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Kirchenmusik

Gefühl bis in die höchsten Töne

26.09.2010 | 17:10 Uhr

Wesel.In der langen Nacht der Orgel und der Chöre strömten viele Menschen in den Dom und in zwei Kirchen. Hier gab es in Töne gefasste Gefühle in den höchsten Tönen.

Im Willibrordi-Dom liegt ein Geheimnis. Meistens versteckt hinter zwei weißen Vorhängen in der hinteren Ecke der spätgotischen Basilika. Dann sieht es aus wie ein Beichtstuhl. Ein solcher ist in einer evangelischen Kirche jedoch unüblich. In der langen Nacht der Orgel wird das Geheimnis regelmäßig gelüftet: Hinter den geöffneten Vorhängen kommt eine Küche hervor. Sie ist ein ziemlich überraschendes Detail in der neunten Kulturnacht.

Kaffeemaschinen, Geschirrschränke und eine Spülmaschine gehören seit drei Jahren genauso wie die Orgeln zum festen Programm. Bei Wein, Kaffee und Tee, Schnittchen und Knabbergebäck wird die hintere Ecke des Doms zum Treffpunkt. An Stehtischen unterhalten sich die Besucher. Es wird gelacht.

„Das Geschäft läuft gut“, bestätigt Helga Kindsvater. Ein seltener Satz in einer Kirche. Die Schatzmeisterin des Förderkreises für Weseler Dommusik freut sich über den Andrang. Noch glücklicher ist sie allerdings, wenn die Menschen vom weißen Stehtisch in die Kirchenbank gehen und Ansgar Schlei zuhören. Der Kantor am Willibrordi-Dom spielt gerade die Fanfare D-Dur von Nicolas Jacques Lemmens.

Neun Chöre musizieren

Die Menschen wärmen sich an einer dampfenden Tasse Kaffee und besteigen den Turm des Willibrordi-Doms. Nach oben dringen noch die Töne des Synodalen Bläserkreises. Rummelig wird es durch das ständige Kommen und Gehen nicht. „Das ist der Trend der Zeit“, findet Helga Kindsvater. In der Basilika steckt in dieser Nacht Leben.

Dies ist der St. Martini-Kirche bereits von außen anzusehen. Warmes Licht dringt durch die bunten Fenster in die Kälte. Innen gibt es dann ein besonderes „Dolby-Surround-Klangerlebnis“: Neun Chöre stehen sich gegenüber, dazwischen quetschen sich die vielen Zuhörer in die Kirchenbänke.

In der Nacht der Chöre gibt es keine Ansagen, nur die Stimmen und Applaus. Für Inga Schulz aus dem Spellener Jugendchor St. Peter beispielsweise. Ihr Solo in „Beautiful“ von Linda Perry bewegt die Zuhörer.

Zur „zweiten Halbzeit“ zieht der Tross der Chöre über den Kornmarkt zu St. Mariä Himmelfahrt. Barbara Hochgürtel und Willem Winschuh müssen sich auch hier ihren Weg durch die Besuchermassen bahnen. Die beiden Chorleiter haben mit ihrer Konzeption „Wechselnde Pfade – Schatten und Licht“ wieder den Hör-Nerv der Besucher getroffen.

Niklas Preuten

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