Das aktuelle Wetter Siegen 14°C
Wild

Wölfe haben auch das Siegerland im Blick

30.11.2012 | 17:00 Uhr
Wölfe haben auch das Siegerland im Blick
Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt.

Siegen.   Wölfe streiften früher durch alle deutschen Wälder. Der Mensch rottete den Wolf durch intensive Jagd aus. Seit 1850 war Deutschland quasi wolfsfrei – bis im Jahr 1995 wieder der erste Grauwolf in der Lausitz gesichtet wurde und auch blieb.

Der Wolf wanderte einst aus Polen ein. Heute leben in Deutschland 19 Rudel beziehungsweise Paare und vier Einzelwölfe. Auch die Siegerländer Wälder eignen sich als Streifgebiet, das hat Dr. Julia Eggermann, Wildbiologin an der Universität Siegen, herausgefunden. Die Biologin hat ein Modell entwickelt, das aufgrund des Nahrungsangebots und der Straßendichte eine Ansiedlung wahrscheinlich macht oder eben auch nicht.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Wolf bald auch im Siegerland gesichtet wird?

Das ist sehr wahrscheinlich. Schließlich lebte bis vor kurzem gar nicht weit ein Wolf im Westerwald, der aber im Frühjahr dieses Jahres erschossen wurde. Laut meinem Modell wäre das Siegerland ein gutes Streifgebiet für Wölfe. Hier, wie auch im gesamten Südwesten, gäbe es genügend Nahrung und auch die Straßendichte ist nicht so hoch. Das sind beides Faktoren, die eine Ansiedlung begünstigen. Der Wolf benötigt nicht unbedingt – wie häufig angenommen – die abgelegene Wildnis im hohen Norden. Das sind sehr anpassungsfähige Tiere. Laut meinem Modell wäre in Deutschland insgesamt Platz für 85 Rudel, je nach Zuschnitt der Streifgebiete wären das bis zu 800 Wölfe. Das allerwichtigste zum Überleben ist allerdings die Akzeptanz beim Menschen.

Wer sind die größten Bedenkenträger?

Landwirte und Jäger. Die einen sorgen sich um ihr Vieh, die anderen um ihre Wildstrecken. Hier zeigt das sächsische Wolfsmanagement, dort leben derzeit 13 Wolfsfamilien, wie man mit beiden Parteien zusammenarbeiten kann.

Wie genau funktioniert das?

In Sachsen ist die Entschädigungszahlungen ganz klar geregelt. Den Viehbesitzern dürfen durch den Wolf keine Einbußen entstehen. Außerdem werden die Landwirte dabei unterstützt, ihre Herden zu schützen mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunde. Die Hunde werden als Welpen in die Herde gegeben und wachsen mit dem Vieh auf. Sie behüten die Herde dann und treffen eigene Entscheidungen. Gegen Wölfe setzen sie sich zur Wehr. Da der Wolf es prinzipiell eher bequem mag, wird er die Herde meiden. Diese Methode ist sehr erfolgreich in der Lausitz. Aber auch die Jäger müssen für eine erfolgreiche Ansiedlung der Wölfe auf jeden Fall mit ins Boot geholt werden. Ohne sie geht es nicht. Untersuchungen in der Lausitz seit den 90er Jahren haben gezeigt, dass sich die Wildstrecken trotz Wölfe nicht verkleinert haben. Wölfe legen bei der Jagd auch einen anderen Fokus auf ihre Beute. Sie reißen meist schwache und jüngere oder alte Tiere. Jedoch könnte das Wild im Wald scheuer werden.

Kann der Wolf mit Menschen zusammenleben?

Auf jeden Fall. Wölfe wittern den Menschen sehr früh und schlagen gleich einen anderen Weg ein. Deshalb wären zum Beispiel Begegnungen im Wald äußerst selten. Ich selbst bin dafür der beste Beweis: Ich habe erst drei Mal Wölfe gesehen, obwohl ich viele Jahre als Forscherin nur draußen in Wolfsgebieten unterwegs war.

Was war Ihr schönstes Erlebnis mit den Wölfen?

Wir sind als ich in Polen gearbeitet habe, im Spätsommer rausgefahren, um ldas Wolfsgeheul zu imitieren. Wir wollten schauen, wie die Jungwölfe darauf reagieren. Als die Wölfe dann antworteten, da ist mir wirklich ein Schauer über den Rücken gelaufen.

Ilka Wiese



Kommentare
Aus dem Ressort
Siegener AfD-Ratsmitglied legt Mandat nieder
Politik
Die AfD-Fraktion im Rat der Stadt Siegen hat ein weiteres Mitglied verloren. Christian Schmidt legte in der vergangenen Woche sein Mandat nieder. Nach Angaben der Kreispartei aus „beruflichen Gründen.“ Für ihn solle Susanne Dreyer nachrücken, hieß es gestern.
Holger Burckhart bleibt Rektor
Uni
Senat der Universität Siegen schickt Holger Burckhart frühzeitig und ohne Gegenkandidat in die zweite Amtszeit.
Polizei in Siegen schnappt Mann mit falschen Goldringen
Trickbetrüger
Mit falschen Goldringen in Kaugummiautomatenqualität wollte ein Trickbetrüger die Menschen im Siegerland übers Ohr hauen. Seine Opfer sollten die "Schmuckstücke" kaufen oder einen Finderlohn zahlen. Ein 38-Jähriger durchschaute diese Betrugsmasche und alarmierte die Polizei in Siegen.
Vorerst keine Schließung der Asylunterkünfte in Siegen
Asyl
Sollten im gleichen Maße wie bisher oder mehr Flüchtlinge zugewiesen werden, „wird man über weitere Unterbringungsmöglichkeiten nachdenken müssen“, sagte der zuständige Fachbereichsleiter André Schmidt auf Anfrage unserer Zeitung. Der Sozialausschuss beschäftigt sich in seiner Sitzung am...
Umweltminister Remmel bringt mit Jagdgesetz Jäger in Rage
Landesjagdgesetz
Der jüngst vorgestellte Entwurf eines neuen Jagdgesetztes in NRW bringt die Jägerschaft in Wallung. NRW-Umweltminister Remmel will unter anderem verbieten, dass streunende Katze geschossen werden. Der Landesjagdverband kündigt eine Aussprache in fünf Regionalkonferenzen an.
Fotos und Videos
Gemütliches Gemäuer
Bildgalerie
Schloss Junkernhees
Eng, grün und gemütlich
Bildgalerie
Altstadtfest
Siegen platzt aus allen Nähten
Bildgalerie
Verkaufsoffener Sonntag
Streetbob-Spektakel in Winterberg
Bildgalerie
Streetbob-WM