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Gans schön verwirrend

06.11.2007 | 18:37 Uhr

GEFLÜGEL. Jürgen Isselhorst fühlt sich unfair behandelt, Helmut Bung hatte Glück: In Wesel gilt plötzlich wieder Stallpflicht, in Schermbeck nicht. Beim Veterinäramt kann man den Unmut verstehen.

KREIS WESEL. "Das kann gar nicht sein", dachte Jürgen Isselhorst aus Brünen, als er davon las. "Glück gehabt", war dagegen die Reaktion von Helmut Bung in Gahlen. Seit 1. November müssen Hühner, Gänse, Enten und ihre gefiederten Verwandten wieder in den Stall - in Wesel, Hamminkeln und Hünxe, nicht aber in Schermbeck.

Jürgen Isselhorst fühlt sich ungerecht behandelt: "Die Grenzaufteilung ist nicht nachvollziehbar", sagt er. "Der Kot der Wildvögel fällt doch auch in Schermbeck herunter." Dr. Antonius Dicke, Leiter des Fachbereichs Veterinärwesen im Kreis Wesel, versteht den Unmut. "Die Grenzziehung ist immer kritisch", sagt er. "Unsere Sympathie ist mit den Hühnern, aber irgendwo muss man aktiv werden."

Warum so kurzfristig? Dr. Antonius Dicke erklärt: "Der kurze Vorlauf ist ein Problem, wir finden das genauso unglücklich." Allerdings: "Die alte Verordnung zur Geflügelpest lief Ende Oktober aus, erst am 19. Oktober hat der Bund eine neue Verordnung erlassen."

"Wir können nicht

alle anschreiben"

Jürgen Isselhorst erfuhr von den Vorgaben aus der Zeitung. "Ich zweifle stark daran, dass das bindend ist." Ist es, sagt Dr. Antonius Dicke. "Wir können nicht alle einzeln anschreiben." Rund 1700 Geflügelhalter sind dem Kreis derzeit gemeldet. "Wenn die Bundesregierung ein Tempo-Limit einführen würde, könnte sie ja auch nicht jeden Autofahrer informieren."

In Brünen ärgert man sich dennoch. Die letzten Male seien die Leute vom Amt sogar vorbei gekommen und hätten beraten, wie am besten mit der Situation umzugehen sei. So baute Jürgen Isselhorst in der Vergangenheit provisorische Ställe für seine 25 Gänse und 100 Enten. Dafür reichte die Zeit diesmal nicht. Mehr schlecht als recht hat der Besitzer das Gehege mit einer Plane abgedeckt. Helmut Bung in Gahlen hat dagegen gut lachen: Seine Gänse und Hühner dürfen weiterhin draußen herumspazieren.

Sowohl für Helmut Bung als auch für Jürgen Isselhorst ist die Geflügelzucht nur ein Hobby. Ein Hobby, das letzterer vielleicht bald aufgeben wird. "Man muss die Tiere ja auch verkaufen können", sagt Isselhorst. Für das Kilo Gans nimmt er derzeit 7,20 Euro. Wenn die Haltung aufwändiger wird, muss er das auf die Kunden umlegen. "Dann holen sich die Leute billigere Gänse."

Überhaupt: "Ob die Gänse im Stall noch glücklich sind?" Beim Veterinäramt kennt man die Sorgen der Züchter und nimmt sie ernst. "Wir würden die Tiere gerne so früh wie möglich wieder rauslassen", sagt Dr. Antonius Dicke. Das Veterinäramt nimmt ständig Proben des Kots von Wildvögeln. "Wenn die Proben alle negativ sind, können wir die Stallpflicht vielleicht schon vor dem 31. März aufheben."

HELEN SIBUM



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