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Familienbildung

In 30 Jahren 90.000 Menschen erreicht

16.01.2012 | 22:00 Uhr
In 30 Jahren 90.000 Menschen erreicht
Meike Nienhaus, Leiterin der Awo-Familienbildungsstätte Wesel.

Kreis Wesel. Die Awo-Familienbildungsstätte besteht sei 1982. Interessierte können nun auch einen „Großeltern-Führerschein“ erwerben.

„Früher gab’s nur eine Windelart, und das ging auch.“ Sagt die Großmutter, die sich Jahrzehnte später beim Einkauf für das Enkelkind einem schier unerschöpflichen Windel-Angebot gegenüber sieht. Doch welcher Wickel zu welchem Preis passt welchem Kind? Auch um diese wesentliche Alltagsfrage geht es bei einem neuen Angebot der Familienbildungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Kreis Wesel. Oma und Opa können hier einen „Großeltern-Führerschein“ erlangen. Er ist eins von rund 400 Kurs- und Veranstaltungsangeboten im neuen Programmheft 2012, das für die Familienbildungsstätte am Kaiserring ein besonderes Jahr wird: Sie besteht seit 30 Jahren.

Ein Führerschein für Großeltern- muss das sein? Ob mit 50 oder 65 - „zunehmend sagen sich viele von ihnen: ,Jetzt habe ich Zeit und kann mich ganz bewusst mit meinem Enkelkind befassen’“, schildert Meike Nienhaus. Doch die Erfahrungen, die sie selbst als Eltern machten, so die Leiterin der Familienbildungsstätte, liegen oft lange zurück und es stellten sich Fragen wie „Welcher Kindersitz ist der richtige? Wie durchschaue ich das ganze Windel- und Wickelsystem? Was bedeutet eine kindgerechte Ernährung?“ Der Großeltern-Führerschein hege keinen Zweifel an Kompetenzen, „wir wollen Großeltern viel mehr ermutigen, auf die Eltern zuzugehen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und die Bindung zum Kind zu fördern“, sagt Nienhaus.

Die 38-Jährige leitet seit Mitte 1997 die Awo-Familienbildungsstätte. Von den 400 Angeboten im Veranstaltungsprogramm für dieses Jahr werden, so Nienhaus, erfahrungsgemäß rund 250 umgesetzt. Reisen und Veranstaltungen mit anderen Partnern hinzugezählt, „kommen wir in 30 Jahren auf mindestens 10 000 Angebote“. Und: „In 30 Jahren haben wir rund 90 000 Menschen erreicht.“

Leitfaden für richtiges Handeln

Neben klassischen Angeboten wie Pekip und Babyclub habe die Einrichtung stets versucht, gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen. Etwa Vater-Kind-Angebote, „das war das erste, was ich als Leiterin auf die Wege brachte“. Oder eine „Eltern-Kind-Gruppe für Regenbogenfamilien“, für lesbische und schwule Eltern.

Welche Veränderungen sind Meike Nienhaus in den vergangenen 15 Jahren aufgefallen? „Eltern wollen immer mehr alles sofort richtig machen.“ Darin drücke sich das Bedürfnis nach einer Art Leitfaden für richtiges Handeln aus. „Ich sage dann: Das geht nicht. Kinder groß ziehen ist so vielfältig wie das eigene Leben.“

Die Awo-Familienbildungsstätte, in der sich fünf Mitarbeiter zwei Stellen teilen, ist anerkannte Einrichtung der Weiterbildung des Landes NRW. Rund 90 000 Euro gibt’s jährlich vom Land, der große Rest des 250 000-Euro-Haushaltes setzt sich aus Teilnehmer-Beiträgen, Awo-Mitteln und Spenden zusammen.

Ein zentrales Fest zum 30-jährigen Bestehen wird es nicht geben, so Meike Nienhaus. Eher kleinere Feiern für die Kursteilnehmer. Getreu dem Prinzip, dem sich die Awo-Familienbildungsstätte verschrieben hat: „Damit sich Menschen in gleichen Lebenssituationen kennenlernen und austauschen können.“

Susanne Storck


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