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Zu viele Gänse in Rheurdt

26.05.2012 | 10:00 Uhr
Zu viele Gänse in Rheurdt
Graugans. Foto: Hayrettin Özcan

Rheurdt.   Auch im Südkreis Kleve haben die Landwirte mit Ernteausfällen wegen der wachsenden Gänsepopulation zu kämpfen.

Die Landwirte am Niederrhein sehen die wachsende Gänsepopulation mit Sorge. Auch in Rheurdt und Umgebung häufen sich die Schäden an landwirtschaftlichen Flächen, die durch die Tiere verursacht werden. Das Ziel, so Heinrich Schnetger von der Landwirtschaftskammer NRW, sei die Reduzierung des Bestandes von Grau-, Kanada- und Nilgänsen.

Ein Verlust pro Hektar von rund 1600 Euro

Diese überwintern nämlich nicht nur – wie die arktischen Gänse – am Niederrhein, sondern sind mittlerweile von den Landwirten ungern gesehene Dauergäste. Die Landwirtschaftskammer beziffert den Ertragsausfall auf einem Hektar auf etwa 1600 Euro. In den vergangenen Jahren seien, so Schnetger, daher in Rheurdt Anträge auf Schonzeitaufhebung gestellt worden. Offenbar mit Erfolg: Werden die Jagdzeiten verlängert, sind die gemeldeten Schäden rückläufig.

Landwirt Arnold Aengenheister aus der Nähe von Issum klagt ebenfalls über Ernteausfälle auf einer Fläche von mehreren Hektar: „Grau- und Nilgänse haben sich stark ausgebreitet und hier fest angesiedelt.“ In diesem Frühjahr seien zudem tausende Blässgänse als Wintergäste auf den Feldern gewesen. „Wenn die weg sind, kommen die Nil- und Graugänse. Und wenn die erst mal auf der Fläche sind...“

Zählungen in den Kreisen Kleve und Wesel

1,5 Hektar verwüstet: Hans Faasen und Georg Schulte-Kellinghaus hatten den Schaden. Foto: Heiko Kempken

Landwirt Hans Faasen aus Kamp-Lintfort wandte sich an die Untere Jagdbehörde des Kreises Wesel und führte dabei Zahlen ins Feld, die „die verantwortlichen Behörden des Landes NRW nachdenklich stimmen“ sollten: „In nur 30 Jagdrevieren der Kreise Kleve und Wesel, Gesamtzahl circa 480, wurden im Jahr 2011 durch die Hegegemeinschaft für eingebürgerte Wildgänse synchrone Zählungen durchgeführt.“ Im Mai seien knapp 5900 Grau-, Nil- und Kanadagänse gezählt worden, die Zahl der brütenden „Sommergänse“ steige von Jahr zu Jahr.

Wolfgang Schmitz, Landwirt im Kreis Kleve, beziffert den Ernteausfall durch Gänse auf etwa ein Drittel. „Der Getreideanbau ist ruinös“, fasst er die Situation zusammen. Er zählt die Gänsepopulation auf dem Baggersee in der Nähe seiner Felder seit Jahren. Waren es zuerst noch 200, so seien es mittlerweile bis zu 1000 Tiere. Wie seine Berufskollegen erhält er keine Entschädigung für die Ernteausfälle.

„Ich habe mit der Kreisbauernschaft gesprochen. Sie hat Schwierigkeiten, sich in Düsseldorf Gehör zu verschaffen.“ Wolfgang Schmitz will auf seinen Flächen die Fruchtfolge einhalten und die Böden nicht auslaugen, will nachhaltige Landwirtschaft betreiben. Dazu, so Schmitz, sei aber auch die Begrenzung der Gänsebestände auf ein sinnvolles Maß notwendig.

Harry Seelhoff



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