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Local Heroes

Eine Stadt im Helden-Fieber

26.09.2010 | 16:34 Uhr
Eine Stadt im Helden-Fieber
In der Kulturnacht war auch die Installation „Madonnen über Tage - Gruppenbild“ von der Künstlerin Britta L.QL zu sehen. Foto: Gerd Hermann

Wesel.Die neunte Kulturnacht krönte die Local-Heroes-Woche. Die hiesige Kulturszene stellte ein zauberhaftes, abwechslungsreiches und phantasievolles Programm auf die Beine.

Der ursprüngliche Zweck der Zitadelle bestand in der Verteidigung der preußischen Festung am Rhein. Eingeschlossen hinter dicken Mauern, beschützt von schweren Geschossen, verschwand das einst so gastfreundliche Wesel hinter seiner Militärgeschichte. In der neunten Kulturnacht spielten Preußen und seine Gloria keine Rolle. Als krönender Abschluss der „Local-Heroes“-Woche präsentierte sich die Hansestadt von der besten Seite. Die Zitadelle erstrahlte in einer sternenklaren Nacht heller denn je und war eine ebenso perfekte wie widersprüchliche Kulisse der Weseler Kulturszene.

Da ließen sich die Bürger der Stadt nicht lange bitten. In Scharen strömten sie zum kulturellen Zentrum dieser Nacht, um ihre lokalen Helden zu sehen. Die hatten ein Programm auf die Beine ge-stellt, das ebenso bunt ge-mischt war wie das Publikum.

Es duftet nach Stockbrot

Vor dem Haupttor der Zitadelle lodert ein Feuer: Wärme in der empfindlich kühlen Nacht, der sich vor allem die jüngsten Besucher nicht entziehen können. Herrlicher Duft nach frischem Stockbrot weist den Weg zur Alten Baeckerey und dem dort beheimateten Stadtarchiv. Nur wenige Meter weiter verlangsamt der Markt der Künste die Schritte der Gäste. Skulpturen, Aquarelle, Portraits – zum großen Teil ist es das regionale Kunsthandwerk, das sich vor der preußischen Festung präsentiert.

Auf dem ehemaligen Waffenplatz sammeln sich die Freunde der Pop-Kultur. Die große Bühne samt Videowand ist der Publikumsmagnet der Kulturnacht. Hierhin angezogen wurde auch Dieter Rücker. Der Bonner wippt mit dem Fuß und singt strahlend den Refrain aus Jonny Cashs „Walk the line“ mit. Angetan hat es dem 73-Jährigen die Band „Old Country Folks“. Die lokalen Helden der Country-Musik lockten den Kosmopoliten, der sein Leben in den USA, Frankreich und England verbracht hat, an den Niederrhein.

Die Kulturnacht hat es Dieter Rücker wirklich angetan. Auf dem Markt der Künste und im Atelier Z6 entdeckt er im Lauf des Abends „einige interessante Originale“. Als Preisstifter der polnischen Kunstakademie in Radon hat Rücker ein Auge für individuelle Arbeiten.

Wursttopf und Glühwein

Es ist kalt in dieser Nacht. Doch das schreckt die Weseler und ihre Gäste nicht ab, an der Zitadelle zu verweilen. Möglichkeiten, sich aufzuwärmen, gibt es schließlich genug. Eine Portion Wirsingdurcheinander oder der deftige Wursttopf gehören zu den Favoriten des kulinarischen Angebots. Schlangen bilden sich bereits vor dem Glühweinstand. Im Hintergrund hat das Weseler Trio „Three as One“ die Bühne erklommen. Mehrstimmiger Gesang legt sich über das Areal.

Zufrieden schlendert Kulturdezernent Wolfgang Jung an der Musik- und Kunstschule vorbei. Der kulturschaffende Nachwuchs der Hansestadt zieht die Menge mit Darbietungen verschiedener Bands und Orchester an. Die Aula ist derart voll besetzt, dass selbst die Fensterplätze auf der Straße begehrt sind. „Das ist die beste Kulturnacht, die wir je hatten“, sagt Wolfgang Jung spontan. Das breite Angebot sei ein gutes Abbild des kulturellen Lebens der Stadt.

Im Schatten der preußischen Vergangenheit und im Scheinwerferlicht der Kulturnacht avancierten so Kunstschaffende wie Besucher zu Bürgern der Kulturhauptstadt 2010.

Cai-Simon Preuten

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