Endgültig angekommen
04.02.2010 | 19:00 Uhr 2010-02-04T19:00:00+0100Hamminkeln. Die Heimat und die eigenen Wurzeln komplett hinter sich lassen, einfach nur flüchten und irgendwo in einem fremden Land noch einmal ganz von vorn anfangen. Ein großer Schritt, der das Leben mit einem Mal völlig auf den Kopf stellt.
Neda Khatonabadi und ihr Mann Farhood Shamohammadi sind ihn gegangen. 1996 beantragte das Ehepaar aus dem Iran aus politischen Gründen Asyl in Deutschland und kam nach Hamminkeln. 14 Jahre später sind die beiden nun endgültig angekommen. Die Eheleute sind jetzt Deutsche. Bei einer Feier im Kreishaus erhielten sie und 46 andere Männer und Frauen ihre Einbürgerungsurkunden.
Es war ein langer Weg, den die 33-jährige Neda Khatonabadi und ihr 41-jähriger Mann gegangen sind – von der Ankunft in Hamminkeln bis hin zu dem Tag, an dem sie ihren deutschen Ausweis zum ersten Mal in Händen halten konnten. „Die erste Hürde, die wir nehmen mussten, war natürlich die Sprache”, erinnert sich die Hamminkelnerin. In Ringenberg belegten Neda Khatonabadi und Farhood Shamohammadi einen von der katholischen Gemeinde angebotenen Sprachkurs und lernten dort viel mehr kennen als nur die ersten deutschen Wörter. „Da haben wir Josefa Sonders zum ersten Mal getroffen”, erzählt Neda. Eine Begegnung, die das Leben des iranischen Ehepaares in ihrem neuen Zuhause geprägt hat.
Unterstützung und liebe Worte
Denn Josefa Sonders und ihr Mann Paul sind seither ein fester Anker für Neda Khatonabadi und Farhood Shamohammadi. „Besonders in der Anfangszeit war das unglaublich wichtig und hilfreich für uns”, sagt der 41-Jährige. „Durch sie haben wir uns von Anfang an wohl und willkommen gefühlt.” Ob Behördengänge, Arztbesuche oder einfach mal ein paar liebe Worte – Paul und Josefa Sonders standen dem aus dem Iran stammenden Paar bei allen Schritten zur Seite.
Dank der Hilfe ihrer Freunde, aber auch dank ihres eigenen Elans ist es Neda Khatonabadi und Farhood Shamohammadi schnell gelungen, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen. Nachdem er ein wenig Deutsch gelernt hatte, fand Farhood sofort Arbeit in einer Alpener Textilaufbereitungsfirma, wo er zehn Jahre lang arbeitete. Neda wurde schwanger und bekam Tochter Melina, kurz nachdem die beiden aus dem Wohncontainer für Asylanten in ihre erste Wohnung gezogen waren.
Abitur und Studium
Als Melina ein Jahr alt war, entschied sich Neda, noch einmal zur Schule zu gehen. Ihr persisches Abitur wurde in Deutschland nicht anerkannt, und so besuchte die 33-Jährige die Abendschule am Weseler Andreas-Vesalius-Gymnasium, wiederholte die gesamte Oberstufe und bestand 2002 ihr deutsches Abitur mit einem Notendurchschnitt von 2,1. Anschließend studierte Neda in Düsseldorf Zahnmedizin, in der kommenden Woche steht ihre Examensprüfung an. Farhood betreibt seit 2007 seine eigene kleine Pizzeria in Bocholt.
48 Männer und Frauen wurden in dieser Woche im Kreishaus eingebürgert. Neun von ihnen leben in Hamminkeln, zwei in Hünxe, 20 in Kamp-Lintfort, sechs in Neukirchen-Vluyn, zwei in Rheinberg, sechs in Voerde und zwei in Xanten. Die meisten von ihnen – nämlich 23 – stammen aus der Türkei. Es sind aber auch Menschen aus China, Rumänien, Serbien, Österreich, Kasachstan, Nigeria, Ungarn, Italien und vielen anderen Ländern dabei.
„Wir haben den Schritt nie bereut”, sagt Neda Khatonabadi ganz deutlich. „Es war und ist ein beruhigendes und sicheres Gefühl, nicht mehr im Iran zu sein, und in Hamminkeln fühlen wir uns zu Hause.” In die alte Heimat sind die 33-Jährige und ihr Mann seither nie wieder zurückgekehrt.
Mit ihrer Einbürgerung, die mit langem Warten, vielen Behördengängen, noch mehr Papierkram und einem Sprachtest für Farhood verbunden war, ist die Familie nun tatsächlich angekommen. Durch den deutschen Pass ändert sich für sie im Alltag gar nicht viel. „Aber es ist ein tolles Gefühl, und das Reisen wird nun viel einfacher”, sagt Neda. Ihre und Farhoods Familien leben in den USA, bei bisherigen Besuchen musste das Paar immer Visa beantragen. Nach ihrem Examen möchten Neda, Farhood und ihre Melina, die mittlerweile elf Jahre alt ist, zum nächsten Mal in die Staaten fliegen – und diesmal soll Familie Sonders mitkommen.
„Ich habe mich oft gefragt, wieso wir ausgerechnet in Hamminkeln gelandet sind”, sagt Neda. „Irgendwann wurde mir die Antwort klar: Ich musste Josefa und Paul Sonders treffen. Das ist eine Verbindung fürs Leben.”
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