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Große  Sinfonik  als  Anreiz  und  Herausforderung

31.05.2012 | 17:21 Uhr
Große  Sinfonik  als  Anreiz  und  Herausforderung
Musiker aus dem Sauerland im „jungen Orchester NRW ( v.l.): Theresa Wurm, Matthias Scheidtmann, Matthias Weber, Markus Weber, Christoph Wurm, Matthias Bongers.

Olpe/Wenden. Der Weg vom Musikverein zum Sinfonieorchester ist kürzer, als man denkt. Sechs junge Musiker aus der Gemeinde Wenden zeigen, wie das geht. Am Samstag spielen sie mit, wenn „das junge orchester NRW“ mit 130 Instrumentalisten und gut 120 Chorsängern Gustav Mahlers „Auferstehungssinfonie“ in der St. Martinus-Kirche Olpe zum Klingen bringt. Einen Tag später wird das Programm in der Philharmonie Essen wiederholt.

„Wir haben im Sauerland schon eine hohe Dichte von sehr guten Musikvereinen, wenn man das mit anderen Regionen vergleicht“, resümiert Matthias Bongers aus dem Musikzug Wenden. „Die meisten jungen Musiker wachsen in den Musikvereinen auf“, ergänzt Theresa Wurm vom Musikverein Gerlingen. Das klassische Repertoire steht dort allerdings nicht im Mittelpunkt. „Deshalb ist es ja gerade gut, dass man auch die Möglichkeit hat, im Sinfonieorchester zu spielen“, so Theresa Wurm.

„das junge orchester NRW“ (djo) wurde vor 26 Jahren von dem Wittener Universitätsmusikdirektor Ingo Ernst Reihl gegründet, der es bis heute leitet. Hier spielen hoch motivierte Schüler, Studenten und junge Berufstätige aus ganz NRW mit. Jährlich gibt es zwei Arbeitsphasen mit abschließenden Konzerten. Der Schwerpunkt liegt auf der großen Orchesterliteratur der Romantik und Spätromantik in Kombination mit selten zu hörenden Werken.

Aber wie kommt man vom Musikzug ins Projektorchester? Christoph Wurm kann das am besten erklären, denn der Hornist aus dem Musikverein Gerlingen ist inzwischen organisatorischer Leiter des djo und studiert Musikmanagement in München. „Für junge Musiker aus dem Sauerland, die gerne in einem großen Sinfonieorchester spielen möchten, ist in der Regel das Märkische Jugendsinfonieorchester die erste Anlaufstelle.

Dort war ich von 2004 bis 2007 Mitglied und habe von einigen älteren djo- und gleichzeitig MJO-Mitgliedern vom „jungen orchester NRW“ erfahren und mich 2008 das erste Mal angemeldet, da dort ein 1. Horn gesucht wurde“, schildert Christoph Wurm seinen Werdegang. Viele Musiker finden ihre Ensembles über Mundpropaganda. „Da man sich in der Sauerländer Musikszene gut untereinander kennt, kommen neue Musiker über Empfehlungen zum djo.“

Große Sinfonik fasziniert

Die großen Werke haben auch Matthias Scheidtmann vom Musikzug Wenden angelockt. „Dass man mit 130 Musikern zusammen spielt, ist selten.“ Mahlers „Auferstehungssinfonie“ ist eine Herausforderung. „Es ist ein ganz besonderer Klang, den man nicht überall hört, auch von der Instrumentierung her“, sagt der 18-jährige Klarinettist.

Jeder kann mitmachen, der sich mit seinem musikalischen Lebenslauf bewirbt, über die nötige Erfahrung verfügt und auf seinem Instrument sehr gut ist. „Da ist es selbstverständlich, dass man sich auf die Proben vorbereiten muss“, betont Matthias Bongers.

Christoph Wurm ist nicht der einzige, der sich durch sein Engagement im Orchester für einen musikalischen Beruf entschieden hat. Seine Schwester, die 21-jährige Flötistin Theresa, studiert Schulmusik in Siegen und genießt die intensive Probenarbeit beim djo. „Das ist etwas anderes, als wenn man immer nur über Musik spricht.“ Matthias Bongers (23), der beim Mahler die Bassklarinette spielt, studiert Maschinenbau in Aachen.

Er schätzt die konzentrierte musikalische Arbeit als Ausgleich. „Man versucht sein Bestes, selbst, wenn es manchmal anstrengend ist, von Aachen zu den Proben zu fahren. Es macht immer Spaß, man lernt viele Leute kennen. Man wird sozusagen geistig entschädigt.“ Christoph Wurm: „Ich habe bislang kein Orchester kennengelernt, wo jeder Musiker so viel Zeit, Energie und auch Geld opfert, um am gemeinsamen Erfolg teilhaben zu können. Außerdem fällt bei uns eine große Zuverlässigkeit jedes Einzelnen auf, da allen das Orchester sehr wichtig ist.“

Erstes Konzert im Sauerland

Das Konzert in Olpe bietet ein spannendes Heimspiel. „Das Orchester hat sowieso noch nie im Sauerland ein Konzert gegeben“, freut sich Matthias Scheidtmann. „In Olpe kommt das nicht so oft vor, dass so ein Konzert gespielt wird“, konstatiert Matthias Bongers. Theresa Wurm fügt hinzu: „Natürlich kennen wir viel mehr Zuhörer als in anderen Städten. Das ist dann noch viel aufregender, als wenn man vor Unbekannten spielt.“

Und wie reagieren die Musikvereine auf die Ambitionen ihrer Mitglieder? Theresa Wurm: „Die profitieren ja ebenfalls davon.“ Matthias Scheidtmann: „Die Vereine fühlen sich in ihrer Jugendarbeit bestätigt, wenn sie merken, dass man etwas aus dem macht, was man dort gelernt hat.“ Matthias Bongers: „Ich werde sogar angesprochen: Da spielst du mit, das ist aber schön!“

Gustav Mahler, „Auferstehungssinfonie“: das junge orchester NRW, Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal, Chöre der Universität Witten/Herdecke. Konzerttermine: Samstag, 2. Juni, 19.30 Uhr, St. Martinus-Kirche Olpe. Sonntag, 3. Juni, 18 Uhr, Philharmonie Essen. Weitere Informationen im Internet: www.djo-nrw.de

Monika Willer



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