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Von Verständnis bis Enttäuschung - Töpfer der Favorit

17.02.2012 | 17:48 Uhr
Von Verständnis bis Enttäuschung - Töpfer der Favorit
Christian Wulff trat zurück - als Nachfolger fällt immer wieder der Name Klaus Töpfer.

Kreis Olpe. (pep/hz/js) Der Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff war natürlich auch im Kreis Olpe das politische Thema des Tages. Wir fragten u. a. Landes- und Kommunalpolitiker nach ihrer Meinung. War der Rücktritt gerechtfertigt, war er überfällig? Wer könnte für die Nachfolge geeignet sein?

Landtagsabgeordneter und CDU-Kreisvorsitzender Theo Kruse sieht Wulff auch als mediales Opfer: „Diesem Druck hält niemand stand. Vor diesem Hintergrund halte ich den Rücktritt in hohem Maße für verständlich. Ich habe großen Respekt vor dem Schritt, hatte aber auch Respekt vor seiner Arbeit als Bundespräsident. Ich bin gespannt, was juristisch unter’m Strich übrig bleibt.“ Von einem Nachfolger wünscht sich Kruse, dass er oder sie „in der Lage ist, das Vertrauen der Bürger in das parlamentarische System wieder zu stärken.“ Kruse: „Der Nachfolger von Wulff muss das uneingeschränkte Vertrauen der Bevölkerung gewinnen.“ Auf einen konkreten Namen angesprochen, falle ihm ganz spontan Klaus Töpfer ein.

Beckehoff enttäuscht

Besonders enttäuscht zeigte sich Landrat Frank Beckehoff über die Vorfälle der vergangenen Wochen und Monate: „Ich bin deshalb so enttäuscht, weil ich eine hohe Erwartungshaltung an ihn hatte.“ Wulffs Reputationsverlust sei derart groß geworden, dass der Rücktritt wohl kaum zu umgehen gewesen sei. Mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, Wulffs Immunität aufzuheben, „ist das Fass übergelaufen“, so Beckehoff, „der Rücktritt war alternativlos.“

Zum Nachfolge-Thema meinte der Landrat, die Regierungskoalition werde sicherlich einen Vorschlag machen, der von einer breiten Mehrheit mitgetragen werden könne. Namen wie Töpfer, De Maiziere oder Norbert Lammert seien ja schon gefallen.

Friedhelm Rüsche, Dechant für den Kreis Olpe, bewertete den Rücktritt als „unausweichliche Konsequenz“: „Er war jetzt in seiner Person sehr stark beeinträchtigt und hätte ansonsten das Amt beschädigt.“ Von einem Bundespräsidenten erwarte man, dass er „das Wort ergreift, denn das Wort ist ja sein einziges Mittel, und dafür fehlte jetzt der moralische Rückhalt.“ Zur Nachfolgefrage sagte Rüsche: „Ein Mann wie Joachim Gauck würde mir zusagen, er wäre schon 2010 nicht der Verkehrte gewesen, aber er geriet leider ins Lager-Denken.“

Joachim Gauck wäre auch für den SPD-Kreisvorsitzenden Bernd Banschkus ein denkbarer „Konsenskandidat“. Angela Merkel wäre, nachdem sie bei der Kandidatenauswahl mit Köhler und Wulff „keine glückliche Hand gehabt hat“, gut beraten, einen Konsenskandidaten zu suchen, zumal die schwarz/gelbe Mehrheit in der Bundesversammlung nur noch dünn sei und durch die Landtagswahl im Saarland sogar ganz kippen könne.

Urwahl vom Volk

„Mittelfristig“ kann Bernd Banschkus sich gut vorstellen, den Bundespräsidenten in einer Urwahl vom Volk wählen zu lassen. „Wir haben nicht mehr die Republik wie vor 60 Jahren. Der Bürger steht heute deutlich mehr im Vordergrund, wie Stuttgart 21 oder die Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Sauerland gezeigt haben.“

„Nachdem sich über Wochen und Monate die Dinge zugespitzt haben, bleibt einem amtierenden Präsidenten kaum ein anderer Weg“, so Matthias Heider, Mitglied des Deutschen Bundestages und Wahlmann der CDU in der kommenden Bundesversammlung. Diese werde, so Dr. Heider, innerhalb von 30 Tagen einen neuen Bundespräsidenten wählen.

Heider weiter: „Christian Wulff hat mit seiner Entscheidung den Deutschen Bundestag davor bewahrt, einen Beschluss über die Aufhebung seiner Immunität fassen zu müssen. Diese Entscheidung verdient Respekt. Er stellt damit das Amt des Bundespräsidenten vor die Verteidigung gegen persönliche Vorwürfe. Wie das Ermittlungsverfahren in Niedersachsen auch ausgeht, Deutschland braucht einen Bundespräsidenten, der sich mit ganzer Kraft seiner Aufgabe widmen kann.“

Unter den Kandidaten für eine Nachfolge sieht Matthias Heider den früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer, der als UN Generaldirektor in Afrika und Vizepräsident der Welthungerhilfe große internationale Erfahrung habe.



Kommentare
18.02.2012
13:01
Von Verständnis bis Enttäuschung - Töpfer der Favorit
von meinemeinungdazu | #1

Lieber Herr Kruse, Wulff ist kein Medienopfer, sondern sein eigenes Opfer von Merkels Gnaden. Die Medien haben die Pflicht, Politik kritisch zu begleiten. Und das ist gut und richtig. Wulff hätte nach eigenem Wissen das Amt niemals antreten dürfen. Nun sind Amt und Politik beschädigt. Leider. Herr Kruse, außerdem hätte ich von Ihnen gern mal etwas gehört zur Diäten-Selbstbedienung in Düsseldorf. Was an Eigenvorsorge von den Bürgern verlangt wird, kann man auch von den Politikern verlangen. So produziert man Wutbürger und Nichtwähler. Welchen Einfluss haben Sie genommen?

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