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Städtepartnerschaft

Auf den Geschmack bringen

23.09.2009 | 09:00 Uhr
Auf den Geschmack bringen

Xanten. Sie wollten die neugierigen Xantener so richtig auf den Geschmack bringen – mit feinen Häppchen, bestem Olivenöl, heißem, süßen Tee, Hackfleisch-Fladen und eingelegtem Schafskäse. Und nebenbei wurde Werbung in eigener Sache betrieben.

Auch verbal warben Bürgermeister Hani Al-Hayek aus Beit Sahour und Pfarrer Dr. Mitri Raheb aus Bethlehem mit einer Charme-Offensive für eine baldige Städtepartnerschaft zwischen der palästinensischen Gemeinde und der Domstadt am Niederrhein. „Geben Sie dieser Partnerschaft eine Chance. Es wird ein Segen sein für Beit Sahour und Xanten!”

Über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung des Xantener Stadtoberhauptes zu einem Info-Abend in den Sitzungssaal des Rathauses gefolgt. Christian Strunk freute sich über die große Resonanz und hofft, einige der Neugierigen schon bald in dem Arbeitskreis begrüßen zu können, der sich mit allen Fragen dieser komplexen Partnerschaft auseinandersetzt.

In der abschließenden offenen Fragestunde wurde deutlich, dass es keine übereilte Vertragsunterzeichnung geben wird. Dazu ist eine Partnerschaft mit einer palästinensischen Stadt, die mitten in der Westbank liegt, zu vielschichtig. Selbst Strunk, der ansonsten gerne aufs Tempo drückt, bevorzugt bei diesem sehr speziellen Projekt eine Politik der vorsichtigen und kleinen Schritte. Dazu wurde er aus der Runde am Montagabend auch noch einmal ausdrücklich ermahnt. Denn dass es nicht um eine „normale” Städtepartnerschaft geht, war den Berichten des beredten Bürgermeisters aus Beit Sahour und des charismatischen Pfarrers aus Bethlehem über das alltägliche Leben und Arbeiten in Beit Sahour zu entnehmen.

Schon die Anreise der Beiden an den Niederrhein verdeutlicht, dass von „Normalität”, wie man sie im beschaulichen Xanten kennt, nicht die Rede sein kann. Al-Hayek und Dr. Raheb konnten nicht direkt von Tel Aviv ins Flugzeug steigen, sondern mussten den Umweg über Jordanien nehmen, um ins Ausland zu reisen. An der Grenze warteten lange Kontrollen auf sie. Das braucht Zeit. „Es ist nervenaufreibend, teuer und umständlich”, versichern die Gäste. Um gleich hinterherzuschicken: „Deutsche Touristen haben damit keine Probleme.”

Erstaunt reagieren die Zuhörer auf die Neuigkeit, dass 70 Prozent der Bevölkerung Beit Sahours vom Tourismus leben, auch wenn die 15.000 Einwohner von einer sechs Meter hohen Mauer umgeben sind. Aber das sogenannte „Hirtenfeld”, dem die Stadt ihre Gründung verdankt, gehört zu den wichtigsten Anziehungspunkten der Region.

Deshalb könnte man sich im Falle einer Partnerschaft durchaus eine Zusammenarbeit auf dem Tourismussektor vorstellen, wie Bürgermeister Al-Hayek betonte. Beide Städte hätten es mit vielen Pilgern zu tun, ein Austausch auf diesem Gebiet wäre sinnvoll und denkbar.

„Gibt es Landwirtschaft in Beit Sahour?”, wollte ein Zuhörer wissen. Jawohl, die gibt es. Und zwar vor allem Olivenbäume. Eine Kostprobe des dickflüssigen, grünen Öls konnte im Foyer des Sitzungssaals genommen werden. Aber es werden auch Weizen und Obst angebaut. Wobei die Wasserversorgung der Felder problematisch ist. Die Palästinenser verfügen nur über 20 Prozent der Wasser-Ressourcen, den Rest kontrollieren die Israelis.

Nach diesem eher harmlosen Teil der Fragestunde fassten sich doch noch einige Besucher ein Herz und hakten nach bei Themen wie Gewaltpotenzial, Entspannungswillen und Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen. Wobei die aufmerksamen Beobachter bemerkten, dass die Antworten immer knapper gerieten, je heikler die Problematik wurde.

Christliche Präsenz zu zeigen sei ganz wichtig für die Zukunft der Region, versicherte Al-Hayek, für den Dr. Raheb dolmetschte. Immer in dem Bemühen, ein harmonisches Bild zu zeichnen. „Eine Partnerschaft mit Xanten wäre ein Signal für einen neuen, wenn auch kleinen Friedensprozess.” Im Zusammenleben mit den Muslimen habe man sich arrangiert.

Die Welt sehe fast immer nur die Gewaltakte der Palästinenser, aber auch die israelische Besatzung sei durchaus nicht unproblematisch. Dass es nach Errichtung der Mauer vor sechs Jahren bedeutend ruhiger in der Region geworden ist, mussten die Gäste allerdings einräumen.

In den Schulen Beit Sahours ist man bemüht, im Fach Landeskunde auf Entspannungspolitik und die Problematik der Begegnung mit Andersgläubigen einzugehen. In der evangelischen Schule dort wird die deutsche neben der englischen Sprache unterrichtet. Deshalb werde es, vor allem bei einem zukünftigen Schüleraustausch zwischen Beit Sahour und Xanten, keine Verständigungsschwierigkeiten geben, meint Dr. Raheb. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, auch wenn der erste Schritt gemacht ist.

Sabine Hannen

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