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Aus für die Sammlung Abresch

17.07.2008 | 18:38 Uhr
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GESCHICHTE. Exponate zur Nachkriegszeit im Keller des Preußen-Museums weichen einem neuen Konzept. Kündigung erfolgte bereits im März.

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehört. Denn auch diese Exponate müssen weichen. (Foto: Markus Weißenfels)SO WAR'S UND SO GEHT'S WEITER

WESEL. Die Ausstellungsstücke des ehemaligen Dompfarrers Werner Abresch zur Nachkriegszeit im Kellergeschoss des Preußen-Museums sind nur noch wenige Tage zu sehen. Dann verschwinden die Exponate, die auf der Homepage des Hauses als "in Deutschland einzigartige Sammlung" bezeichnet werden. Der Grund: Abreschs Vertrag wurde zum 18. September gekündigt, weil der Stiftungsrat des Preußen-Museums Nordrhein-Westfalen an dieser Stelle eine Neukonzeption vornimmt. Titel der künftigen Abteilung: Von Preußen nach Nordrhein-Westfalen.

Während Werner Abresch die Enttäuschung deutlich anzumerken ist, überwiegt bei Museumsdirektor Dr. Veit Veltzke die Verwunderung. Er habe die Kündigung im Auftrag des Stiftungsrats vollzogen. "Freundlicher und verbindlicher hätte man das nicht machen können", sagt er. Und schließlich habe man Abresch eingeladen, um zu einem neuen Vertragsabschluss zu kommen, wenn Teile der Sammlung übernommen würden. Der Sammler selbst denkt nicht daran, die Gesprächsangebote anzunehmen. Zu sehr hat ihn die plötzliche Kündigung per Einschreiben mit Rückschein getroffen, zumal er fast täglich im Preußen-Museum gewesen sei und von Veltzke nie ein Wort von den bevorstehenden Veränderungen gehört habe. Ein Auseinanderreißen der Objekte kommt für Abresch nicht in Frage. Er hätte die Sammlung gern in Wesel belassen, zumal die vom Krieg gebeutelte Stadt besonders mit dem Thema verbunden ist. Nun stehe er aber in Verhandlungen mit anderen Häusern.

Abresch stellte klar, dass es ihm nicht darum gehe, eine Kampagne loszutreten. Aber er sehe es als seine Pflicht an, die Menschen über die Situation zu informieren. Diejenigen, die bereits davon erfahren hätten, hätten sich sehr erschrocken und bestürzt über das Vorgehen seitens des Museums gezeigt. Sein Verhältnis zu Veltzke bezeichnete er als "problematisch". Vieles sei sehr mühsam gewesen und an die Substanz gegangen. "Wenn ich mich nicht der Sache verpflichtet fühlen würde, hätte ich längst hingeschmissen", sagt Abresch verbittert.

Veltzke kann die Entscheidung des Stiftungsrats gut nachvollziehen: "Wir sind ein Preußen-Museum und setzen uns mit historischen und politischen Fragen auseinander. Die neue Ausstellung passt zum Charakter unseres Hauses." Zudem sei es verständlich, dass nach zehn Jahren neue Akzente gesetzt würden. Der Museumschef rechnet mit der neuen Schau im Frühjahr 2009. Sie soll stark an die Emotionen der Besucher appellieren und mit viel Medieneinsatz daherkommen, verrät Veltzke. Geplant seien etwa Fernsehsendungen aus den 50er und 60er Jahren. Bis dahin gebe es Sonderpräsentationen vom Haus der Geschichte in Bonn. Mit ihm sei man eine Kooperation eingegangen und werde voraussichtlich ab Ende November die Ausstellung "Lili Marleen" zeigen. Auch Dauerleihgaben seien eingeplant.

Veltzke betonte im Gespräch mit der NRZ, dass er nicht den kompletten Bruch mit Abresch gewollt habe. Dass er dereinst selbst dafür sorgte, die Schau im unteren Museumsbereich anzusiedeln, habe auch damit zusammengehangen, dass das Haus damals noch nicht über so viele Exponate verfügte. Zudem sei die Abresch-Ausstellung hochinteressant, nur dem Hauptauftrag entspreche sie nicht so ganz.

Am Rande hat auch Bürgermeisterin Ulrike Westkamp von der Entwicklung gehört. Sie sagte: "Wenn wir ein städtisches Museum hätten, würde das ideal passen." Doch ein entsprechendes Gebäude gibt es nun mal nicht.Der Stiftungsrat des Preußen-Museums hat die Entscheidung im Januar einstimmig gefasst. Auch CDU-Ratsherr Volker Haubitz und CDU-Kreistagsmitglied Heinrich Henrichs votierten mit. Da in Minden kein Platz sei, habe man "leider Gottes den Vertrag kündigen müssen", so Haubitz. Sein Stellvertreter Norbert Meesters, gleichzeitig Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Stadtmarketing, erfuhr erst gestern von der Veränderung und zeigte sich sehr erstaunt. Er möchte nach den Ferien einen Termin mit Kulturdezernent Wolfgang Jung, der als Geschäftsführer der Stiftung von der Entwicklung wusste, sowie mit Haubitz und Abresch absprechen. Dabei soll nach Möglichkeit eine Lösung für die Sammlung gefunden werden.

PETRA HERZOG

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