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Karneval

Airbus-Schmiede in Loikum

02.02.2010 | 05:00 Uhr
Airbus-Schmiede in Loikum

Hamminkeln. Ein Besuch in der Airbus-Werkshalle in Loikum lässt direkt erkennen, warum deutsche Ingenieure in der Welt einen guten Ruf genießen. Man sieht: Hier geht's voran! Die Flügel am Rumpf des A 320 fehlen zwar noch, aber das Schweißgerät knistert, Metall wird zurechtgeflext, Lack aufgetragen.

Und dabei immer schön locker bleiben; ein bisschen Musik hören und auch mal in die Kiste Bier greifen, die in der Ecke steht. In der Scheune des Hofes Overkamp rüstet sich das Airbus-„Subunternehmen” Humpenpumpen (eine Clique von etwa zwei Dutzend jungen Hamminkelnern) für den Dingdener Straßenkarneval und bastelt am Umzugswagen. Auf dem steht diesmal ein maßstabsgetreues Flugzeug im Mittelpunkt.

„Es ist wohl unsere bisher aufwändigste Arbeit”, sind sich Frank Tenhagen und Christian Overkamp einig. Schon mehrmals haben die Leute von „Humpenpumpen” einen Umzugswagen gestaltet. Der Unterbau bleibt derselbe und bietet Stauraum für Kamelle und Co. Ein alter 70er-Jahre-Traktor wird ihn ziehen. Darüber hinaus sind „special effects” die besondere Vorliebe der jecken Flugzeugbauer.

Hydraulik-Zylinder und Bierfässer

Maschinenbau-Ingenieur Carsten Terhorst, früher „in echt” bei Airbus tätig, schraubt am Hydraulik-Zylinder, der später die Nase des Flugzeugs hochstemmen und das Abheben simulieren soll. Als ihre Turbinen werden gewöhnliche Haushaltsventilatoren rotieren, und als Teile dieses Antriebs dürfen auch unverkleidete kleine Bierfässer rausgucken. „Damit man sieht, dass unser Werk nicht nur aus Spezialteilen, sondern vielen ganz gewöhnlichen Teilen besteht”, sagt Frank Tenhagen.

Info
Fakten und Zahlen

Lautsprecherboxen im Tower, aus denen unter anderem Turbinen-Sound kommen soll, werden um 15 Grad nach oben abgeschrägt eingebaut, damit es nicht zu laut wird. Die Spannweite des Fliegers soll 3,50 Meter betragen. Grund: Das Scheunentor ist nur 3,60 Meter breit.

Viel Knowhow hat die „Crew”, zu der auch fünf fachkundige Elektriker gehören, dennoch. „SPS nennt sich dieser Kasten”, erklärt Erik Enk: „Speicherprogrammierbare Steuerung.” Die kontrolliert später die Leuchten der Landebahn.

Die passenden Kostüme gehören natürlich auch dazu – wie bei Carsten Terhorsts Junggesellenabschied im Piloten-Look, was „Humpenpumpen” auch auf die Idee für den Wagen brachte. „Vielleicht werden wir noch eine kleine Performance einstudieren”, überlegen die Jungs. Eine befreundete Stewardess wird ihnen sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Jury des Dingdener Elferrates wird sich den Wagen gern genauer ansehen. Vor zwei Jahren war einer mit einem Riesenrad-Motiv von Humpenpumpen Preissieger. Der harte Winter hat die „Produktion” in Loikum übrigens nicht wesentlich eingeschränkt. „Hier drinnen ist uns schon einmal das Bier eingefroren”, sagt Frank Tenhagen – der Ingenieurseifer nicht.

Christian Consten

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