersten Blick auch eher an eine kleine Wohnung als an Camping.
Ein ganz anderes Gefühl als in der Stadt
Eine voll eingerichtete Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und ein Bad mit Toilette und Dusche – alles da. „Was am Camping dennoch toll ist, ist das Miteinander mit anderen Campingfans“, erklärt der 75-jährige Horst Elsner. „Das ist halt ein ganz anderes Gefühl als in der Stadt.“ „Im Sommer sitzen wir draußen zusammen und grillen, jetzt treffen wir uns halt drinnen und trinken Glühwein“, fügt Beate Schnelle hinzu. „Außerdem ist es einfach unglaublich schön, morgens die Rollladen hochzuziehen und die wunderschöne Schneelandschaft anzusehen. Kaninchen und Fuchs sagen uns hier Guten Morgen.“
Weiter geht’s für Heinz-Wilhelm Terstegen, immer schön vorsichtig. „Wenn schon die Kommunen kein Streusalz mehr haben, woher soll ich dann welches bekommen?“, fragt er schmunzelnd. Seine Camper sehen das auch alles nicht so eng. „Da passt man halt auf“, sagt Uwe Leliveldt, bei dem Terstegen als nächstes vorbeischaut. „Das ist ja gerade das Schöne hier, dass man frei ist und nicht – wie in der Stadt – bis morgens um 7 Uhr alles geräumt haben muss. Hier kann der Schnee liegen bleiben.“
Eigentlich sei er gar kein Fan von Camping im Schnee, gibt der 52-jährige Duisburger zu. Doch der Schreiner hat Urlaub und möchte die Zeit nutzen, um mal aus dem Alltag rauszukommen und durchzuatmen. Auf seiner Parzelle hat Leliveldt es sich richtig schön eingerichtet – alles selbst gemacht, versteht sich. Ein wenig räumt er dann doch noch den Schnee vor seiner Tür, bevor er es sich mit Kaffee und Musik wieder in seinem Häuschen gemütlich macht.
Urlaub direkt vor der Haustür
Einige Meter weiter, Am Ende 13 – Die Camper haben den Wegen und Parzellen selbst ausgedachte Straßennamen und Hausnummern gegeben – kommt Uwe Ehren aus seiner Hütte, als er Heinz-Wilhelm Terstegen kommen sieht. „Ich wollte eben einen guten Rutsch wünschen“, sagt der 53-jährige Schermbecker. Ehren wohnt am Bösenberg und hat dort keinen Garten. „Deshalb haben wir hier die Parzelle, da hat man Urlaub im Grünen direkt vor der Haustür.“ Urlaub im Weißen ist es derzeit, aber das stört den Camper nicht.
Mit seiner Frau hat er Weihnachten hier verbracht und möchte auch über Silvester bleiben. „Am Montag müssen wir dann wieder arbeiten, dann hat uns der Alltag wieder. Aber bis dahin nutzen wir jeden Moment hier. Das ist unsere kleine Insel, ob die nun mit Schnee bedeckt ist oder nicht, das ist egal.“
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