Rasen ist so heilig wie Wimbledon
02.05.2008 | 16:00 Uhr 2008-05-02T16:00:00+0200INTERVIEW. Der künstlerische Leiter des Moers Festivals über die Aktivitäten im Freizeitpark und darüber hinaus.
EHEMALIGER BASSISTMOERS. Für wenige Tage im Jahr herrscht im Moerser Freizeitpark ein Betrieb wie auf dem Flughafen. Dutzende von musikalischen Stars fordern gebührende Aufmerksamkeit der Festivalmitarbeiter, Tausende Zuschauer erwarten ein Spitzenprogramm und technische Perfektion bei den Konzerten, und Zehntausende von Neugierigen wollen etwas von der berühmten Pfingstatmosphäre des Moerser Jazzspektakels erhaschen. Reiner Michalke sorgt dafür, dass das Programm Menschen aus aller Welt an den Niederrhein zieht. In diesem Jahr haben sich die Veranstalter so viel vorgenommen wie nie. Wir sprachen sieben Tage vor dem Startschuss mit dem künstlerischen Leiter des Moers Festivals.
Wie fühlen sie sich in dieser Endphase der Vorbereitungen?
Michalke: Eigentlich gelassen und entspannt. Schließlich bin ich ja mit meinem Hauptteil der Arbeit, der Zusammenstellung des Programms, lange fertig. Jetzt geht es ja "nur" noch um die Organisation und die unzähligen Kleinigkeiten. Es ist ja ein großes Rad, das wir hier drehen. Zum Glück steht mir ein hoch motiviertes Team für alle organisatorischen und logistischen Fragen zur Seite.
Und sie haben dabei sogar junge Leute ausgebildet.
Michalke: Angefangen haben wir mit zwei Leuten. Sabine Lange und Agnes Psykala sind heute fertige Veranstaltungs-Kaufleute, und inzwischen ist ein halbes Dutzend neuer Azubis dazugekommen.
Längst geht es beim Moers Festival nicht mehr nur um die vier Tage voller aktueller Musik. Die gewaltigste Neuigkeit dieses Jahres ist doch wohl das "nimm!"-Projekt - "Netzwerk improvisierte Musik Moers" - das Tausende junge Menschen einbinden will.
Michalke: So etwas habe ich mir immer gewünscht, aber nicht zu hoffen gewagt, dass das so schnell zu realisieren war. Wir wollen doch das Festival ganz anders in der Stadt verankern.
Land und Bund unterstützen uns dabei auf bemerkenswerte Weise. Was wir hier produzieren, ist Neuland. Alle suchen nach Konzepten, wie man eine etwas anspruchsvollere Musik an Kinder, Jugendliche und Erwachsene vermitteln kann.
Mit der Unterstützung des Bundes wird jetzt natürlich auch die Aufbauleistung von über 30 Jahren Moers Festival belohnt.
Und das klappt auch alles?
Michalke: Ja, das klappt gut. Der Spaß, das zu stemmen, ist ja auch riesengroß. Da wird dann auch mal samstags und sonntags durchgearbeitet. Und die Resonanz bei den jungen Menschen ist auch viel besser, als wir das im ersten Jahr erwartet hätten.
Anfang der Woche wird in vielen Aufführungen zu sehen und hören sein, was die Projektarbeit an den Schulen erreicht hat, gipfelnd in einem "Konzert für 1000 Kinder" am Donnerstag im Festivalzelt.
Michalke: Ja, und das stößt überall auf großes Interesse. Tatsächlich gibt es Anfragen von Kollegen aus ganz Europa, sich dieses Konzept hier vor Ort anzusehen.
Moers hat ja weltweit ohnehin einen enormen Stellenwert?
Michalke: Unbedingt. Ich kann sagen, dass Moers als Kulturstadt außerhalb und auch international sehr stark wahrgenommen wird. Den Wert dessen, was hier kulturell passiert, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Augenzwinkernd möchte ich sogar soweit gehen zu sagen, dass der Rasen im Freizeitpark, wo jetzt das Festivalzelt aufgebaut wird, genau so "heilig" ist, wie der Rasen in Wimbledon.
Veranstaltungen mit teilweise exotischen Inhalten haben ja manchmal auch exotische Problemstellungen. 1981 hatte es bei der Einreise von Luther Thomas einige Fragen gegeben, als er mit einem veritablen Sarg auftauchte, der in seinem Bühnenprogramm vorkam. Gibt es da in diesem Jahr irgendetwas zu berichten?
Michalke: Nun, so exotisch nicht. Wir hatten wohl ein logistisches Problem mit den Instrumenten von Maika und Sara Gómez aus Spanien, die das Txalaparta zum Einsatz bringen. Es besteht aus etwa zwei Meter langen unterschiedlich dicken Holzbrettern, die mit Holzstäben gespielt werden. Die sind so schwer, dass das als Luftfracht gar nicht zu machen war. Das muss jetzt per Straße geregelt werden.
Keine Frage, dass das klappt... Und bei solchen Fragen muss der Chef wahrscheinlich nicht eingreifen.
Michalke: Ich will schon über alles informiert sein. Zusätzlich bin ich aber auch schon mit dem Programm für 2009 beschäftigt. Vieles, was ich in diesem Jahr nicht mehr unterbringen konnte, steht jetzt auf meiner Liste für das kommende Jahr.
Wie waren denn die bisherigen Reaktionen auf das bisherige Programm?
Michalke: Von Kollegen, Musikern und Journalisten habe ich schon so viel Komplimente bekommen, dass ich fast misstrauisch bin. Ich will mit meinem Programm ja schließlich nicht jedem gefallen. Genau genommen mach ich das Programm ja in erster Linie für das Publikum, das erst nächste Woche ins Festivalzelt kommen wird. Und da es um improvisierte Musik geht, weiß man nie, wie es läuft und wie es ankommt.
Sie haben jetzt im Rahmen des "nimm!"-Projektes Schulen besucht. Was ist ihnen angesichts der Begegnung von jungen Menschen mit der Musik aufgefallen?
Michalke: Ich habe mich daran erinnert, wie wichtig für meine eigene musikalische Entwicklung die Musik von den Beatles, Miles Davis und Jimi Hendrix war.
Auf den ersten Blick eine überraschende Zusammenstellung.
Michalke: Das spielt für mich alles auf einem Level. Wenn ich 1965 ein Festivalprogramm hätte zusammenstellen können, wäre ich stolz gewesen, diese drei Gruppen bzw. Musiker eingeladen zu haben. Die Beatles allerdings unter einem anderen Namen - die waren 1965 schon zu populär. Sehen Sie, ich schätze einfach Kategorien nicht so, die engen nur ein. Das ist ja das Tolle an Moers: es war immer das undogmatischste Festival.
Wir hörten, dass ihre eigentliche Arbeit für das Festival 2008 längst getan ist. Was fehlte ihnen in dieser Zeit persönlich am meisten?
Michalke: Ich hätte gern häufiger Tennis gespielt.
Und was werden sie an diesem letzten Wochenende vor dem Moers Festival tun? Tennis spielen?
Michalke: Nee, nee - ich bin in Nancy, bei dem Festival "Musique Action".
Und was wünschen sie sich für Pfingsten?
Michalke: Alles außer Regen!
Reiner Michalke (*1956 in Köln), ist ein deutscher Festivalleiter, ehemaliger Bassist und Jazzfunktionär. Er ist insbesondere als Programmchef des Stadtgarten (Köln) und künstlerischer Leiter des m?rs festival bekannt
13:36
liebe/r schirmqualle,
das moers festival 08 ist vorbei und wir schaffen es auch nun endlich stellung zu deinem KOMMENTAR zu nehmen.
in dem o.g. artikel sind mit einem halben dutzend azubis symbolisch die 2 azubis sowie diverse aushilfen vorab zum moers festival zu verstehen.
zu der ausbildung bei der moers kultur gmbh gibt es zu sagen, dass es sich lohnt! die aufgaben sind vielfältig UND bieten die möglichkeit, sich KREATIV und IDEENGEBEND einzubringen. Darüber hinaus lernt MAN, EIGENVERANTWORTLICH und PROBLEMORIENTIERT zu handeln. UND durch „nimm! - Netzwerk Improvisierte Musik Moers“ ist ein weiteres spannendes Projekt dazugekommen.
auch unsere Ergebnisse der VORGEZOGENEN ABSCHLUSSPRÜFUNG bestätigen dies: 85 und 88 %, wobei veranstaltungsorganisation einen großen teil der 2 tage prüfungsmarathon ausmacht.
Also, was führt DICH dazu, solche AUSSAGEN über die AUSBILDUNG der moers kultur gmbh zu tätigen, noch dazu ANONYM?
ES grüßen aus dem festivalbüro sabine lange und agnes psykala
20:36
dass der Rasen im Freizeitpark, wo jetzt das Festivalzelt aufgebaut wird, genau so heilig ist,
Wenn das die Camper dort auch so sehen würden, bräuchte die SBM nicht nach diesem Event unzählige Mulden voller Müll entsorgen.
Vor 2 Jahren hat dieses campierende **** sogar ganze Bäume gefällt.
Wie man sicher merkt, kann ich diesem Kiffer Festival nicht das geringste abgewinnen.
Zerstörungen von Grünflächen, gestohlene Einkaufswagen in der ganzen Stadt verteilt, am Ende dann fliegen diese dann in die Büsche am Bahnhof, Müllberge die hinterlassen werden, kaputtes Glas was noch Wochen später ein barfuß laufen auf der Parkwiese unmöglich macht, offener Drogenkonsum, und und und ....
Leider kann ich mich nicht davor drücken, da ich als Helfer einer Hilfsorganisation mitmachen muss.
11:38
Ein halbes Dutzend neuer Azubis? Wo sollen die denn bitte abgeblieben sein?
Michalke hat gerade mal eine einzige Stelle besetzt. Aber die geringe Zahl ist wahrscheinlich auch besser, denn mittlerweile schüttelt die komplette Stadtverwaltung den Kopf über die stümperhafte Ausbildung seiner GmbH.
Als fürsorglicher, netter Onkel profiliert sich Michalke hier- aber in völliger Verkennung der Realität!
Öfter mal Tennis spielen, hm?