Ein Hotel setzt auf Krimis
09.07.2009 | 08:02 Uhr 2009-07-09T08:02:00+0200
Wesel. Das Haus Duden ist zu einem „Bibliotel” umgestaltet worden. Ein Tourismuskonzept für Menschen, die anspruchsvolle Literatur und die damit verbundene Lebenseinstellung schätzen. Zudem sind literarische Themenräume für Wesel geplant.
Lesen entspannt. Lesen bietet die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und in andere Welten abzutauchen. Und Lesen liegt im Trend. Genügend gute Gründe für die Direktorin des Hotels Haus Duden, Nicole Pfitzner, das Lesen auch in ihrem Hotel zu fördern und ihren Gästen eine ganz besondere literarische Atmosphäre zu bieten. Das passende Konzept haben Pfitzner und Thomas Karl vom Brownhouse Management, das das Haus Duden betreibt, in Österreich gefunden: das Bibliotel.
700 Bücher im Bestand
Die Bibliotels, die es schon länger gibt, laufen bestens, sagt Sebastian Mettler: „Hoteliers berichten von einer viel ruhigeren Atmosphäre, die einen Gegenpart zur hektischen Welt darstellt und von der sich die Hotelgäste einfach anstecken lassen.”
Die Innovationswerkstatt Mettler aus Salzburg hat das Konzept der Bibliotels vor etwa vier Jahren entwickelt. „Forscher haben beobachtet, dass immer mehr Leute anspruchsvolle Literatur und die damit verbundene Lebenseinstellung schätzen”, erklärt Sebastian Mettler die Grundidee. „Diesen Menschen möchten wir das passende Tourismuskonzept bieten.”
Auf der Leipziger Buchmesse im März 2008 wurde das Konzept vorgestellt, seither sind 60 Hotels zu Bibliotels geworden. Das Haus Duden war das erste in Deutschland, mittlerweile gibt es ein zweites in Mecklenburg-Vorpommern. Nicole Pfitzner und ihr Team haben Kooperationen geschlossen, unter anderem mit dem Duden-Verlag und der Buchhandlung Gebauer. Rund 700 Bücher haben sie bereits angeschafft, über 1000 sollen es werden. Die „Schmöker” werden im gesamten Haus verteilt. „Um diese ganz besondere Lese-Atmosphäre zu schaffen”, wie Nicole Pfitzner erklärt. Es wurde eine Lese-Ecke eingerichtet, weitere werden folgen. In den Fluren des Hotels wurden Bücherregale aufgehängt, aus denen Gäste sich etwas herausnehmen können. Die Auswahl an Büchern ist bunt gemischt, besonders hat sich das Haus Duden auf Krimis spezialisiert.
Literarische Themenzimmer
Das Team des Hauses Duden hat sich noch einen ganz besonderen Clou einfallen lassen: Nicole Pfitzner und ihre Helfer sind dabei, zehn Zimmer zu Themenzimmern umzugestalten: Vier Räume zu Agatha Christie, Edgar Wallace, Die drei Fragezeichen und John Sinclair sind bereits eingerichtet.
Dabei soll es aber nicht bleiben, wie sich Sebastian Mettler von der Innovationswerkstatt vorstellt. In Salzburg haben er und seine Mitarbeiter Themenräume geschaffen, die Menschen animieren sollen, sich ein Buch zu kaufen und dieses genau an einem thematisch passenden Ort zu lesen, wie etwa ein Buch über Wilderei auf einem Hochsitz. Etwas Ähnliches möchte Mettler auch in Wesel schaffen. „Diese Stadt ist für Literatur einfach prädestiniert. Sie muss mit Konrad Duden werben und Gäste locken, das liegt auf der Hand”, sagt Mettler. Erste Gespräche mit Thomas Brocker und Wolfgang Jung haben er, Nicole Pfitzner und Thomas Karl bereits geführt. „Ein literarisches Flair in der gesamten Stadt – damit kann Wesel sich abgrenzen und etwas Besonderes bieten.”
0mitdiskutieren