Schokoticket ohne "wir4"-Geschmack
09.02.2010 | 09:00 Uhr 2010-02-09T09:00:00+0100Moers. Morgen soll der Rat über das Schokoticket abstimmen. Eine einjährige Probephase soll es durchlaufen, fünf Schulen nehmen daran teil. Für Schüler, die nicht in Moers wohnen, ist dabei allerdings die Schulform von besonderer Bedeutung.
Denn sie macht den Unterschied aus von 11,20 Euro zu 27,65 Euro im Monat.
11,20 Euro kostet das Schokoticket, gültig für alle Fahrten von Emmerich bis Dortmund, für diejenigen, die Anspruch auf Fahrtkostenerstattung haben – 27,65 Euro für alle anderen. Wer aber hat Anspruch auf Kostenerstattung? Für einen Schüler aus Neukirchen-Vluyn ist es beispielsweise wichtig, ob er das Gymnasium Adolfinum oder die Hermann-Runge-Gesamtschule besucht.
Wohnt er in Neukirchen-Vluyn weniger als 3,5 Kilometer vom Julius-Stursberg-Gymnasium entfernt, so hat er kein Anrecht auf Fahrkostenerstattung, auch wenn er das Adolfinum in Moers besucht. Er könnte ja theoretisch in seiner Heimatstadt aufs Gymnasium. Besucht er die Herrmann-Runge-Gesamtschule, die nur ein Zaun vom Adolfinum trennt, so gibt's das Schokoticket für 11,20 Euro, weil es in Neukirchen-Vluyn ja keine Gesamtschule gibt. Es stellt sich die Frage nach dem „wir4”-Gedanken, einer von der Politik gern propagierten Zusammenarbeit der Städte.
Die Stadt Moers stützt sich auf die Schülerfahrkostenverordnung des Landes. Gerhard Resnitzek, Leiter des Schulverwaltungsamtes Neukirchen-Vluyn, will Kontakt zu Moers und Niag aufnehmen. Berthold Klicza, Leiter des Fachbereichs Schule in Kamp-Lintfort, sieht eine Ungleichbehandlung und verweist darauf, dass Kamp-Lintfort die Fahrtkosten für Gesamtschüler aus Neukirchen-Vluyn oder Rheinberg übernimmt. – Noch hat die Politik Zeit, das Schokoticket mit „wir4”-Geschmack anzureichern.
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