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Ausbildung und Familie

Eine Chance für zwei junge Mütter

26.06.2012 | 07:00 Uhr
Eine Chance für zwei junge Mütter
Kim-Lena Jünger und Lisa-Maria Brugger sind die ersten Teilzeitauszubildenden bei der Kreisverwaltung

Siegen. Ihre Ausbildung mit der Familie vereinbaren können nun zwei junge Mütter. Lisa-Maria Brugger in Kim-Lena Jünger sind die ersten Teilzeitazubis bei der Kreisverwaltung. Der Kreis betritt mit dem Konzept nicht nur für sich, sondern auch im Arbeitsamtsbezirk Siegen-Wittgenstein/Olpe Neuland. Auf Anfrage habe die Arbeitsagentur nur einen weiteren Arbeitgeber nennen können, der Erfahrungen mit der Teilzeitausbildung hat. Auch die beiden jungen Frauen sind in ihrer Bewerbungsphase oft auf verschlossene Türen gestoßen.

„Es gibt einfach zu viele Vorurteile“, sagt Lisa-Maria Brugger. Die 19-Jährige ist Mutter einer einjährigen Tochter. Nach ihrem Realschulabschluss 2010 hat sie die Handelsschule am Berufskolleg für Wirtschafts- und Verwaltung besucht. „In meinem ersten Lebenslauf habe ich mein Kind nicht erwähnt“, sagt sie. Beim ersten Gespräch in der Firma habe auch alles sehr positiv geklungen. einen Tag später kam die Absage. Dann habe sie ihre Tochter in ihrem Lebenslauf erwähnt und wurde zu keinem Gespräch mehr eingeladen. Gegen 25 Bewerberinnen hat sie sich nun durchgesetzt und beginnt im August ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Eine ähnliche Geschichte erzählt auch Kim-Lena Jünger. Auch die 20-Jährige wurde mehrfach abgelehnt. Dass es Teilzeitausbildungen gibt, erfuhr sie erst beim Kreis.

„Wir müssen nun Dinge tun, die früher nicht üblich waren“, so Landrat Paul Breuer. Der Fachkräftemangel zwinge Arbeitgeber dazu. Mit dem Teilzeit-Konzept wolle man auch eine Vorbildfunktion erfüllen. Die Gleichstellungsbeauftragte Martina Böttcher hatte die Idee und weiß: „Es gibt viele Vorurteile, weil es zu wenig Informationen gibt.“ Sie habe schon von Arbeitgebern gehört, dass sie keine Teilzeitazubis haben wollen, weil sie die Ausbildungszeit nicht verlängern wollen. „Dabei müssen sie das gar nicht“, so Böttcher. Kim-Lena und Lisa-Maria durchlaufen wie alle eine dreijährige Ausbildung. Ihre Schulzeit ändert sich nicht, lediglich der praktische Teil in der Verwaltung wird von 39 auf 30 Stunden pro Woche verkürzt und flexibel angepasst, damit sie für ihre Familie da sein können. „Der administrative Aufwand ist für uns viel geringer, als ich dachte“, sagt der Ausbildungsleiter Axel Ontrup. Ihn habe es allerdings überrascht, das sich nur junge Mütter beworben hätten. Das Teilzeitkonzept sei auch für pflegende Angehörige eine Möglichkeit.

Irmine Skelnik

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