Bücher aus der Telefonzelle
08.12.2008 | 18:20 Uhr 2008-12-08T18:20:00+0100Die Brüner Landfrauen haben ihr neuestes Projekt in die Tat umgesetzt. Auf dem Marktplatz können sich jetzt die Leser bedienen. Doch nicht nur ausleihen, sondern auch auffüllen ist erwünscht.
Ein großes Paket mit einer dicken roten Schleife stand auf dem Brüner Marktplatz. Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk? Nein, in dem Paket befand sich Brünens neue Bücherei: eine alte Telefonzelle, umgestaltet zur Büchertausch- und -leihzentrale.
Die Idee zu diesem mehr als ungewöhnlichen Projekt hatten die Landfrauen, die ihrem Dorf endlich eine neue Bücherei zukommen lassen wollten.
„Ich will nicht so vermessen sein zu behaupten, die Idee käme von mir”, meinte Anneliese Hecheltjen von den Landfrauen bescheiden. „Ich habe nämlich eine solche umgestaltete Telefonzelle in Bonn gesehen - da war sie allerdings ein teures Kunstobjekt.”
Kleine Einweihung
Die anfangs vage Idee wurde schnell umgesetzt. Mit Hilfe des Bürgermeisters bekamen die Landfrauen ihre Telefonzelle. Einige Kinder und Jugendliche bemalten sie akribisch mit verschiedenen Motiven (die NRZ berichtete). Am Sonntag wurde die „Mini-Bücherei” endlich offiziell eingeweiht. Bürgermeister Holger Schlierf durfte mit den Worten: „Das ist eine geniale Idee” das Geschenkpapier aufreißen und dem freudig erstaunten Brüner Publikum das Novum präsentieren.
„Wir wollen damit erreichen, dass jeder ohne Einschränkung ein Buch nehmen und lesen kann. Wenn er mag, kann er dafür ein anderes bringen oder das gelesene wieder zurückstellen. Es gibt keinen Ausweis und auch keine Gebühren”, erklärte Anneliese Hecheltjen das Rotationssystem der „Brüner Bücherkiste”, wie die Telefonzelle seit ihrer Einweihung heißt.
Und was ist mit der Angst vor Bücherdieben? „Klar gibt es immer irgendwo kriminelle Energien, aber damit rechnen wir nicht”, so Anneliese Hecheltjen. Vielmehr rechnen die eifrigen Landfrauen mit großer Resonanz und der neu erweckten Lust am Lesen. „Wer nachts mal nicht schlafen kann und Lust auf ein gutes Buch hat, kann hier vorbeikommen”, sagte sie und gab dann die Bücherkiste frei. Auf dass die lesefreudigen Brüner sie mit gespendeten Büchern füllen.
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