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Sammeln, das Leiden schafft

10.10.2008 | 20:02 Uhr

NATUR. Vor allem an den Wochenenden im Herbst strömen hunderte Menschen in die Wälder, um Kastanien zu suchen. Im Prinzip ist das in Ordnung. Nur langsam wird es den Waldbewohnern zu viel.

Kastanien gibt es in den Wäldern der Region reichlich. Und viele, die sie sammeln wollen. Manchmal zu viele. (Foto: Kunkel)

KREIS WESEL. Kastanienmännchen sind die Galionsfiguren dieser Jahreszeit. Sie gehören dazu wie Drachensteigenlassen und Teetrinken. Nicht nur, weil am Wochenende das Kastanienfest in Rheinberg ansteht, sind die harten Früchte schwer beliebt. Manchmal sogar zu beliebt. Für einige Waldbewohner ist es ein Sammeln, das Leiden schafft.

Ulrich Schmitz ist als Förster für den Schutz von privaten und städtischen Wäldern in Rheinberg und Alpen zuständig. Die meisten davon sind keine Naturschutzgebiete. Das bedeutet, dass sie jeder immer, auch außerhalb der Waldwege, betreten darf. Förster Schmitz hat da auch überhaupt nichts gegen. Das Kastaniensammeln hat aber inzwischen mancherorts ein Ausmaß erreicht, das ihm zunehmend Sorge bereitet.

"Vor allem an den Wochenenden kommen ganze Familien in die Wälder, bewaffnet mit Eimern und Tüten." Das Problem ist nicht - wie man vielleicht meinen könnte -, dass Pflanzen auf dem Waldboden von den Sammlern plattgetreten werden. "Dort, wo neue Bäume gesetzt wurden, stehen sowieso keine Kastanien", sagt Ulrich Schmitz. Das Problem betrifft eher die Waldbewohner. "Der Druck auf das Wild ist enorm gestiegen", sagt der Förster, "die werden dann zu den Straßen getrieben, was natürlich gefährlich sein kann."

Es gibt eine Menge Kastanien in der Region. Auf 500 bis 700 Hektar schätzt Schmitz die Menge allein in seinem Gebiet. Die Bäume wurden vor allem in Privatwäldern angepflanzt, ihr Holz war bei Landwirten beliebt, um daraus Pfähle für Zäune zu machen. Weil so viel Holz aber gar nicht gebraucht wurde, konnten die Kastanien wachsen und alt werden. Und damit jede Menge Früchte tragen. Die Bäume fruktifizieren, so nennt das der Fachmann, ab einem Alter von 20 Jahren. Eine 80 Jahre alte Kastanie trägt entsprechend viele Früchte. In der Leucht stehen Bäume dieser Alters- und Gewichtsklasse.

Christian Pfeifer, Förster in der Leucht, beobachtet einen starken Zuwachs der Kastanien-Sammler seit fünf Jahren. "Viele kommen aus dem Ruhrgebiet hierher", sagt Pfeifer. Auch er hat im Prinzip nichts dagegen. Verwarnen muss er aber gewerbliche Sammler, die Kastanien verkaufen wollen. Und Menschen, die Flaschen und Verpackungen nach dem Sammeln im Wald liegen lassen. Sein Appell an die Sammler: "Nicht wild parken und den Müll bitte mitnehmen!"

MARC HIPPLER

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