Junge bringen Älteren was bei
21.01.2011 | 15:23 Uhr 2011-01-21T15:23:00+0100
Wesel.„Your homework, please.“ Diesen Satz kennen die Freundinnen Sabrina Schneider, Raphaela Wittich und Freya Wiebeck nur zu gut. Regelmäßig hören sie ihn im Englisch-Unterricht, und sie wissen: Dann heißt es Hefte rausholen und Hausaufgaben vorlegen. Bald aber werden die drei Zehntklässlerinnen der Realschule Wesel-Mitte diesen Satz nicht mehr nur hören, sondern selbst sagen. Freya, Sabrina und Raphaela versuchen sich nämlich einmal selbst als Lehrerinnen. Sie bieten einen Englischkurs im Mehrgenerationenhaus an.
„Englisch für Urlauber von Jung für Älter“ heißt der Einsteiger-Kurs, der aber auch für Leute gedacht ist, die keinen Urlaub in einem englischsprachigen Land planen, stellt die 15-jährige Freya klar. „Unser Kurs ist für alle, die Lust haben, englische Grundkenntnisse zu erlernen, mit denen man anschließend im Urlaub zurechtkommen würde“, erklärt sie. Besonders seien ältere Menschen eingeladen, die in der Schule keinen Englisch-Unterricht hatten und nun Lust haben, etwas Neues kennen zu lernen.
Wie kommen drei junge Mädchen auf die Idee, älteren Menschen Sprachunterricht zu geben? „In der Schule haben wir das Thema „Generationen“ behandelt und das Mehrgenerationenhaus besucht“, erklärt Raphaela (15), wie das Ganze zustande kam. Dort berichtete Projektkoordinatorin Ilka Mainka von Jugendlichen, die Angebote für Ältere in der Einrichtung auf die Beine stellen und fragte, ob jemand aus der Klasse möglicherweise auch Interesse habe. „Und das hatten wir“, sagt Sabrina. Die 16-Jährige kam sofort auf den Gedanken, Englisch anzubieten. „Ganz einfach, weil ich die Sprache selbst total klasse finde.“ „Das bot sich außerdem an, weil ja viele ältere Menschen in der Schule noch keinen Englisch-Unterricht hatten“, fügt Freya hinzu. Für sie und Raphaela ist es übrigens nicht ganz neu, auf der „Lehrerseite“ zu stehen. In der Schule sind die beiden Freundinnen in der Hausaufgabenhilfe tätig und unterstützen Schüler der unteren Jahrgangsstufen.
Mit Senioren gearbeitet haben die drei Mädchen zwar noch nicht, Berührungsängste haben sie da aber überhaupt nicht, wie Sabrina betont. „Ältere Menschen können uns so vieles beibringen. Wir finden es total spannend, als junge Menschen ihnen einmal etwas mitgeben zu können.“
Die Freundinnen haben bereits angefangen, ihren Kurs zu planen und so lange recherchiert und gesucht, bis sie ein für Anfänger geeignetes Übungsbuch gefunden haben, das nicht kindlich aufgemacht ist. Daraus möchten sie sich Aufgaben und Übungen abgucken. „Ansonsten werden wir aber erstmal sehen, wer in der ersten Stunde alles kommt, und was für mögliche Vorkenntnisse die Leute haben“, erklärt Freya.
Gespannt, was es für ein Gefühl sein wird, einmal nicht Schüler, sondern Lehrer zu sein, sind die Freundinnen, wirklich nervös aber nicht. „Wir werden vorbereitet da reingehen, da kann gar nichts schiefgehen“, ist Freya überzeugt, und Sabrina sagt: „Wenn tatsächlich mal eine von uns nicht mehr weiter weiß, sind die anderen beiden ja auch noch da.“
Jetzt hoffen Sabrina, Freya und Raphaela, dass viele Leute ihr Angebot wahrnehmen. Es gibt noch freie Plätze.
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